St. Peter renoviert: „Schlicht, aber edel“

Die Stiftskirche der Benediktinerabtei St. Peter gehört zu den best- und meistbesuchten Gotteshäusern in Salzburg. Für viele unvorstellbar: Ab Ende September bleibt sie für ein Jahr geschlossen. Grund: große Renovierungsmaßnahmen.

Salzburg-St. Peter. Schnell noch einmal ein letzter Blick, ein Rundgang oder Gottesdienstbesuch, denn: Die Stiftskirche schließt für ein Jahr die Pforten. Renoviert wurde schon öfters, aber nicht in diesem Ausmaß: Bei der Generalsanierung vor 40 Jahren sei vor allem an der Oberfläche gearbeitet worden, sagt der Erzabt des Stiftes, Korbinian Birnbacher OSB. Und: „Das war der damalige Stand der Dinge, heute gibt es viel mehr Auflagen – Brandschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit.“ Letztere erfordert einen zusätzlichen Zugang in das Gotteshaus. Der Erzabt zeichnet den Weg via der „alten Pforte“ und Seiteneingang der Kirche am Plan nach, stoppt an der skizzierten Türe – „hier wird ein elektronischer Türöffner zu betätigen sein.“

Maßgeblich wird die Neugestaltung des Presbyteriums. Der Bereich unter der Kuppel wird auf eine Ebene gebracht, das Chorgestühl erneuert, die Balus-
trade abgebrochen – sie kommt am Grab des hl. Rupert im Seitenschiff  wieder zur teilweisen Nutzung. Der neue Bodenbelag, wie bisher aus Untersberger und Adneter Marmor, wird konzentrisch verlegt – die Mitte bildet eine Öffnung zur Krypta. Die Symbolkraft liegt auf der Hand: Hier wird eine vertikale Verbindung zwischen Krypta, Altarraum und Kuppel geschaffen. „Die Ebenen von Toten, Lebenden und des Himmels stehen in einer Kommunikation in der gemeinsamen Feier“, erklärt der Erzabt.

Römisches Vorbild

Als Abdeckung dient ein aus Bronze gegossenes Gitter, das Wappen des Erzabtes. Dass sich dieser in irgendeiner Weise im Renovierungsvorhaben verewigt, entspricht der „Tradition klösterlichen Bauens“, schildert der Benediktinerpater. Dieses „Kanalgitter“, wie er es schmunzelnd nennt, hat aber einen ganz funktionalen Nutzen: „Die Feuchtigkeit aus der Krypta muss abziehen können“, sagt Birnbacher ein wenig stolz, denn mit der römischen Peterskirche, wo solch ein Gitter den Lüftungsschacht zwischen Unterkirche und heutiger Basilika abdeckt, dient schließlich nicht irgendein Gotteshaus als Vorbild für diese Lösung. Die Erinnerungen an einen Rohrbruch und den Zentimeter tiefen Wasserpegel sind noch präsent, dies gab schließlich den letzten Anstoß für die Renovierungsarbeiten. 

Die Krypta wird nicht nur neu erschlossen und zugänglich gemacht; auch zwölf bisher leere Grablegen werden so verlegt, dass die alte Apsis wieder erkennbar wird. Dabei könnte es auch Überraschungen geben: „Im Zuge des schichtweisen Bodenabtragens wird das historische Schüttmaterial außerhalb der Apsis untersucht und deren Außenwand aus dem 10. Jahrhundert freigelegt. Die neuen Teile der Krypta umfassen Bereiche, die bis dato nicht untersucht wurden. Mögliche Funde könnten Aufschluss über die Ursprünge der ältesten Bischofskirche und die Wiege des frühbesiedelten Salzburg geben“, heißt es in dem Dokument zu den Baumaßnahmen.

„In der Krypta wird man ein Raumerlebnis haben“, schwärmt Erzabt Korbinian und verweist auf die wieder sichtbar gemachte Apsis und den Lichtkegel von oben, den die neue Öffnung mit sich bringt. Die Krypta soll künftig zu Allerheiligen oder anderen passenden Anlässen geöffnet werden.

12 Millionen Euro Kosten

Derzeit läuft die Lukrierung von Spenden für das Großprojekt. Das veranschlagte Gesamtbudget: zwölf Millionen Euro. „Den Großteil können wir Gott sei Dank selbst aufbringen“, sagt der Erzabt, der noch auf Unterstützung der öffentlichen Hand hofft, denn „die Kirche ist bedeutend genug“. Erfreut zeigt sich Birnbacher über den Beitrag von 200.000 Euro seitens der Erzdiözese: „Das hilft uns sehr.“

Ursprünglich sei nur eine „weitere kosmetische Reinigung der Kirche“ geplant gewesen, doch bei näherem Hinsehen seien gravierende Mängel und erhöhter Renovierungsbedarf festgestellt worden. „Man kann nicht einfach eine konservierende Käseglocke über alles machen und es nur rein äußerlich erhalten, sondern wir müssen es weiterentwickeln.“ Zudem ist es die Technik, die „einen großen Batzen“ ausmacht, führt der Bauherr aus – von Beleuchtung und Brandschutz bis hin zu Heizung und Tonanlage.

Keine Verhübschung

Acht Jahre lang dauerten die Vorbereitungen auf den nun startenden Umbau. „Es gab eine Arbeitsgruppe mit Experten, darunter Mitglieder der Kunstkommission der Erzdiözese – alles in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt, wofür ich sehr dankbar bin. Sogar ein wissenschaftliches Symposium hatten wir.“ Die Klosterbrüder haben sich an Gemeinschaftstagen mit fachlicher Begleitung beraten. „Wir haben uns im Konvent mit überwältigender Mehrheit für dieses Modell entschieden“, strahlt der Erzabt und zeigt auf die 3-bändigen Pläne. Als Kunstliebhaber weiß er um den einen oder anderen mutigen Vorstoß: „Die Stiftskirche hat eine kontinuierliche Bauphase vom beginnenden 8. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wir dürfen uns schon etwas trauen. Es sind nicht Elemente, die etwas zerstören, sondern die etwas ergänzend hinzufügen.“ Konkret schwebt ihm auch ein großes von der Decke hängendes Kruzifix vor.

Der stilistische Ansatz hinter dem Vorhaben laute „schlicht, aber edel“, der Raum vertrage keine Verhübschung, kein Ornament mehr, so Birnbacher. Schnörkel werden die Besucher an den neuen Elementen künftig vergebens suchen, soviel versprechen die Pläne von Chorgestühl, Ambo und Altar. Die liturgischen Elemente gestaltet der Salzburger Architekt und Karikaturist Thomas Wizany. Ein von ihm angefertigtes Modell des Altars zeigt der Erzabt im Nebenraum. Am kubischen grauen Stein – das Original wird aus Adneter Marmor angefertigt, der gleichsam aus dem Boden wächst, demonstriert der Abt den Verschluss der Reliquiennische, der an die Geheimtüre einer Pyramide erinnert. „Etwas ganz Besonderes“, bekennt der Priester. Am 22. September 2019 wird Erzbischof Franz Lackner die Altarweihe vornehmen, dabei werden Reliquien nicht nur der heiligen Benedikt und Rupert, sondern auch des Märtyrers und seligen Franz Jägerstätter versenkt. Planmäßig soll zu dieser Zeit die Renovierung des Hauptschiffes abgeschlossen sein. 

Ausweichquartier Nonnberg

Während bei der Renovierung Anfang der 80er-Jahre der „liturgische Betrieb“ aufrecht blieb, ist es diesmal anders: Nach Ruperti wird es keine Gottesdienste in der Hauptkirche mehr geben. „Das ist eine Grundsatzentscheidung“, sagt der Erzabt. Historisch erstmalig ist auch die Lösung: „Wir feiern die Gottesdienste an den Sonntagen und die Hochfeste auf dem Nonnberg und genießen dort eine geschwisterliche Gastfreundschaft. Das tut beiden Gemeinschaften gut und gibt auch neue Impulse für das Miteinander, das ist ganz erfreulich.“

Bleibt noch eine Frage: Laut einer Legende wird die Stadt Salzburg an jenem Tag zerstört, an dem das ewige Licht am Rupertusgrab in der Stiftskirche St. Peter erlischt. Wie geht man während der Renovierung mit dieser Verantwortung um? „Die Salzburger brauchen sich nicht zu sorgen, wir passen – wie die vergangenen Jahrhunderte auch – gut auf“, versichert Erzabt Korbinian mit einem Augenzwinkern.

Foto: Erzabt Korbinian Birnbacher präsentiert das Modell des neuen Altares – gestaltet vom Karikaturisten und Architekten Thomas Wizany. Fotos: eds, haro architects

 

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