Starke Frauen mischen sich ein

Wirtschaftspolitik kann das Leben von Frauen verbessern oder auch verschlechtern. Die Katholische Frauenbewegung (kfb) mischt sich ein, setzt sich für Gerechtigkeit ein und möchte so die Wirtschaft FAIRändern. Damit sind die kfb-Frauen in Österreich auf einer Linie mit ihren „Mitkämpferinnen“ auf den Philippinen. Bernadette Zeena Bello Manglinong ist Koordinatorin bei der „Freedom from Debt Coalition“ (FDC, „Koalition für eine öffentliche Entschuldung“). Sie tourt gerade durch Österreich und berichtet über ihre Kampagnenarbeit, die ein Ziel hat: „Eine nachhaltige Entwicklung des Landes und Entscheidungen der Regierung, die das Wohlergehen der Menschen vor das Gewinnstreben der Konzerne stellt.“

Salzburg/Philippinen. In ganz Österreich gibt es rund um den Familienfasttag Benefizsuppenessen zugunsten des philippinischen Projekts FDC. Die drei Buchstaben stehen für „Freedom from Debt Coalition“. Die Organisation hat sich einer geschlechtergerechten Budget- und Fi-nanzpolitik verschrieben. Die Philippinen sind hoch verschuldet. Antwort des Staates sind rigorose Sparprogramme, die hauptsächlich Gemeinden und private Haushalte und damit mit besonderer Härte Frauen treffen. Die Preise für Waren des täglichen Bedarfs, für Strom, Wasser, Miete und Bildung steigen. Die staatlichen Sozialleistungen werden zurückgefahren und die Löhne sind niedrig. Yuen Abana (im Bild oben) weiß, wofür sie ihre Stimme erhebt – auf der Straße, in Fabriken oder in Gesprächen mit PolitikerInnen. Sie will, dass die Maßnahmen gegen die hohe öffentliche Verschuldung nicht vorrangig auf Kosten von Frauen gehen.

Yuen Abana und Bernadette Zeena Bello Manglinong (im Bild unten) sind derzeit auf Einladung der Katholischen Frauenbewegung in Österreich unterwegs. Für Manglinong ist es der erste Besuch in Österreich, das erste Mal in Europa überhaupt. Die winterlichen Temperaturen machen ihr zu schaffen. Doch das Interesse der Menschen an ihrer Heimat und vor allem an FDC freut und motiviert sie. Wenn sie zu sprechen beginnt, ist sie kaum zu stoppen. Und es gibt viel zu erzählen: über die Verschuldung der öffentlichen Hand, die unfaire Sparpolitik, über ihre Arbeit bei FDC, das Eintreten für eine Entschuldung und für eine geschlechtergerechte Budget- und Finanzpolitik. Seit drei Jahren ist sie an vorderster Front aktiv. Rückendeckung kommt aus allen Ecken des Landes. „FDC ist ein Bündnis, in dem 250 Organisationen zusammenarbeiten.“

Druck auf die Politik

Wenn Manglinong die Situation in ihrer Heimat beschreibt, geht sie erst einmal in die Vergangenheit zurück. Sie berichtet, dass die Ursache für die aktuelle hohe Verschuldung des Staates in der Marcos-Diktatur (1972 – 1986) zu suchen ist. Um den Staatshaushalt ins Lot zu bringen sei schon vor Jahren der Weg von Privatisierungen eingeschlagen worden. Die Folgen waren und sind für die Bevölkerung fatal. Die FDC-Frau nennt als Beispiel die Energieversorgung. „Wir haben den höchsten Strompreis in ganz Asien. Das trifft alle, aber Frauen und ihre Familien besonders hart. Viele können sich den Strom nicht mehr leisten, Frauen müssen wieder am offenen Feuer kochen. Sie sitzen ohne Licht da. Wie sollen Kinder in einer solchen Umgebung Hausaufgaben machen und lernen?“ Mit dem Wasser verhalte es sich genauso. Hier sei die Privatisierung ebenfalls auf Kosten der Ärmsten gegangen. „Vor allem in den ländlichen Regionen ist es dramatisch. Ganz unten auf der Skala stehen die Fischer, Bauern und Frauen.“

Bernadette Zeena Bello Manglinong kennt den Überlebenskampf von Frauen, die nie genug verdienen und von Familien, die ihre Kinder arbeiten schicken müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Hinnehmen will sie das nicht. Sie und ihre FDC-Kolleginnen handeln. „Herzstück unserer Arbeit ist es, die Menschen über die Missstände bei Privatisierungsverträgen zu informieren, in Kampagnen Druck auf die Politik auszuüben und bei öffentlichen Investitionen genau nachzubohren, wer profitiert und wer verliert. Darüber hinaus unterstreicht FDC ihre Positionen mit Studien zu Armut und Ungleichheit und bringt sie über Medienarbeit unter die Leute. „Daneben stehen wir im Dialog mit politischen Akteuren und haben Unterstützer im Kongress“, berichtet Manglinong, die auf die Wahlen in diesem Jahr verweist. „Wir hoffen auf eine Veränderung und eine Regierungspolitik, die wirklich dem Wohl der Menschen dient.“

Ihre stärksten Verbündeten hat FDC in den Frauen an der Basis. „Wenn wir die ungerechte Budgetpolitik anprangern und einen Schuldennachlass für die Philippinen fordern und über Alternativen sprechen, dann sind das komplizierte Themen. Unsere Aufgabe ist es deshalb, die Frauen zu schulen. Dann können sie ihre Meinung vertreten und bei den Entscheidungsträgern beharrlich nachfragen.“

Menschen mobilisieren

Yuen Abana und Bernadette Zeena Bello Manglinong haben noch einen weiten Weg vor sich. „Zwar gibt es auf den Philippinen schon seit 20 Jahren eine Regelung, wonach alle staatlichen Einrichtungen fünf Prozent ihrer Budgetausgaben für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Entwicklung reservieren sollten. Doch diese Marke bleibt nicht selten ein Lippenbekenntnis“, sagt Manglinong. Gemeinsam mit all den anderen FDC-Kämpferinnen will sie weiter das Bewusstsein für wirtschaftliche Zusammenhänge schärfen und Menschen mobilisieren, sich für eine faire Politik einzusetzen. Unterstützung kommt von der Katholischen Frauenbewegung in Österreich, die in Sachen „Gender-Budgeting“ einen klaren Standpunkt hat: „Auch wenn wenig Geld da ist, es kommt immer darauf an, wie es verteilt wird.“

Die Welt gerechter machen

„Ich bin Feministin“, erklärt Bernadette Zeena Bello Manglinong. Sie beschreibt, was das für sie heißt: „Ich setze mich für die Rechte der Frauen ein. Wir leben auf den Philippinen in einer noch stark von Machismo geprägten Gesellschaft. Dabei sind wir Frauen mit 60 Prozent doch in der Mehrheit. Frauen müssen bei uns hart arbeiten, werden dabei aber oft übersehen. Ich möchte, dass Frauen dieselben Chancen wie Männer haben. Sehe ich Ungerechtigkeit kann ich nicht anders, als dagegen anzukämpfen. Ihr Traum sei es, „eine feministische Schule zu gründen und junge Frauen zu sensibilisieren“. Doch jetzt möchte sie einmal mit FDC alles daran setzen, das Wirtschaftssystem fairer und die Welt gerechter zu machen. „Immer mehr Frauen und ihre Familien sollen aus der Armut herauskommen.

Aus dem Hirtenwort des Erzbischofs

Ungerechtigkeiten nicht zulassen und Verantwortung übernehmen, fordert Erzbischof Franz Lackner in seinem Hirtenwort zum Familienfasttag. Er ruft zu einem „Weniger für uns“ und einem „Mehr für die Armen“ auf.

Alles Dasein verdankt sich Gott. Der Gott Jesu Christi – obwohl unendlich – verweilte nicht in Selbstgenügsamkeit, sondern: dieser Gott ist Liebe. Liebe möchte sich verströmen, verschenken, eine Atmosphäre stiften, die anderes, Neues ins Dasein lockt. Schöpfung in diesem ursprünglichen Sinne nimmt uns mit hinein in eine Bewegung der Gestaltung und Erneuerung unserer Welt. Uns als gemeinsames Volk Gottes ist diese göttliche Dynamik anvertraut. Daraus ergibt sich eine Verantwortung füreinander. Wir sind uns gleichsam nur geliehen. Wir schulden uns gegenseitig. Demnach dürfen wir Ungerechtigkeiten, Zustände, die Grundrechte des Lebens und der Entfaltung verletzen, nicht zulassen. Das sind himmelschreiende Übel.
Der Familienfastensonntag der Katholischen Frauenbewegung ist eine Stimme, die eine Gerechtigkeit aus Liebe einmahnt. Überhören wir sie nicht! Nehmen wir uns in Ansprüchen zurück! Nach den Worten des heiligen Paulus: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest.“ (1 Kor 4,7) Das Weniger für uns und das Mehr für die Armen schafft eine dem Leben dienliche und freundliche Atmosphäre: für alle!


Zum Familienfasttag lädt die Katholische Frauenbewegung (kfb) bereits seit 1958 ein. Seit damals gilt: Vom Eigenen abgeben, damit andere über mehr zum Leben verfügen. Tausende kfb-Frauen sammeln auch heuer wieder unter dem Slogan „Teilen spendet Zukunft“ in den Pfarren und bei Suppenessen für Zukunftsprogramme in Asien, Lateinamerika und Afrika. Ziel ist es, Frauen zu stärken, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.

☛ Mehr Infos zur Aktion Familienfasttag unter www.teilen.at
☛ Die Termine zu den Fastensuppen in den Pfarren auf Seite 21.
☛ Diesem Rupertusblatt liegt ein kfb-Zahlschein bei.

Für Gerechtigkeit geht Yuen Abana auch auf die Straße. Sie ist Mitglied der philippinischen Frauenorganisation FDC. „Mein Engagement bei FDC hat mich als Frau stark gemacht“, berichtet Yuen, die überzeugt ist: „Wir Frauen müssen uns im Kampf um Gerechtigkeit in Wirtschaft und Finanzen an die Spitze stellen.“ Foto: FDC

Bernadette Zeena Bello Manglinong nimmt die Armut in ihrer Heimat nicht hin. In der kfb- Partnerorganisation „Freedom for Debt Coalition“ kämpft sie für eine gerechtere Wirtschaftspolitik auf den Philippinen.