Wenn das Leben zu Ende geht ...

In Würde und schmerzfrei gehen dürfen – diesen Wunsch haben viele krebskranke Menschen, wenn sie zur Krebshilfe Salzburg kommen. Trotz verbesserter Früherkennung und enormer Fortschritte in der medizinischen Therapie, versterben rund 25 bis 30 Prozent der Menschen an den Folgen einer Krebserkrankung. Die letzte Phase des Lebens braucht vor allem eines: eine offene und von Liebe getragene Kommunikation.

 

 

Salzburg. Auch wenn eine Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung ist, gibt es viele Möglichkeiten der Behandlung und Unterstützung. Oft können Patienten über Jahre ein weitgehend normales und aktives Leben führen. „Häufig lässt sich die Erkrankung durch wirksame Behandlungsmöglichkeiten stabilisieren. Wir sprechen auch davon, dass der Krebs zu einer ‚chronischen‘ Erkrankung wird“, erläutert Krebshilfe-Geschäftsführer Stephan Spiegel. „Schreitet eine Krebserkrankung jedoch fort, ist eine engmaschige Betreuung wichtig. Wenn Angehörige die Pflege übernehmen, benötigen auch sie in dieser Zeit oft Unterstützung. Das Ziel der palliativen Versorgung ist die größtmögliche Lebensqualität für Patienten und ihre Angehörigen.“

Die palliative Behandlung versteht das Sterben als natürlichen Teil des Lebens. Der Tod wird weder um jeden Preis hinausgezögert noch willentlich herbeigeführt. Die palliative Betreuung wird individuell auf die Bedürfnisse des sterbenden Menschen und seiner Angehörigen ausgerichtet und von diesen aktiv mitgestaltet. „In der Palliativmedizin geht es um eine ganzheitliche Versorgung von Patienten. Im Vordergrund stehen dabei die Schmerz- und Symptombehandlung sowie die Linderung von seelischen, psychischen sozialen oder spirituellen Problemen. Wenn Heilung von einer schweren Erkrankung nicht mehr möglich ist, bedeutet das nicht das Ende aller medizinischen Maßnahmen. Die heutige Palliativmedizin behandelt Schmerzen, die durch den Krebs ausgelöst werden nicht mehr dadurch, dass sie weiter versucht, den Tumor, der die Beschwerden auslöst, zu verkleinern, sondern dadurch, dass sie die Beschwerden direkt hemmt – zum Beispiel mit wirksamen Schmerzmitteln.“ Schmerzen können aber auch durch nichtmedikamentöse Maßnahmen erleichtert werden, wie Physiotherapie, Entspannungstechniken, Musik oder Ablenkung. 

Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod. Manche erreichen einen Zustand, in dem sie den Tod akzeptieren und Frieden gefunden haben. Andere wehren sich bis zuletzt. Manchmal ist der Kranke bereit zu gehen, aber der Angehörige kann ihn nicht loslassen. „Die palliative Betreuung ist nicht nur dazu da, belastende Schmerzen oder Symptome wie Übelkeit, Atemnot oder Müdigkeit zu lindern, sie bietet auch soziale und psychologische Hilfe. Gerade hier können wir als Krebshilfe viel tun“, sagt Krebshilfepsychologin Martha Lepperdinger. „Es geht um das Loslassen, das Annehmen, um Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen. Vertrauen, dass alles gut wird und man selbst in Liebe gehen darf. Wir stellen immer wieder fest, dass sich gläubige Menschen hier etwas leichter tun. Das Vertrauen in Gott hilft loszulassen und sich in Dankbarkeit für das eigene Leben zu verabschieden.“ 

Die eigenen Gefühle (mit-)teilen

Die letzte Lebensphase mit dem Partner, den Kindern oder Angehörigen zu teilen, ist meist schwierig, weil die Patienten ihr Umfeld nicht belasten wollen. Umgekehrt ist es ähnlich: Auch die Angehörigen wollen nicht, dass der Schwerkranke sieht, wie sie weinen, deprimiert und verzweifelt sind. Sie reißen sich krampfhaft zusammen, sie verlassen das Zimmer, sie verbergen ihre Tränen, Angst und Unsicherheit. „Doch dadurch geht sehr viel Energie und Kraft verloren – indem die wahren und ganz echten Gefühle voreinander verborgen bleiben. Die Trauer bleibt so unterdrückt und das Verhalten nach außen wird dann oft künstlich und vor allem unecht. Da es sich aber um das letzte gemeinsame Gefühlserleben handelt, ist es schade, so zu tun, als ob einen das alles nicht betreffen würde. Es kann durch unterdrück-
te Trauergefühle später zu krankhaften Trauerreaktionen kommen – daher ist es wichtig, im Hier und Jetzt, sich gegenseitig Gefühle offen zu zeigen“, rät Lepperdinger. 

„Die meisten Patientinnen und Patienten spüren, dass sie sterben werden. Angehörige wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen, viele sind überfordert. Das offene Gespräch mit dem Kranken, ohne ihm das Sprechen über den Tod aufzudrängen, ist hier sehr hilfreich. Offenheit ermöglicht noch Unerledigtes zu klären: Das kann das gegenseitige Aussöhnen nach früheren Kränkungen sein oder die gemeinsame Suche nach spirituellen Antworten“, berichtet Lepperdinger. Trauer ist ein Teil des aktiven Abschiednehmens, der Trennung. „Es gilt noch zu Lebzeiten Wege zu finden, um miteinander zu trauern und sich in Liebe voneinander zu verabschieden. Dazu gehört auch, dass die Angst vor dem Tod in den Hintergrund tritt, dass man erkennt, dass Abschiede zum Leben dazugehören“, sagt Spiegel.

 
Die Krebshilfe Salzburg hilft gerne weiter. Beratungstelefon: 0662/873536, beratung@krebshilfe-sbg.at  

 

  

Lesen Sie nächste Woche im Rupertusblatt: Wie Musik und Entspannung in der Schmerztherapie eingesetzt werden können.

 

Foto (Gabriele Planthaber/pixelio.de): Offen mit den eigenen Gefühlen umgehen – das ist sehr wichtig, wenn es zu Ende geht. „Es gilt Wege zu finden, um miteinander zu trauern und sich in Liebe voneinander zu verabschieden. Dazu gehört auch, dass die Angst vor dem Tod in den Hintergrund tritt, dass man erkennt, dass Abschiede zum Leben dazugehören“, sagt Krebshilfe-Geschäftsführer Stephan Spiegel.