Thema Kirche lässt kaum jemanden kalt

Mehr Mut bei der Verkündigung ihrer Botschaft; das ist die wichtigste Erkenntnis aus einer „Reputationsstudie der katholischen Kirche“.

Salzburg. Die Kirche sollte ihre Botschaft „mutiger nach außen tragen und sich stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen“. Das ist die Schlussfolgerung, die der Kommunikationswissenschaftler Mark Eisenegger aus einer aktuellen Studie zur Reputation der Kirche in Österreich gezogen hat. In Auftrag der Erzdiözese Salzburg – als Teil des diözesanen „Zukunftsprozesses 2018“ – untersuchte ein Team um Univ.-Prof. Mark Eisenegger vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg die Außenwirkung der Kirche.

Eisenegger attestierte der katholischen Kirche eine Profilschwäche. „In den Medien dominieren – abgesehen von Skandalen – wiedergegebene Kirchenereignisse oder Meldungen aus dem organisatorischen Bereich.“ Die „christliche Ethik mit Rückbezug auf ihren Religionsstifter Jesus“ bleibe dabei im Hintergrund und werde „kaum an aktuellen Ereignissen plausibilisiert oder zum Leben erweckt“, so der Kommunikationswissenschaftler. Außerhalb der Kirche sei die christliche Botschaft von Kirchen kaum vernehmbar. „Tragen Sie Ihre Botschaft mutiger nach außen“, so Eisenegger. Zudem würde die katholische Kirche an Kontur gewinnen, „wenn sie sich mehr in den gesellschaftlichen Diskurs einbringt“. 

„Die katholische Kirche lässt kaum je-manden kalt“, betonte der Soziologe und Studienautor Jörg Schneider. Das gelte für die Medien in gleicher Weise wie für die Bevölkerung. „Selbst jene, die angeben, dass ihnen die katholische Kirche egal ist, haben in der Regel eine dezidierte Meinung.“

Die Mehrheit der Bevölkerung habe nämlich aus der Kindheit persönliche Bezugspunkte zur katholischen Kirche, die im Laufe des Lebens jedoch an Bedeutung verlieren. „Als Kontakte zur Kirche verbleiben bei vielen nur noch die Feiertage im Jahreslauf oder die Kasualien (etwa Taufe, Hochzeit, Begräbnis) als seltene Anlässe“, so Schneider. Im Alltag aber gehe die Bindungskraft zur Kirche in der Mehrheit verloren – ja, sie werde als ein „gesellschaftlicher Fremdkörper“ wahrgenommen. Dass die Kirche einen wichtigen Beitrag zur Identität und Kultur leiste, auf der Seite der Benachtei-ligten stehe und einen moralischen Kompass biete, werde von den Menschen anerkannt und wirke reputationsstützend.  

„Je stärker jedoch die persönlichen Be-zugspunkte der Menschen mit Kirche verloren gehen, desto relevanter werden die medial vermittelten Kirchenbilder“, zeigte sich Schneider überzeugt. Dann werden oft nur „solche Inhalte rezipiert, die das eigene Kirchenbild bestätigen“. 

„Wir hören auf die Ergebnisse hin, schauen sie genau an und werden die notwendigen Konsequenzen ziehen. Das Christentum hat immer einen Blick für die Realität gezeigt“, sagte EB Franz Lackner zur Studie.           

eds

Bildtext: Prälat Sieberer, Prof. Eisenegger und Jörg Schneider präsentieren die Reputationsstudie; die bestätigt, dass das Ansehen der katholischen Kirche wesentlich an Papst Franziskus hängt.