Verschieden, aber gemeinsam auf dem Weg

Daegu und Salzburg haben ihr Band zuletzt durch die Jugendbegegnungen gestärkt. Gruppen aus Daegu waren schon mehrmals in der Erzdiözese und erst im Juli besuchten junge Leute aus Salzburg Südkorea. Über diesen Jugendaustausch hinaus halten vor allem die beiden Priester aus Südkorea, die derzeit in Salzburg studieren, die Verbindung aufrecht. „Eine Diözesanpartnerschaft eröffnet neue Perspektiven für die Ortskirchen in der Welt, die sich früher als kleine, räumlich abgegrenzte Gemeinden verstanden haben und sich jetzt als Weltkirche begreifen“, ist Johannes Shin Sung Won überzeugt, der Fundamentaltheologie studiert und die Partnerdiözese Daegu in Salzburg vertritt.  

Daegu/Salzburg. Im Buddhismus gibt es das Wort Do-Ban. Übersetzt bedeutet es so viel wie freundliche Beziehung zwischen Menschen, die durch dieselben Ziele verbunden sind und als solidarische Gemeinschaft leben. „Auf diese Weise können die beiden füreinander eine Hilfe sein“, erklärt Johannes Shin, der mit dem koreanischen Begriff die Bedeutung der Diözesanpartnerschaft beschreibt. „Obwohl wir nicht in derselben Situation leben, gehen wir mithilfe des Beispiels Jesu zusammen auf den Weg zum himmlischen Vater, als Do-Ban.“ 

Südkorea ist nach wie vor vom Buddhismus und Konfuzianimus geprägt. Als „Geburtsjahr“ der katholischen Kirche in Korea gilt 1784. Der junge Gelehrte Seunghun Lee kehrte von einer Chinareise als getaufter Katholik mit dem Namen Petrus in seine Heimat zurück. Er begann das Evangelium zu verkünden. Bis zur Gründung des Apostolischen Vikariats Korea 1831 waren die Katholiken dem Bischof von Peking unterstellt. 1911 wurde das Apostolische Vikariat Taiku errichtet, das dann 1962 zur Erzdiözese Daegu erhoben wurde.

Rasante Entwicklung

Südkorea ist heute ein hochindustrialisierter,  technologisch und wirtschaftlich erfolgreicher Staat. Vor 50 Jahren war Südkorea ein Entwicklungsland. „In der Partnerschaft zwischen den Erzdiözesen hat Salzburg Daegu damals mit brüderlichem Rat und mit Taten sehr unterstützt“, betont Shin. Sehr konkret war der Einsatz von Emma Freisinger. Als die Krankenschwester 1961 nach Daegu kam, herrschte im vom Krieg zerstörten Land große Not. Die gebürtige Ebbserin stellte sich ganz in den Dienst der Allerärmsten und baute die Versorgung der Leprakranken in Daegu auf. Sie war und ist zudem eine wichtige Verbindungs- und Kontaktperson für die Diözesanpartnerschaft.  

In Salzburg war das Koreazentrum in Taxham bis Ende der 90er Jahre ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Feierns. Das Koreazentrum gibt es nicht mehr. Dafür haben sich seit 2005 Jugendbegegnungen zwischen den beiden Erzdiözesen etabliert. Bengt Beier von der Katholischen Jugend hat vergangenen Juli junge Leute in das „Land der Morgenstille“ begleitet. In Erinnerung geblieben seien als allererstes die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Koreaner. Aber auch Impulse in Sachen Jugendpastoral nahm Beier mit nach Hause. „Im Stadtzentrum von Daegu gibt es eine eigene Jugendkirche und ein Jugendhaus, an diesen beiden Standorten spielt sich vieles ab.“  Vergleichbar mit Salzburg sei das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit. Ein weiteres Thema der Reise war die Teilung Koreas entlang des 38. Breitengrades. Die Gruppe besuchte die innerkoreanische Grenze, die die Halbinsel seit 70 Jahren durchschneidet und ist mit nordkoreanischen Flüchtlingen zusammengetroffen.

Austausch über Bildung   

Zum 50-Jahr-Jubiläum der Diözesanpartnerschaft kommt Weihbischof John Bosco Chang Shin-Ho nach Salzburg. Der kleinen südkoreanischen Delegation gehört im September auch Udalrika Ok-Bun Lee an. Die Universitätsprofessorin bezeichnet Erwachsenenbildung als einen Beitrag „zum Frieden in ihrer Heimat und in der Welt“ und  ihre „Lebensaufgabe“. Sie berichtet, dass es in Daegu eine Seniorenbildungsakademie und ein Katholisches Frauenbildungszentrum gibt. „Wir möchten die Erwachsenenbildung ausbauen. Mit St. Virgil, dem Tagungshaus Wörgl oder dem Katholischen Bildungswerk ist Salzburg ein Vorbild. Egal ob es die Organisationsstruktur ist oder das Bildungsprogramm – wir wollen lernen und uns austauschen“, unterstreicht Uldarika Lee. 

Foto (KJ/Beier): Besuche und persönliches Kennenlernen schaffen ein Fundament, auf dem sich in der Partnerschaft aufbauen lässt. Im Bild: Salzburgs Jugendseelsorger Roman Eder war im Juli mit einer Gruppe aus der Erzdiözese in Südkorea und wurde von Erzbischof Cho Hwan-kil, Weihbischof John Bosco Chang Shin-Ho und jungen Südkoreanerinnen herzlich empfangen.  

Bischofswort

Ich gratuliere herzlich zum kommenden 50-Jahr-Jubiläum der Partnerschaft zwischen den Erzdiözesen Salzburg und Daegu. Bei dieser Gelegenheit bitte ich um Gottes Gnade.
Im Jahr 1968 hat die Erzdiözese Salzburg nach der  Diözesansynode die Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit (DKWE) gegründet und mit drei Diözesen auf drei Kontinenten, in Asien, Afrika und Amerika, eine Partnerschaft begonnen. Diese Partnerschaft ist ein Zeugnis dafür, dass die Erzdiözese Salzburg schon früh die Tür für die Weltkirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils geöffnet hat. Es ist ein großes Glück  und Gottes Gnade, dass die Erzdiözese Daegu damals die Einladung zu dieser weltkirchlichen Partnerschaft bekommen hat. In diesen vergangenen 50 Jahren hat die Erzdiözese Daegu pastorale, finanzielle, persönliche Unterstützungen aus der Erzdiözese Salzburg erhalten. 

Seit 2005, anlässlich des Weltjugendtags in Köln, haben sich Jugendliche und junge Erwachsene aus beiden Diözesen besucht und ihr christliches Leben miteinander geteilt. Die letzte dieser Begegnungen hat Mitte Juli dieses Jahres in Daegu stattgefunden. Rund 20 Jugendliche haben die Erzdiözese Daegu besucht und mit unseren koreanischen Jugendlichen Freundschaft geschlossen; sie sind ein Stück Glaubensweges miteinander gegangen. Die Jugendlichen sind die Zukunft der Kirche. Es ist wichtig, dass sie ihren weltkirchlichen Horizont erweitern und dass die junge Generation die Gelegenheit bekommt, ihre Visionen zu formulieren und umzusetzen. 

Ich bin überzeugt, die Partnerschaft mit der Erzdiözese Salzburg hat unseren weltkirchlichen Blick geweitet; diese Partnerschaft hat uns ermutigt, weitere Schritte in der Weltkirche zu gehen. Als Donum-Fidei-Priester wirken derzeit acht unserer Priester im südamerikanischen Bolivien, vier in Zentralafrika und zehn in China. 

Ich möchte nochmals meinen Glückwunsch zum 50-Jahr-Jubiläum zum Ausdruck bringen. Ich hoffe, dass wir diese schöne Beziehung zwischen den Erzdiözesen auch in der Zukunft fortsetzen, wir miteinander verbunden bleiben und sich die Partnerschaft immer weiter entwickelt. Mit diesen Wünschen bete ich zu Gott.

Fakten zur Diözese Daegu in Südkorea:

Einwohner: 4,51 Mio.   Fläche: 9.128 km²

Katholiken: 11 Prozent der Bevölkerung 

In der Erzdiözese gibt es 159 Pfarren und rund 450 Priester.

Erzbischöfe:

John Baptist Sye Jeong-kil  (1962 – 1986) 

Paul Ri Moun-hi (1986 – 2007)     

John Choi Young-su (2007 – 2009)

Thaddeus Cho Hwan-kil (seit 2010)

Pastorale Schwerpunkte

  • Evangelisierung: Die Kirche ist einerseits im Wachsen  (Erwachsenentaufen), andererseits konsolidiert sie sich mit Sonntagsschulen für Kinder oder mit kl. christlichen Gemeinschaften.
  • Soziales Engagement und Bildung: Die Erzdiözese ist Trägerin von Schulen, Bildungshäusern und einer Katholischen Universität mit 13 Fakultäten.
  • Jugendarbeit: In einer Kirche im Stadtzentrum von Daegu findet schwerpunktmäßig Jugendarbeit statt mit Katechese, Musik, Gruppenarbeit; Jugendliche aus der ganzen Erzdiözese kommen in dieses Gotteshaus in Daegu. 
  • Interreligiöser Dialog: Die Beziehungen zu anderen Religionsgemeinschaften v. a. mit dem Buddhismus sind sehr wichtig.