Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen?

„Die Angst, dass Arbeitende nicht genug zu essen haben, ist berechtigt“, meinte Andrea Komlosy, a.o. Professorin am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Wien, beim Studienteil der 82. Hauptversammlung der Katholischen Aktion Salzburg in St. Virgil. Die Menschen flüchten sich in mehrere verschiedene Arbeitsverhältnisse. 

Salzburg. Das Thema Arbeit wurde an diesem Abend in spiritueller und globalhistorischer Perspektive betrachtet. „Als ehrenamtlich geprägte Laienorganisation spielt die Arbeitswelt in der Katholischen Aktion eine große Rolle“, so Elisabeth Mayer, Präsidentin der Katholischen Aktion. „Durch die Digitalisierung ist die Arbeitswelt einem gewaltigen Wandel unterzogen, der historische Blickwinkel kann in Zeiten des Wandels oft eine Orientierung sein. Wir richten unser Augenmerk auf die möglichen Verlierer dieses Wandels und fragen gleichzeitig nach neuen Chancen, die sich dadurch ergeben.“

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“? Auf diese Stelle aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher ging Betriebsseelsorger Heiner Sternemann zu Beginn ein. „Ich kenne wenige Menschen, die nicht arbeiten wollen. Viele dürfen oder können nicht arbeiten“, so Sternemann. Das Arbeitsfeld der KA-Mitarbeiter sei ein breites, „da kann man leicht aus den Augen verlieren, um was es wirklich geht“, sagt der Betriebsseelsorger. Mit dem Blick Gottes auf die Arbeit und die Menschen schauen sei wichtig, ansonsten funktioniere man nur noch.

Jede Form der Arbeit betrachten

Nach einem historischen Abriss kam Komlosy zu dem Schluss, dass „mit einem breiten Arbeitsbegriff keine Gefahr (und auch keine Hoffnung) besteht, dass den Menschen die Arbeit je ausgeht“. Mit Blick auf die Zukunft ließen sich Szenarien nur sinnvoll diskutieren, wenn alle Formen der Arbeit miteinbezogen werden: Erwerbsarbeit genauso wie Haus- und Subsistenzarbeit, Dienst an der Gemeinschaft sowie Bildungs- und Fortbildungsarbeit. Betrachtet werden müsste die Situation hier aber auch andernorts, wo die Produkte herkommen, die wir konsumieren.

 

Bildtext: Nahmen an der Hauptversammlung der KA teil: KA-Generalsekretär Simon Ebner, Referentin Andrea Komlosy, Seelsorgeamtsleiterin Lucia Greiner, KA-Präsidentin Elisabeth Mayer, Betriebsseelsorger Heiner Sternemann und Generalvikar Roland Rasser (v. l.). Foto: KJ/Huber-Eder