Stille Nacht im Bischofshaus

„Zum wohl berühmtesten Weihnachtslied kann gewiss jeder auf einprägsame Momente verweisen“, sagte Erzbischof Franz Lackner. 

Salzburg. „Es stimmt uns ein auf Sehnsucht, Stille, Frieden und Geborgenheit und ist eine göttlich-menschliche Hymne des Ereignisses in Bethlehem", meinte der Erzbischof beim Stille-Nacht-Symposium im Bischofshaus und erzählte von seinen Erinnerungen: „In meiner Familie wurde Weihnachten eher karg gefeiert, der Christbaum war nur spärlich geschmückt. Krönender Höhepunkt war, wenn zur vollen Stunde aus dem Radio das Lied ,Stille Nacht! Heilige Nacht!‘ erklang. Da war es um den Küchentisch herum wirklich still – eine Stille, dich ich sonst äußerst selten erlebte“, teilte der Erzbischof seine Erinnerungen. „Der Klang des Liedes und das Sprechen der Texte fügen sich zur wunderbaren liturgischen Synthese.“

Aus verschiedenen Perspektiven – theologisch bis musikalisch – wurde das Lied beim Symposium beleuchtet. Es stehe zwischen Kitsch und der  Theologie der Weihnachtsliturgie, attestierte der Liturgiewissenschafter Stephan Wahle, Universität Freiburg. „Mit der Eingangszeile ,Stille Nacht, heil‘ge Nacht‘, die zu jedem Strophenanfang wiederkehrt, verortet der Autor Joseph Mohr sein Gedicht nicht ohne Grund in eine nächtliche Atmosphäre von Schlaf und Stille“, so Wahle. Er stellte es in die jüdische und christliche Tradition, das zentrale Heilshandeln Gottes als ein nächtlich-verborgenes Geschehen zu begreifen. Das Motiv finde sich beim nächtlichen Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer, die Nacht der Auferstehung Christi und auch die Geburt Jesu wird bei Lukas mit der Nacht verbunden.

Auf die Vielzahl der Verbreitung als auch der Gestalt des Liedes ging Thomas Hochradner von der Universität Mozarteum ein. Johann Hinrich Wichern vom Rauhe Haus in Hamburg-Horn zum Beispiel vereinfachte die Takte, ersetzte Jesus durch Christ. „Als diese Version 1926 in einem Salzburger Liederbuch den Vorzug vor der Gruberschen Melodieführung erhielt, kämpfte Franz Xaver Grubers Enkel Felix zusammen mit dem Volksliedforscher Otto Eberhard um die ,Urform‘ des Liedes – die sich tatsächlich im Salzburgerischen durchgehend halten konnte“, berichtete Hochradner.

Anschließend wurde die Ausstellung „Stille Nacht, heilige Kunst“ von Johann Weyringer eröffnet. Zu sehen bis 7. Dezember im Bischofshaus, Mo. – Do., 8.30 bis 17.30 Uhr, Fr., 8.30 – 13.30 Uhr. jup

Foto: Erzbischof Franz Lackner und viele Interessierte kamen zum Symposium, das Matthias Hohla, Referent für Ökumene und Dialog der Religionen in der Erzdiözese (l.), und Alexander Zerfaß, Universität Salzburg, organisierten. Bilder des Künstlers Johann Weyringer (r.) sind im Foyer des Bischofshauses ausgestellt. Foto: RB/Erzdiözese Salzburg