„Träume brauchen Flügel“

Straßenkinder.  Schon als Elfjähriger wusste Sherif genau was er wollte, wenn er „groß“ ist: als Ingenieur arbeiten und Häuser bauen. Heute mit 26 Jahren steht er kurz vor seinem Diplom. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte – denn Sherif ist ein ehemaliges Straßenkind.  Via Skype ins Salzburger „Das Kino“ zugeschaltet, erzählte der junge Ägypter zum Start der Caritas-Kinderkampagne seine Geschichte und welche Rolle Hany Maurice, der Direktor der Caritas Alexandria, dabei spielte. 

Salzburg/Alexandria. „Träume brauchen Flügel.“ Seine Flügel hat Sherif Mohamed Gaber Shaaban der Caritas und Hany Maurice zu verdanken. Der Leiter der Straßenkinderprojekte und Direktor der Caritas Alexandria sagt über seinen Schützling: „Sherif ist ein Kämpfer. “ Vor 15 Jahren kreuzten sich die Wege der beiden. Die Straße war damals das Zuhause des scheuen Kindes. Zuvor war es von seiner Mutter und dem Stiefvater zur Großmutter abgeschoben worden. Mit ihr hauste er in einer Garage. Doch die alte Frau war mit der Erziehung überfordert und eines Tages verschwand sie spurlos. Sherif stand alleine und ohne Dach über dem Kopf da.  „Ich war sechs Monate auf der Straße. Es war sehr hart.“ Sherif spricht nicht gerne über diese Zeit. Lieber erzählt er davon, wie es Schritt für Schritt bergauf ging,  nachdem die Streetworker der Caritas ihn ins Tageszentrum mitnahmen. Seit 1995 setzt sich die christliche Hilfs-
organisation im muslimischen Ägypten für die Straßenkinder ein. „Anfangs fehlte die offizielle Genehmigung für unsere Arbeit, da es ja hieß: Straßenkinder haben wir in unserem Land nicht“, erinnert sich Hany Maurice, der  betont: „Auch wenn die Gesellschaft auf sie herabschaut, diese Kinder sind Opfer, nicht Kriminelle. Sie brauchen unsere Hilfe.“

„Die Caritas ist mein Zuhause“        

Unermüdlich betrieb die Caritas Alexandria Aufklärungsarbeit bei Regierungsstellen, Polizei wie in der Gesellschaft und baute ihre Aktivitäten aus. Mittlerweile vereint das Straßenkinderprogramm Streetwork, eine mobile Krankenstation sowie ein Tageszentrum mit Notschlafstelle. Der Startschuss für das Betreute Wohnen kam indirekt von Sherif. „Wir versuchen immer, die Kinder wieder in ihre Familien zu integrieren. Bei Sherif war das unmöglich. Uns war aber klar, auf die Straße kann dieser sensible Junge nicht mehr.“ Die Ägypter wandten sich an ihre Partner in Salzburg, die mit der Erbschaft einer Lehrerin das Betreute Wohnprojekt für Straßenkinder finanzierten. Als einer der Ersten zog Sherif ein.  

Ein Zuhause und wieder zur Schule gehen. Beides hat Sherif bei und mit Hilfe der Caritas erreicht. „An seinen Wunschberuf Ingenieur haben wir aber nicht wirklich geglaubt. Das Studium ist sehr schwierig; du brauchst extrem gute Noten um überhaupt zur Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden“, berichtet Hany Maurice. Doch Sherif gab seinen Kindheitstraum nicht auf und er schaffte das„Unmögliche“. In vier Monaten wird er als diplomierter Zivilingenieur die Universität verlassen. „Einen Job finden und ein eigenes kleines Heim.“ Das sind jetzt die Ziele des 26-Jährigen. Wenn er selber einmal Kinder hat, möchte er ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen. Doch am allerwichtigsten sei ihm eines: „Sie sollen sich immer geliebt und geschützt fühlen.“

Gewalt & Armut treiben sie auf die Straße

Geschätzte 5.000 Straßenkinder gibt es alleine in Alexandria. „Sie schlafen am Strand oder in abgestellten Zügen, auf Parkbänken oder am Gehsteig in großen Pappkartons, immer auf der Hut vor der Polizei“, so Hany Maurice. Sein Straßenkinderprogramm, unterstützt von der Caritas Salzburg, nimmt sich der Mädchen und Burschen an. 

Hintergrund

Eine Milliarde Kinder lebt weltweit in Krisengebieten. Von den 59,9 Millionen Menschen die derzeit auf der Flucht sind, ist die Hälfte minderjährig. Noch immer ist Unterernährung die häufigste Todesursache bei der Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren. Die Caritas Salzburg hilft in ihrer Schwerpunktregion, dem Nahen Osten. Im ägyptischen Alexandria bekommen Straßenkinder die Chance auf ein besseres Leben. Die Caritas gibt ihnen ein Dach über dem Kopf, Essen, Bildung und bereitet sie auf eine Rückkehr in die Gesellschaft und in ihre Familien vor. 

Dem aktuellen Rupertusblatt liegt ein Caritas-Erlagschein bei. Ihre Spende hilft Kindern in Not. Oder auf www.caritas.at spenden

  

 

Foto (Caritas): Sherif (r.) ist das erste ehemalige Straßenkind, das es in Ägypten auf die Universität schaffte. Ibrahim ist seinem Vorbild gefolgt.  Sherif unterstützt ihn: „Er ist wie ein Bruder für mich.“