Weiter am Weg

„Drüben“ in Salzburgs Partnerdiözese San Ignacio in Bolivien ist Sr. Edith Schmidhuber seit 30 Jahren. Sie wirkte in verschiedenen Bereichen – im Krankenhaus Santa Isabel, viele Jahre als Provinzoberin der Halleiner Schwestern Franziskanerinnen und jetzt als Provinzökonomin. Bei einem Heimatbesuch erzählt sie von der Entwicklung des Landes, der Armut, die noch immer da ist, vom Ordensnachwuchs – „es tröpfelt dahin“ – und ihrem Herzensprojekt: dem Neubau eines Kinder- und Jugendheims.

Oberalm/San Ignacio. Die Landschaft ist in Weiß getaucht und es schneit weiter feine Flocken an diesem Jännertag. Sr. Edith Schmidhuber ist die Freude darüber anzusehen. Sie geht ein paar Schritte vor das Generalat in Oberalm und hebt eine Handvoll Schnee auf. „Bei uns in Bolivien hat es gerade mehr als dreißig Grad.“ Mit der Hitze und anderem musste sie umgehen lernen. „Die Moskitos hatten mich von Anfang an sehr gern“, lacht sie und erzählt von einer intensiven Lernerfahrung. „In manchen Dingen aber bleibst du Europäerin. Ein Kapitel für sich ist die Pünktlichkeit und der Zeitbegriff. Bei einem Besuch darfst du zum Beispiel nie auf die Uhr schauen.“

30 Jahre in San Ignacio de Velasco

Als die gebürtige Thalgauerin in den Orden der Halleiner Schulschwestern Franziskanerinnen eingetreten ist, war der Gedanke an die Mission noch nicht da. „Ich war zehn Jahre in Kahlsperg, als ausgebildete Heilmasseurin in der Badeanstalt.“ Dann habe sie Schwes-tern im Heimaturlaub kennen gelernt und langsam sei der Wunsch selber in die Mission zu gehen, in ihr gewachsen. „1985 bekam ich grünes Licht für Bolivien.“
Siebzehn Jahre arbeitete sie in Santa Isabel, jenem Krankenhaus, das Sr. Angela Flatz gründete. Die Vorarlbergerin hat neben dem Spital auch die medizinische Versorgung der gesamten Provinz Velasco aufgebaut. Sie hat in indianischen Siedlungen Gesundheitszentren, so genannte „Postas Sanitarias“, errichtet. Sie kümmerte sich um die Ausbildung von Hilfskrankenschwestern. Schwes-ter Edith erinnert sich an die Impftage, die sie raus in die Dörfer führten. „Wir sind von Haus zu Haus gefahren.“ Seit damals ist die Entwicklung im Bildungs- oder Gesundheitsbereich vorangeschritten. „Das heißt nicht, dass die Armut verschwunden ist. Wir merken, wie hart Familien kämpfen müssen.“ Die Schule sei zwar gratis, doch Bücher und weiteres Unterrichtsmaterial kosten Geld, das viele Eltern nicht haben. „Wenn wir Hefte und Bleistifte bringen, ist die Freude groß.“

Einsatz für Kinder und Jugendliche

Das Spital Santa Isabel ist heute in den Händen der Gemeinde. „Wir helfen nun anders. Wir besuchen die Kranken“, erklärt Sr. Edith. Sie verweist auf das breite pastorale Feld, „wo wir wirken können“. Außerdem seien nach wie vor Schwestern im Kindergarten und in der Schule. Auf die Frage nach dem Ordensnachwuchs meint sie: „Es ist ein bisschen besser, es tröpfelt halt.“ 23 Schwestern umfasse die Provinz aktuell, darunter noch drei Österreicherinnen. „Sr. Angela Flatz, Sr. Klara Erlbacher und mich.“

Sr. Carmen Justa Toledo hat von der Thalgauerin mittlerweile das Amt der Provinzoberin übernommen. Gemeinsam bringen sie bei ihrem Besuch in der Erzdiözese Salzburg ein Projekt mit. In Roboré, einer Kleinstadt im ostbolivianischen Tiefland, hat der Orden seit 75 Jahren eine Schule. Dazu finden in einem Kinder- und Jugendheim Mädchen einen Ort, wo sie in Geborgenheit aufwachsen können. „Das Schönste ist, die Kinder nach einer Eingewöhnungszeit wieder glücklich zu sehen.“ Tanzen und Singen spiele eine wichtige Rolle. „Da können sie sich richtig freischnaufen.“ Sr. Edith erzählt von einem Mädchen, dessen Mutter und Oma wegen Drogen im Gefängnis sind. „Sie fühlt sich so wohl und möchte nie mehr weg.“ Großer Wermutstropfen: Das Gebäude in dem die derzeit 17 Mädchen ein Daheim gefunden haben, ist sehr baufällig. Ein Neubau ist die einzige sinnvolle Lösung. „Wir wollen mit der Betreuung von Kindern unserem Charisma und unserer Ordensgründerin treu bleiben. Es soll weitergehen. Dafür hoffen wir auf Unterstützung“, so Sr. Edith Schmidhuber, die bereits wieder auf dem Weg nach Bolivien ist.
Ingrid Burgstaller

Sr. Edith Schmidhuber HSF genießt es, wieder einmal Schnee in ihren Händen zu halten. Foto: ibu