Wenn die Jäger ihren Erntedank feiern

Der Herbst ist Wildsaison, aber nicht nur auf dem Teller. Vielerorts feiern die Waidmänner und -frauen ihren Schutzpatron und laden zu Gottesdiensten und Wallfahrten. Das Rupertusblatt war bei einer Hubertusmesse und sprach mit Salzburgs Landesjägermeister über die Bedeutung des Heiligen und seine Botschaft für heute.

Salzburg. Sonntag früh, es nieselt, der Blick wendet sich zum Himmel, denn die Wolkendecke sollte sich eigentlich noch auftun. Auf  Wetterfestigkeit sind hier die meisten geprüft. Leder, Loden, Wollwalk in allen Grüntönen wohin das Auge reicht, selbstverständlich darf der Hut nicht fehlen. Diesen schmückt am heutigen Tag ein kleiner Fichtenzweig – „Bruch“ in der Waidmannssprache genannt. Die Jägerinnen und Jäger der Region versammeln sich vor der Kirche in Hintersee. Ein erlegter Hirsch, ein Zwölfender, liegt gebettet auf Zweigen auf dem Anhänger einer Pferdekutsche. Die Musikkapelle beginnt zu spielen und die grüne Menschenmenge setzt sich in Bewegung Richtung Wald. Nahe dem Satzstein im Ortsteil Mühlviertel auf einer Lichtung im Wald dann der Endpunkt der jagdlichen Prozession – bei der versteckt gelegenen Hubertuskapelle beginnt die Hubertusfeier. 

So und in ähnlicher Weise finden dieser Tage die Hubertusfeiern in der Erzdiözese statt, nicht zufällig, denn am 3. November begeht die Kirche den Gedenktag des heiligen Hubertus von Lüttich. „Für uns Jägerinnen und Jäger ist es ein großer Tag“, sagt der Landesjägermeister von Salzburg, Max Mayr-Melnhof, im Gespräch mit dem Rupertusblatt. Es sei das Erntedankfest der Jäger, so Mayr-Melnhof, denn: „In großer Dankbarkeit blicken wir auf das, was wir erleben durften in der Natur und sind dankbar, dass wir wieder gut nach Hause gekommen sind.“ Außerdem wird verstorbener Jagdkameraden gedacht. Der Zusammenhalt innerhalb und das Verständnis für die Jagdgemeinschaft, die er als „Großfamilie“ versteht, sind ihm wichtig. Das betreffe nicht nur 11.000 Jägerinnen und Jäger im Bundesland, sondern auch deren Familien. „Sie leben ja mit, auch wenn sie nicht aktiv jagen – die vielen Geschichten, den Einsatz für die Natur.“ 

Achtung vor dem Geschöpf

Zurück in Hintersee: Auch hier wird der Verstorbenen gedacht, noch eine Weile hallt der andächtige Klang der Jagdhörner durch den Wald. „‚Waidmannsheil‘, der Gruß der Jäger, darf kein leeres Wort werden, sondern ist Auftrag“, sagt Diakon Martin Stöllinger. Es bedeute, verantwortungsbewusst im Gefüge der Natur zu handeln und für ein Gleichgewicht zu sorgen, so der Diakon. Eine Tafel in der Hubertuskapelle bietet einen ähnlichen Denkanstoß: „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, weidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt“ ist darauf zu lesen. Es handelt sich hierbei um die erste Strophe eines Gedichts Oskar von Riesenthals. Dieses fand übrigens auf dem Etikett des weithin bekannten Kräuterlikörs „Jägermeister“ seine kommerzielle Verwendung. 

Auch der Landesjägermeister sieht die Schöpfungsverantwortung als wesentliches Element der von ihm vertretenen Zunft: „Bei der Jagd ist man der Schöpfung nahe. Diese in Demut und Dankbarkeit auch nutzen zu dürfen, das ist etwas ganz Besonderes: Ich benütze nicht nur, sondern nutze auch, was mir der liebe Gott geschenkt hat. Die Achtung vor dem Geschöpf ist ein sehr wichtiges Anliegen“, so Mayr-Melnhof weiter. Und: „Das ist eine große Verantwortung. Aber wir tragen sie gerne.“ 

Bekehrung im Wald

In der Mitte der Kapelle in Hintersee hängt die Trophäe eines Hirsches, darüber – zwischen den Geweihstangen – ein Kruzifix. Diese Symbolik wird mit dem heiligen Hubertus in Verbindung gebracht. Der Legende nach soll Hubertus, Pfalzgraf am Hof Theiderichs III. von Burgund, an einem Karfreitag in den Wäldern der Ardennen auf der Jagd beim Anblick eines prächtigen Hirsches mit einem leuch-tenden Kruzifix zwischen den Geweihstangen bekehrt worden sein. Als Einsiedler wirkte er zunächst in den Ardennen. Von Bischof Lambert von Maastricht zum Priester geweiht, wurde er nach dessen Tod sein Nachfolger, verlegte den Bischofssitz nach Lüttich und ließ dort die Lambertuskathedrale erbauen. Hubertus ist zusammen mit Antonius, Quirinus und Cornelius einer der „Vier heiligen Marschälle“ und ist Schutzpatron der Jagd, der Schützen, der Kürschner, Metzger, der Metallarbeiter, Büchsenmacher, Optiker, Mathematiker.

Heutige Botschaft

„Die Geschichte des heiligen Hubertus soll uns zum Nachdenken bringen“, sagt der Landesjägermeister. Hubertus habe sich nach seiner Bekehrung nicht von der Jagd abgewandt, sondern habe Natur bewusster erlebt, ist Mayr-Melnhof überzeugt. „Das ist das, was wir wollen. Hubertus war zuvor ein Schießer und Töter, der Freude hatte, den Tieren nachzustellen und sie zu erlegen, je mehr, desto besser – so die Überlieferung –, bis ihm der Hirsch mit Kreuz erschienen ist.“ Für den 48-Jährigen hält die Geschichte auch heute eine klare Botschaft bereit: „Das ist die Message: Es muss nicht jeder den heiligen Hubertus spielen, aber das Bewusstsein haben, was man da draußen erleben darf, was man da draußen tut.“ Der Jäger ortet schwarze Schafe in den eigenen Reihen: „Es kann und wird so sein, dass es unter Jägerinnen und Jägern jene gibt, die nur jagen, um Beute zu machen. Aber das ist nicht die Grundessenz des Ganzen“, erinnert er.

Es sei ein Grundsatzproblem, dass Jagd immer auf das Töten heruntergebrochen werde. Es gehe um mehr, ist der Glanegger überzeugt, denn durch das angeeignete Wissen erlebe man die Schönheit der Natur bewusster. „Jagd ist die so genannte ‚grüne Matura‘, eine Ausbildung von zumindest 120 theoretischen Stunden. In der Praxis kann man es nicht zählen, denn man lernt ja nie aus. Das heißt nicht, dass ich töten muss, aber ich kann jagen. Das ist ein großer Unterschied.“

Messe im Dom mit Erzbischof

Am kommenden Sonntag, 28. Oktober, findet um 18.00 Uhr die Landes-Hubertusmesse mit Erzbischof Franz Lackner im Salzburger Dom statt. Musikalisch umrahmt und begleitet wird sie traditionell von den historischen Parforcehörnern. Die Salzburger Jägerschaft lädt die Jägerinnen und Jäger zu dieser feierlichen Messe ein. An der Orgel spielt Domorganist Heribert Metzger, die Jagdhornbläsergruppen werden am Weg zum Dom zu Salzburg die Besucher einstimmen. Auch in der Region und im Tiroler Teil der Erzdiözese finden vielerorts Hubertusfeiern statt.

Schauplatzwechsel: In Hintersee hat es aufgehört zu regnen, nach dem Gottesdienst bestaunen die Jäger noch einmal das erlegte Wild, bevor es abtransportiert wird. Es herrscht Aufbruchstimmung, im Wirtshaus wartet der gesellige Part. Ein Teilnehmer kommentiert: „Jetzt geht’s zum Schüsseltrieb.“ 

Foto1: Schöpfungsverantwortung. Die Hege und Pflege der Wildes sind wichtigste Aufgaben der  Jägerinnen und Jäger. Foto: Uwe Kunze/pixelio.de

Foto2: Der heilige Hubertus wird traditionell mit Hirsch dargestellt. Foto: Archiv der Erzdiözese Salzburg

Foto3: Gemeinschaft. Bei der Hubertusfeier in Hintersee spielte die Jagdhornbläsergruppe Seekirchen auf. Foto: lsg

 

 

Termine:

Bevorstehende Hubertusfeiern in der Erzdiözese Salzburg 


26.10. Hubertuskapelle in Rauris, 14.00 Uhr

26.10. Hubertuskapelle Kühschwalb/Gasteig, 8.00 Uhr

26.10. Pfarrkirche Strass/Zillertal, 18.00 Uhr

28. 10. Landes-Hubertusmesse der Salzburger Jägerschaft im Salzburger Dom mit Erzbischof Franz Lackner, 18.00 Uhr

3.11. Hubertuskapelle Uttendorf, 19.00 Uhr

3.11. Hubertuskapelle Bundschuh, Thomatal, 14.00 Uhr

3.11. Kitzbühel/Aurach 18.00 Uhr

4.11. Pinzgauer Jagawallfahrt nach Maria Kirchental, 11.00 Uhr

9.11. Hubertuskapelle Thu-mersbach, 19.00 Uhr 

10.11. Landeshubertusfeier  des Tiroler Jägerverbandes im Innenhof der Innsbrucker Hofburg mit Bischof Hermann Glettler, 18.00 Uhr