Starke Frauen

Mit Energiesparöfen bauen sich Frauen in Tansania eine bessere Zukunft.

Arusha. Jasinta und Elenipa mühen sich täglich ab, um das Überleben ihrer Familien in Arusha, einer Region im Nordosten Tansanias, zu sichern.  Doch im Vergleich zu früher hat sich ein Detail geändert: Sie bauen heute ihre eigenen Öfen und damit an einem besseren und selbstbestimmten Leben.  Die Katholische Frauenbewegung (kfb) und ihre Partnerorganisation vor Ort, WODSTA, stärken den tansanischen Frauen den Rücken.

Die Maasai sind das wohl bekannteste der vielen Völker Tansanias. Sie sind stolz auf ihre Traditionen und pflegen ihre Bräuche. So begrüßen sie Gäste nicht nur mit dem im ganzen Land üblichen „Karibu! – Willkommen“, sondern hüpfend, im Takt ihrer monotonen Gesänge. Jasinta Loi ist mitten unter den bunt gekleideteten Maasai-Frauen, die an diesem Tag eine Gruppe rund um Lyne Ukio, der Generalsekretärin von WODSTA (Women Development for Science and Technology Association), in Empfang nehmen. Jasinta ist
stolze WODSTA-Schülerin. Ihre Trainerinnen klärten sie in Workshops über Energiespartechnologien auf und bestärkten sie darin, ihr Leben selbstbestimmter zu gestalten und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. 

Öfen schaffen Einkommen

Mit den Öfen habe sich vieles verändert, sagt die sechsfache Mutter und zeigt auf ihr Daheim. Auf die Fenster sei sie besonders stolz. „Ich habe schon mehrere meiner Zementöfen verkauft und mit den Einnahmen das Fensterglas angeschafft.“ Demnächst möchte sie ihr Glück auf dem Markt in Olkokola versuchen. „Wenn ich Erfolg habe, können wir mit dem Geld unser Haus weiter herrichten“, ist die 38-Jährige voller Tatendrang. Ihr Mann hat nichts dagegen. Schließlich profitieren die Kinder und er ja genauso von ihrem Geschäft.  

Als Geschäftsfrau beweist sich auch Elenipa Benjamen jeden Tag aufs Neue. Sie muss gut rechnen, um über die Runden zu kommen. Da ist der Verkauf der Öfen mehr als ein Zubrot. „Ich bezahle damit die Schulbücher meiner Kinder.“ Jeden Tansania-Schilling der noch übrig bleibt, steckt die Alleinstehende in den Bau eines kleinen Hauses auf ihrem Grundstück. Die Vermietung dreier Zimmer an Arbeiter soll irgendwann ein regelmäßiges Einkommen schaffen. 

Sorge bereiten der 54-Jährigen derzeit ihre Baumsetzlinge. Der Regen fehlt und so haben die zarten Pflänzchen kaum eine Chance zum Wachsen. Dass Bäume nicht nur Feuerholzlieferanten sowie Schattenspender und ein Schutz vor dem Wind sind, lernte Elenipa bei den WODSTA-Workshops. Hier tauscht sie sich mit den anderen Mitgliedern aus. Sie sprechen über die Energiesparöfen, die zwei unschlagbare Vorteile haben: Sie halten die Brennstoffkosten und die Schadstoffe gering. Die Frauen machen sich auch über das veränderte Klima Gedanken: „Entweder es ist sehr heiß und trocken oder wir haben so starken Regen, dass alles überflutet wird“, klagt die fünffache Mutter. Und der Niederschlag komme viel unregelmäßiger als noch vor zehn Jahren. Das Wasser zum Waschen und Kochen holt sie täglich von der Station im Dorf. Das bedeutet einen Zwanzig-Minuten-Marsch hin und zurück mit einem Zwanzig-Liter-Wasserkanister auf dem Kopf. „Wasser ist für uns eine der großen Herausforderungen.“ 

Beitrag gegen den Klimawandel

Dass die Frauen mit den Energiespar-öfen und dem Bäumepflanzen ihren Beitrag zu einer längst fälligen Strategie gegen den Klimawandel leisten, unterstreicht Jackson Muro. Der Experte für Klimafragen und Ge-schäftsführer einer Entwicklungsorganisation in Tansania stellt klar fest: „Wir müssen die Frauen vorwärts bringen.“ Schließlich seien sie die Hauptbetroffenen der Wetterextreme wie der zunehmenden Dürre. „Sie sind es, die zurückbleiben, wenn die Männer weggehen, um etwa in einer der Minen zu arbeiten. Die Frauen sind dann alleine für die Kinder, das Vieh und die Felder verantwortlich. Das Land, ihre wichtigste Ressource zum Überleben, gehört ihnen aber meist nicht. Dabei haben sie Rechte. Es gibt Gesetze. Darüber klären wir sie auf.“ 

Wandel – hin zu mehr  Achtsamkeit

„Es ist beeindruckend, wie sich die Frauen auf die Workshops von WODSTA einlassen und wie sich das auf ihr Selbstwertgefühl auswirkt“, freut sich Petra Unterberger. Die Tirolerin ist stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich (kfbö) und überzeugte sich vor kurzem vor Ort wie die Aktion Familienfasttag und WODSTA die tansanischen Frauen stärken. Aufmerksam habe sie den Berichten über den Klimawandel zugehört. „Er beeinflusst den Alltag der Menschen schon jetzt ganz massiv. Deshalb brauchen wir einen Wandel, hin zu mehr Achtsamkeit der Natur – und zwar global.“

Tipp: Spenden an die Aktion Familienfasttag unter www.teilen.at

Foto: Verstehen sich – dazu braucht es gar keine Worte: Maasai-Frau Jasinta Loi und Petra Unterberger, stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich. / Foto: RB/ibu