Wachstum – um welchen Preis?

Laudato si. Im dritten Kapitel seiner Umweltenzyklika geht Papst Franziskus den Ursachen für die ökologische Krise nach.

Johann Neumayer, Umweltreferent der ED

Salzburg. Franziskus sieht die Entwicklung der heutigen Zeit als Folge zweier gravierender Fehlentwicklungen: Global herrscht ein Denken vor, das Menschen glauben lässt, alles machen zu dürfen, ja zu sollen, was möglich ist. Und der gängige Anthropozentrismus erkennt die Gesetze der Natur nicht als Grenzen an, die man respektieren muss.
Das derzeit gängige Denkmuster führt dazu, dass die Menschen ausschließlich mit Besitz- und Gewinnansprüchen an die Welt herangehen, ökologische Grenzen nicht respektieren und damit eine gefährliche Entwicklung weitertreiben. Dazu gehört auch die Illusion dauerhaften Wachstums.

Beide Entwicklungen sind reduktionistisch, weil sie nicht das Wohl der Menschen und der Schöpfung im Auge haben, sondern ein Ziel über das gesamte Handeln des Menschen stülpen: Die Erde ist ein Mittel zum Zweck, Gewinn zu lukrieren und dauerndes Wachstum zu erzeugen.

Stattdessen müsse jeder Fortschritt am Wohlergehen der Menschen und an der Respektierung der ökologischen Grenzen gemessen werden. Die Selbstbeschränkung der Menschen ist dazu unerlässlich. Papst Franziskus betreibt scharfe Ideologiekritik, wenn er diese unhinterfragten Dogmen modernen Handelns in Frage stellt. Damit ist er nicht allein, doch es ist mutig, wie die zum Teil scharf ablehnenden Reaktionen neoliberaler Kreise zeigen.

Wirtschaftliches Wachstum kann nicht unendlich und grenzenlos sein, wie das die Ökonomen, Finanzexperten und Technologen gerne hätten. „Dieses Wachstum setzt die Lüge bezüglich der unbegrenzten Verfügbarkeit der Güter des Planeten voraus, die dazu führt, ihn bis zur Grenze und darüber hinaus ‚auszupressen‘“, schreibt Franziskus in seiner Umweltenzyklika. Foto: Bernd Kasper/pixelio.de