Was stimmt nun im Papst-Film?

Fakten-Prüfung. Wie nah an der Realität ist die Darstellung von Papst Franziskus und seinem zurückgetretenen Vorgänger Benedikt XVI. im Spielfilm „Die zwei Päpste“? Dem ging ein Journalist nach.

Bonn. Während am vergangenen Wochenende in Hollywood die Oscars vergeben wurden, sah sich Ludwig Ring-Eifel „Die zwei Päpste“ an – und unterzog den Streifen von Regisseur Fernando Mereilles einer eingehenden Prüfung. Was ihn dazu befähigt? Er war Chefredakteur der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur in Rom und ist deshalb in Sachen Päpste bestens informiert.

Was stimmt – und was nicht?

Frage 1: Lag Bergoglio, wie im Film gezeigt, als Kandidat der Reformer tatsächlich schon bei der Papstwahl 2005 knapp hinter dem konservativen Favoriten Ratzinger? Ring-Eifels Antwort: „Er vereinigte im zweiten und dritten Wahlgang eine relativ hohe Stimmenzahl auf sich, verzichtete dann aber zugunsten von Ratzinger, der vorne lag und im vierten Wahlgang mit weit mehr als zwei Drittel der Stimmen gewählt wurde.“
Frage 2: Stimmt es, dass Papst Benedikt XVI. fast völlig allein lebte? Ring-Eifel: „Anders als dargestellt lebte Benedikt XVI. mit seinem Privatsekretär sowie Ordensfrauen zusammen und speiste in der Regel auch mit ihnen. Fakt ist, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger und seinem Nachfolger nur selten Gäste zum Essen einlud.“
Frage 3: Die letzte Szene des Films zeigt den ehemaligen und den neuen Papst vor dem Fernseher, wie sie gemeinsam das WM-Finale Deutschland gegen Argentinien 2014 anschauen. Ring-Eifel: „Diese Szene ist höchstwahrscheinlich frei erfunden, schon allein, weil Franziskus seit gut 20 Jahren kein Fernsehen mehr schaut.“
Päpste im Rennen um Oscar
„Die zwei Päpste“ ist ein von Netflix finanzierter Film. Beide Papst-Darsteller waren bei der Oscar-Verleihung in den Kategorien der besten Darsteller nominiert, Jonathan Pryce in der (Haupt)rolle als Papst Franziskus und Anthony Hopkins in der (Neben)rolle als Benedikt XVI. Die begehrte goldene Statue erhielt jedoch Joaquin Phoenix für seine Darstellung des „Joker“. kap, mih

Foto: Sind sie es, oder sind sie es nicht? Anthony Hopkins (l.) mimte Papst Benedikt XVI., Jonathan Pryce seinen Nachfolger Franziskus. Foto: Netflix