Universität Wien: Kreuz muss weg

Das Rektorat der Universität Wien untersagt nach räumlichen Veränderungen an der Katholisch-Theologi-schen Fakultät die Anbringung von Kreuzen in den neuen Hörsälen.

 

 

Wien. Welchen Ort hat das Kreuz in der Öffentlichkeit? Eine Entscheidung der Universität Wien dürfte dieser Diskussion neuen Zündstoff bieten: Künftig wird es nämlich keine Hörsäle mehr mit einem Kreuz an der Wand in der Universität geben. Hintergrund ist die Schließung der seit 1884 von der Katholisch-Theologischen Fakultät im Hauptgebäude der Universität genutzten Hörsäle, die alle ein Kreuz an der Wand hatten. Sie wurden aus Brandschutzgründen umgewidmet. Künftig werden theologische Lehrveranstaltungen in anderen Hörsälen im Tiefparterre stattfinden – und zwar ohne Kreuz. 

Eine Sprecherin der Universität Wien verweist darauf, dass diese Räume nun auch von anderen Fakultäten genutzt werden und daher eine religiöse Konnotation in Form eines Kreuzes problematisch sei. Erlaubt sei das Anbringen von Kreuzen weiterhin in Büros oder in den Räumen der Katholisch-Theologischen Fakultät. Tatsächlich würden die drei Kruzifixe derzeit im Dekanat der Fakultät verwahrt, schreibt die Katholisch-Theologische Fakultät auf ihrer Facebook-Seite. „Zwei werden vermutlich in der Schenkenstraße ein neues Zuhause finden, eines soll in ein Kunstprojekt eingebunden werden.“

Kritik an der Entscheidung äußerte der Vizedekan der Fakultät, Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück. Die Entfernung der Kreuze sei „ein symbolpolitischer Einschnitt von historischer Tragweite“, hingen doch seit Gründung der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät im Jahr 1384 Kreuze in deren Hörsälen, so Tück. Zwar könne er die Position der Universitätsleitung nachvollziehen, die im Verhältnis zu den Religionen und Weltanschauungen auf eine Haltung der „Äquidistanz“ poche – zugleich aber orte er ein in der Entscheidung bedenkliches „laizistisches Gefälle“, denn wenn man gewollt hätte, so hätte es auch Alternativen oder eine Kompromisslösung gegeben. Mit dem Kreuz verschwinde nicht nur ein zentrales Symbol des Chris-
tentums aus der Universität, sondern ein Symbol, das „die Kultur und Geschichte Österreichs“ und im Speziellen auch die Geschichte der Universität Wien geprägt habe, kritisierte Tück. kap Bildunterschrift: Geschichtsvergessenheit  wirft Professor Tück der Universität Wien vor, die aus drei Hörsälen das Kreuz entfernt hat. Foto: Pixabay