Tag für trauernde Eltern

„Trauer und Leben nach dem Tod eines Kindes“: Der Tag für trauernde Eltern findet am Samstag, 22. September, erstmals im Bildungszentrum St. Virgil statt. Eine der ReferentInnen, Brigitte Czerlinka-Wendorff, selbst Betroffene und Trauerbegleiterin, hat das Rupertusblatt zum Gespräch getroffen.

 

 

Salzburg. Wenn das eigene Kind vor einem stirbt, ist das das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Brigitte Czerlinka-Wendorff hat 2012 ihre siebzehnjährige Tochter durch einen Verkehrsunfall verloren. Seit 2015 ist sie Trauerbegleiterin und gibt ihre Erfahrungen an betroffene Eltern weiter. Am Tag für trauernde Eltern sollen Betroffene einen Platz für ihre Trauer finden. Sie bekommen Anregungen, was sie in der Familie, aber auch auf dem eigenen Trauer- und Lebensweg stärken könnte. Sie haben die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern auszutauschen und die Erfahrungen anderer kennen zu lernen. Denn Trauer ist ein zutiefst individueller Prozess. Jeder Mensch trauert anders, und genau das stellt für viele Familien oftmals eine große Herausforderung dar.

„Unsere heutige Gesellschaft hat eine große Distanz zu den Themen Sterben, Tod und Trauer“, so Czerlinka-Wendorff. Wir lernen nicht, die Trauer anzunehmen und zu durchleben. Stattdessen verstecken wir unsere Trauer oder leugnen sie gar. Trauer erfasst den ganzen Menschen: auf der emotionalen, der psychischen, der physischen, der sozialen und der spirituellen Ebene. Wenn Eltern ein Kind verlieren, können diese oft ein Leben lang mit der Anpassung an diese neue Lebenssituation beschäftigt sein. Viele Trauernde beklagen, dass sogar ihre besten Freunde wegfallen. Das liege daran, dass sie sprachlos werden, weil sie diesen unglaublichen Schmerz nicht aushalten.

Czerlinka-Wendorff hatte das Glück, dass ihre Freunde für sie da waren und sie ihren individuellen Trauerweg gehen ließen. Außerdem habe sie „ein großes Packerl an Ressourcen“, wie zum Beispiel das Berg- und Tourengehen. Und auch ihr Glaube habe ihr viel Kraft gegeben. Ein Wendepunkt auf ihrem persönlichen Trauerweg war die erste Schitour nach dem Tod ihrer Tochter. Es ging damals mit ausgeborgter Tourenausrüs-tung bei minus 15 Grad mit Freunden auf das Rossfeld und sie sagte sich: „Nein, ich bleib nicht in der Erstarrung stecken, sondern ich mag weitergehen. Mir selbst, aber auch meinem Sohn zuliebe.“

2015 hat Czerlinka-Wendorff das Lebenscafé für Trauernde initiiert, das sie seither mit dem ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeiter Wolfgang Popp leitet. Zum Lebenscafé, das einmal im Monat in St. Virgil stattfindet, können trauernde Menschen kommen, um  sich über ihre Traurigkeit und ihren verstorbenen Menschen auszutauschen.

„Ich glaube, es braucht einen individuellen Raum (und einen persönlichen Weg), an dem jeder seine Trauer verwandeln und wo die Beziehung zu dem verstorbenen Menschen sich wandeln kann“, so Czerlinka-Wendorff. Die Beziehung zu dem verstorbenen Menschen persönlich zu gestalten sei sehr wichtig. „Ich möchte trauernden Menschen Mut machen, ihren individuellen Weg zu gehen und dem zu trauen, was sie spüren und was sie machen wollen.“ Trauerarbeit stellt für jeden einzelnen Menschen eine riesige Herausforderung dar. Menschen dabei zu begleiten ist Czerlinka-Wendorff ein Herzensanliegen. Das Schönste ist, „wenn es gelingt, dass Menschen ihren eigenen Weg ins Leben wiederfinden. Wenn es gelingt, diesen Verlust in das eigene Lebensmuster einzuweben“.

 

„Trauer und Leben nach dem Tod eines Kindes“– Tag für trauernde Eltern: Samstag, 22. September 2018, 9.30–16.00 Uhr; Anmeldung erforderlich: +43 (0)662/65901-514, anmeldung@virgil.at

 

Foto: Zur Person: Brigitte Czerlinka-Wendorff, Atelier- und Werkstattpädagogin, Ausbildung in Trauerbegleitung, Geistlicher Begleitung und Begleitung von Exerzitien im Alltag, Salzburg
Fotos: pixabay, Erzdiözese Salzburg