Weg in die Freiheit

Die Zeit der Ödnis in der Wüste erleben die Israeliten als eine Art Erziehungskur. Israel soll lernen, sich nicht mehr gehen zu lassen, sondern selber zu gehen.

Seit einigen Jahren arbeite ich als Seelsorger im Gefängnis von Leipzig. Dort ist mir deutlich geworden, dass viele der Inhaftierten schon vorher gefangen waren: im Kreislauf der Drogen, in einer kriminellen Vereinigung, in zwanghaften Mechanismen der Gewalt. Manche erleben die Inhaftierung als Befreiung: Jetzt bin ich endlich raus aus der Spirale von Droge und Beschaffungskriminalität, die mich immer mehr kaputtgemacht hat. Doch ein solcher Prozess bringt auch die Mühe des Entzuges und der Distanzierung vom früheren Umfeld mit sich. Es ist eine Art von „Fastenkur“. 

Auch unsere christliche Fastenzeit kann mit einem Weg in eine größere Freiheit verglichen werden. Die 40 Tage der österlichen Bußzeit erinnern an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Und diese wiederum beziehen sich auf die 40 Jahre, in denen das Volk Israel unterwegs war, um aus der Sklaverei Ägyptens in das von Gott versprochene Land zu ziehen.

Satt, aber unfrei

Die Bibel erzählt: Das Volk Israel wird in Ägypten zur Fronarbeit gezwungen. Den Unterdrückten wird ein fester Platz zugewiesen, was ihnen zumindest eine gewisse Sicherheit bietet: Der Sklave weiß, was er zu tun hat – und wird für seinen Arbeitsdienst mit festen Essensrationen entlohnt. So wird das Volk Israel an den Töpfen Ägyptens zwar satt, dafür jedoch seiner Freiheit beraubt. 

Die Erinnerung an den Gott seiner Vorfahren weckt den Wunsch nach Freiheit. Denn dieser Gott hat Abraham, Isaak und Jakob aus Liebe erwählt und mit ihnen einen Bund der Freundschaft geschlossen. Eine solche Beziehung setzt die Freiheit beider Partner voraus. Eine erzwungene oder manipulierte Liebe ist keine Liebe. Man kann niemanden zur Freundschaft erpressen. Vielmehr gilt: Liebe wünscht sich Gegenliebe und folglich immer auch Freiheit.

 

Den ganzen Text von Bruder Andreas Knapp und Impulse lesen Sie im aktuellen Rupertusblatt.