Vom Sehen und Handeln

Indien ist für Roman Anlanger kein gewöhnliches Urlaubsziel, es ist viel mehr. Er hat das Land mehr als 35-mal besucht. In der Stadt Vadipatty im  südindischen Bundesstaat Tamil Nadu hat er mit dem Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“ der Pfarre Hallein eine Schule gegründet. „Verrückt“ war das Wort, das er von seinen Mitstreitern hörte, als er ihnen den Schulbau im fernen Vadipatty erstmals vorschlug. Heute ist die Idee längst eine Erfolgsstory,  die  ihresgleichen suchen muss.

Hallein/Vadipatty. Der Grundkauf erfolgte 1990. Im Jahr darauf begann der indische Laienorden „Sacred Heart of Jesus“ mit dem  Bau der von Hallein finanzierten Schule. 1993 öffneten sich die Tore. Aktuell besuchen 1.300 Mädchen und Burschen, davon die Hälfte Dalits, die Schule. Mittlerweise muss eigentlich von einem ganzen Schulkomplex mit Nursery School, Primary School und High School gesprochen werden.  Die Bezahlung der Lehrer erfolgt nur teilweise durch den Staat, den Rest übernimmt der Orden, die Brothers wie Dipl.-Ing. Anlanger sie nennt. Heuer war er erneut in Südindien. Dem „Rupertusblatt“ erzählt er, wie es ihm ergangen ist. 

Eindrücke aus Indien 

Besucht hat Roman Anlanger mit seinen Begleitern nicht nur Vadipatty. Auf dem Reiseplan standen die Kirche Sacred Heart Church in Idaikattur, Kodaikanal, ein beliebter Ort in den Palani-Bergen, der Menakshitempel, einer der bedeutendsten Shiva-Tempel in Tamil Nadu oder die Marienbasilika von Velankanni. 

Im „Lourdes des Ostens“ machte  die Gruppe die Erfahrung einer Prozession mit tausenden Menschen. „Die drei Meter hohe Marienstatue wackelte bedenklich und ich fürchtete schon, dass alles abstürzt.“ Das Interessanteste sei jedoch etwas anderes gewesen. „In einem Saal konnte man den Kindern oder sich selbst die Haare rasieren lassen, die dann dort als Opfergabe dableiben. Danach wird der Kopf mit einer gelben Paste als Schutz gegen die Sonne eingestrichen“, so Anlanger, der außerdem festhält: „Mit unseren modernen, nüchternen und weitgehend leergeräumten Kirchen würde man in Indien nicht weit kommen. Hier drückt eine lebendige, bunte und laute Form des Feierns das Lebensgefühl der Menschen aus.“

Höhepunkt der Indien-Reise war natürlich der Schultag. „Die Kinder standen Spalier. Noch bevor wir das Gebäude betraten, hängte man uns Blumenketten um. Wir sahen Tänze und ein Schauspiel mit dem Titel ,Hilf anderen und respektiere andere‘. Mädchen und Buben begleiteten uns mit Trommelwirbel.  Die älteren Schüler waren wie jeden Mittwoch weiß gekleidet. An diesem Tag muss die blaue Schuluniform gewaschen werden“, beschreibt  Anlanger einige der zahlreichen Eindrücke und erzählt auch von Fortschritten.  „Früher haben die Schüler ihr Essgeschirr gemeinsam in einem Bottich gewaschen. Jetzt gibt es mehrere Leitungen, so können sie alles unter fließendem Wasser reinigen.“ 

Weshalb in der „Halleiner Schule“ mehr  Lehrerinnen als Lehrer unterrichten, erläutert er ebenfalls: „Dadurch werden eventuelle sexuelle Übergriffe vermieden. Überdies haben die Lehrerinnen mehr Einfühlungsvermögen für ihre Schützlinge und besseren Kontakt zu den Eltern.“

45 Jahre Arbeitskreis, 25 Jahre Schule

Roman Anlangers Reise-Berichte von seinen 35 Indien-Aufenthalten könnten wohl Bücher füllen. Darin wäre bestimmt einiges über Weltoffenheit, Verständnis für andere Religionen und  interkulturelle Begegnungen zu lesen.  Über die Schule in Vadipatty sagt er: „Ich habe hier eine Art Lebensaufgabe gefunden. Einige der Brothers wurden Freunde.“ 

Die Motivation fürs Weitermachen hat der bald 80-Jährige auf jeden Fall. Wo sie herkommt, kommentiert Roman Anlanger so: „Obwohl ich studiert habe, bin ich in der Katholischen Arbeiterjugend groß geworden. Unser Motto lautete nach Cardijn: Sehen – Urteilen – Handeln.“ Zu tun gebe es ja genug. „Es braucht noch eine Schulmauer und wir müssen den letzten Bauabschnitt fertig finanzieren.“ Der Arbeitskreis „Wir in der EINEN Welt“  wird 2017 bereits 45 Jahre alt. „Ich hoffe, dass wir auch noch den 50er feiern.“ Ein weiterer Geburtstag wird in Indien begangen: 25 Jahre Schule Vadipatty. 

Jubiläum: Am 11. Februar 2017  feiert die „Halleiner Schule“ in Vadipatty 25. Geburtstag. Eine Halleiner Abordnung ist dabei. Wenn Sie mitkommen und ein wenig Indien kennen lernen wollen, melden Sie sich unverbindlich unter: office@anlanger.at  

Hilfe für den Endausbau der Schule ist auf dem Konto bei der Salzburger Sparkasse willkommen: AT30 2040 4060 0900 8285

Fotos (Anlanger): Wenn Roman Anlanger nach Vadipatty kommt, ist das ein Ereignis für die Kinder. Die Freude ist auch bei Direktor Br. John Kennedy und Br. Prakash, Leiter der Primary School, groß und den symbolischen Scheck nehmen sie dankend entgegen.