Synodalität: mehr als Demokratie

Über Fragen des Glaubens entscheidet nicht die Mehrheit.

Bonn. Der deutsche katholische Theologe Karl-Heinz Menke ist dagegen, den Mechanismus demokratischer Mehrheitsentscheidungen auf theologische Debatten in der Kirche zu übertragen. Das von Papst Franziskus geforderte Prinzip der Synodalität sei „strikt zu unterscheiden von dem demokratischen Prinzip, dass stets die Mehrheit entscheidet“, sagte der emeritierte Dogmatik-Professor.

„Man kann über die Wahrheit, die Christus ist, nicht nach dem Mehrheitsprinzip abstimmen“, be-tonte Menke. Gleichwohl könnten viele Fragen rund um Organisation und Struktur auch demokratisch geregelt werden: „Es geht ja nicht immer um Glaubensfragen oder um Themen, die von diesen Fragen nicht zu trennen sind.“

Menke ist Mitglied der Internationalen Theologenkommission, die vor kurzem ein Grundsatzpapier zur Synodalität vorgelegt hat. Dieses stelle klar, dass immer da, wo Macht in der Kirche ausgeübt werde, der Gemeinschafts-Charakter zu wahren sei. „Die Universalkirche darf sich nicht gegenüber den Ortskirchen verselbstständigen“, betonte der Theologe. Die Bischöfe als Nachfolger der Apostel könnten auch nur dann erfolgreich Gehorsam erwarten, wenn sie ihrerseits auf den so genannten Glaubenssinn der Gläubigen hörten.

Auf einem Konzil der katholischen Kirche abstimmen dürften allerdings nur Bischöfe, so Menke weiter. Eine diözesane Synode sei demgegenüber ein beratendes Organ des Bischofs. Dies unterscheide sie grundlegend von Synoden evangelischer Landeskirchen, bei denen ein Bischof oder Pfarrer nicht mehr Rechte habe als irgendein anderes Mitglied. Außerdem betonte Menke, die Bischofskonferenz eines Landes sei weder eine ortskirchliche Synode noch ein Konzil. Sie könne „weder für die Universalkirche noch für einen Verbund von Diözesen etwas entscheiden“.

Mit Blick auf die umstrittene „Handreichung“ zum Kommunionempfang in konfessionsverschiedenen Ehen sagte Menke, die Bischöfe hätten „der deutschen Kirche diesen polarisierenden Streit ersparen sollen“. Den von einer Dreiviertelmehrheit beschlossenen Text wertete er als „mangelhaft“. Es fehle eine gründliche Reflexion über den Unterschied zwischen dem sakramentalen Kirchenverständnis der Katholiken und dem nichtsakramentalen Kirchenverständnis der Protestanten. kap

 

Bildtext: Über die Wahrheit, die Christus ist, kann man nicht abstimmen. F.: RB/Archiv

II. Vatikanisches Konzil Feierliche Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober1962 in der Peterskirche, die als Konzilsaula diente.