Trotz Touristen in Ruhe beten können

15.000 bis 20.000 Gäste besuchen in Hoch-Zeiten den Salzburger Dom täglich. Jährlich geht der Tourismusreferent der Erzdiözese, Hermann Signitzer, von zwei Millionen BesucherInnen aus. Doch wie mit den Besucherströmen umgehen, damit der Dom noch ein Raum des Betens bleibt? Das diskutierten Experten aus dem deutschsprachigen Raum kürzlich bei der Kirchenführertagung.

Salzburg. „Es ist schön zu wissen, dass sich an guten Tagen mehr als 20.000 Menschen für den Dom interessieren. Wir beobachten aber, dass sie nicht lange bleiben. Was bieten wir in diesen kurzen Minuten? Derzeit gibt es acht ausgebildete Vermittler, die durch den Salzburger Dom führen. Im Vergleich zu anderen Gotteshäusern wenig“, so Signitzer. „Im Vordergrund der Überlegung sollte nicht die Unterscheidung touristisch/nicht touristisch stehen, sondern die Erwartungen der Nutzer“, meinte Jan Behrens vom Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg. 

Die meisten Urlauber besuchen Kirchen, weil sie Sehenswürdigkeiten sind (56,9 %) oder wegen der Architektur (54 %), so eine Studie aus 2013. 18,6 % gaben religiöse Motive an. Das zeigen auch Erfahrungen der Experten: Angemessenes Verhalten im Kirchenraum – Lärm, Kleidung – kann nicht mehr vorausgesetzt werden. „Regulieren könnte man mit Absperrungen, Sicherheitsdienst, Eintrittsgeldern oder Sperrung gewisser Räume. Zuerst sollten aber ,weiche Instrumente‘ versucht werden“, meinte Behrens. Das wären etwa Schilder, Audio-Guides, spirituelle Impulse und bildungs- und erlebnisorientierte Kirchenführungen. 

„Der Eingangsbereich könnte als Bewusstseinsschwelle gestaltet werden. Im Freiburger Münster wird im Eingangsbereich das Wort silencium auf den Boden projeziert“, so Behrens. Eine Schwelle könnte sich auch Signitzer vorstellen: „Dort werden die Menschen darauf vorbereitet, dass sie in Kürze einen besonderen, sakralen Raum betreten. Ab dieser Schwelle gilt dann ein anderer Benimm-Code, der des sakralen Raums.“ Seit Sommer werden die Besucher vorerst im Einbahnsystem durch den Dom gelenkt. Foto: jup