Vom Symbol des Scheiterns zum Zeichen des Sieges

Ostergedanken.  Kreuz und Tod haben nicht das letzte Wort. Das ist die entscheidende Botschaft von Ostern, sagt Erzbischof Franz Lackner.

Liebe Schwestern und Brüder!

Bekehre dich und glaube an das Evangelium! Mit diesem Aufruf beim Auflegen des Aschenkreuzes haben wir die Fastenzeit begonnen. Die altehrwürdige Zeichenhandlung der Buße war uns Aufruf zum Innehalten und zur Besinnung auf die eigene Vorgeschichte und Herkunft. Es sind solch erhabene Zeichen, die uns auch in der Heiligen Woche durch die Liturgien tragen. „Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“ (Mk 11,9) Der Jubelruf der Menschenmenge, in den wir mit Palmenzweigen in der Hand freudig eingestimmt haben, kehrte sich rasch um und es hallte „Kreuzige ihn!“ (Mk 15,13) durch Jerusalem. Das Kreuz und der Tod hatten aber nicht das letzte Wort. In die Dunkelheit des Todes hinein sprach Gott sein Wort und es wurde Licht.

In der Osterliturgie wird diese Entgegnung und Entkräftigung des Todes auf berührende Weise in Zeichenhandlungen ausgedrückt. Zunächst das dreimalige: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen!“ An gleicher Stelle, an der das Kreuz emporgehoben wird, ertönt der Ruf: „Lumen Christi – Christus das Licht!“ Dieses einfache Zeichen ist Ausdruck des großen Ostermysteriums: Das Kreuz – Symbol des Scheiterns – wird zum Zeichen des Sieges. Das Opfer Christi wandelt die Dunkelheit des Todes in helles Licht. Damals wie heute ist das Mysterium des Kreuzes manchen ein empörendes Ärgernis, manchen eine Torheit (vgl. 1 Kor 1,23); uns Christen ist es Zeichen der Rettung und des Heils.

„Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen. […] Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel.“ Kein anderer Gesang mag schöner Ostern ins Wort fassen als das Exsultet. Das Osterlob preist Christus als das Licht, welches die dunkle Nacht erhellt. Das Licht – Zeichen der Auferstehung – finden wir auch am leeren Grab. Die Frauen am Grab sahen einen jungen Mann in hell leuchtendem Gewand. Er verkündet ihnen eine Frohe Botschaft – das Evangelium: Er, Christus, ist auferstanden (Mk 16, 6). Der Engel ruft die Frauen am Grab aber nicht dazu auf zu bleiben, sondern sendet sie umgehend aus: „Nun aber geht“ (Mk 16,7). Ein Aufruf, der vom Auferstandenen selbst bekräftigt wird, wenn er die Jünger beauftragt: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15)

Jesus wendet damit den Blick der Jünger aus der Vergangenheit in die Zukunft. Der Weg nach Galiläa ist Symbol des Weges der Kirche. Im Jahr des Zukunftsprozesses möchten auch wir aufbrechen, um dem Auferstandenen zu begegnen. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg, gesendet von Gott, und tragen wir die Osterbotschaft zu den Menschen: „Er ist wahrhaft auferstanden.“ Auferstehung ist die Einladung an unser Leben. Mit Paulus dürfen wir glauben: „Ihr seid mit Christus auferweckt.“ (Kol 3,1)

Liebe Leserinnen und Leser des Rupertusblattes! Was Angelus Silesius für das Weihnachtsfest sagte „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du gingest ewiglich verloren!“, gilt in gleicher Weise für das Osterfest. Wenn Christus nicht in unseren Herzen aufersteht, so geht die Welt verloren. Auferstehung geschieht Hier und Heute. Lassen wir unser Herz von ihm verwandeln und stimmen ein in den Osterjubel:

Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.

Ihr 

Erzbischof Franz Lackner ofm

 

Bildtext: Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi ist die Basis des christlichen Glaubens. Am dritten Tag nach der Kreuzigung Christi kamen die Frauen, so das glaubwürdige Zeugnis der Evangelien, zu seinem Grab, fanden dieses jedoch leer vor. Engel verkündeten ihnen, dass Christus auferstanden sei. Kurz darauf begann dieser tatsächlich, mehreren seiner Jünger zu erscheinen. Foto: Archiv