Wertvolle Unterstützung

Finanziell gesehen haben Familien in den vergangenen Jahren verloren, sagt Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbands Österreich. Doch in den 2000er-Jahren hat sich auch vieles verbessert. Die Möglichkeit der Pflegekarenz ist noch zu wenig bekannt und der Oma-Dienst des Familienverbandes ist in Salzburg nicht wie in Wien in Gefahr, verspricht Salzburgs Vorsitzende Marie-Luise Zuzan.

RB: Wie schätzen Sie das neue Kinderbetreuungsgeld-Konto ein?
Trendl: Es tritt mit 1. März 2017 in Kraft. Neu eingeführt wird der Papa-Monat. Damit können Väter innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt zwischen 28 und 31 Tage zu Hause bleiben. Da es aber weder Rechtsanspruch noch Kündigungsschutz gibt, sind die Väter auf einen toleranten Arbeitgeber angewiesen. Wir kritisieren, dass die beliebte Langzeitvariante von 30 auf 28 Monate verkürzt wird. Die Wahlfreiheit muss den Eltern bleiben, schließlich haben sie sich für das neue Leben entschieden. Der neue Partnerschaftsbonus geht zu Lasten der Alleinerzieherinnen und Mehrkindfamilien. Außerdem: 2017 wird es das Kinderbetreuungsgeld seit 15 Jahren geben. In diesen Jahren wurde kein Cent der Inflation wertangepasst.


RB: Wie könnte man Arbeitgeber dazu bewegen, sich auf diesen eigentlich wünschenswerten Papa-Monat einzulassen?
Trendl: Väter sind auf die Familienfreundlichkeit in Betrieben angewiesen. Doch der Chef wird sehen, dass die Arbeitsfreude des Mitarbeiters steigt, wenn er sich unterstützt und ernstgenommen fühlt.


RB: Was hat sich in den vergangenen Jahren in der Familienpolitik verbessert?
Trendl: Gerade in den 2000er-Jahren hat sich viel bewegt. Rein finanziell haben Familien verloren, doch die Kinderbetreuung wurde massiv angepasst. Aber das ist doch selbstverständlich, eigentlich dürfte ich nicht um Qualitätsstandards und flächendeckende Betreuung bitten müssen.


RB: Der Oma-Dienst des Familienverbandes bringt den Familien Entlastung, in Wien stand er auf der Kippe, ist er in Salzburg auch gefährdet?
Zuzan: Die Familien sind von dem Angebot begeistert. 300 Salzburger Familien haben oder hätten gerne eine der 120 Omas und einen Opa in der Familie. Auch die Omas und der Opa sind begeistert: Es ist eine erfüllende Aufgabe. Es können sich gerne noch weitere Omas und Opas für diesen Dienst bei uns melden! Er ist in Salzburg gesichert: Die Erzdiözese ist die Grundlage, Förderungen kommen von Stadt und Land. Auch unser Projekt „Gutes Leben“ wird gerne angenommen: 400 Salzburger Familien zusätzlich zu unseren Mitgliedern machen dabei mit. Es ist eine freudige Geschichte und es tut gut, wenn man nicht immer klagt, sondern sich auch besinnt und fragt: Was bedeutet für mich eigentlich ein gutes Leben?


RB: Wenn die Kinder größer sind, gehen die meisten Mütter wieder arbeiten, bis vielleicht die eigenen Eltern Pflege benötigen. Wie sieht die Situation hier aus?
Trendl: Das trifft überwiegend auf Menschen zu, die bereits pensioniert sind. Seit 1. Jänner 2015 gibt es aber die Pflegekarenz, die in der Öffentlichkeit noch nicht sehr bekannt ist. Dieser muss der Arbeitgeber zustimmen, auf Antrag zahlt die Sozialversicherung die Pensionsbeiträge.


RB: In Wien startete im Sommer das Integrationsprojekt „Familien für Familien“: Wie läuft es? Könnte das Projekt auch nach Salzburg kommen?
Trendl: Beim Patenschaftsprojekt für anerkannte Flüchtlingsfamilien tauschen die Familien beim Kaffeetrinken oder Ausflügen für Familien wichtige Informationen aus. So funktioniert Integration, man findet Freunde. Bei der Vermittlung wird Wert auf räumliche Nähe und auf das passende Alter der Kinder gelegt. 15 österreichische Familien haben sich gemeldet, wobei ein bis zwei Familien eine Flüchtlingsfamilie zugeteilt wird. Es ist gerade erst angelaufen und noch nicht entschieden, ob das Projekt auch in anderen Bundesländern umgesetzt wird.
Zuzan: Wobei es diese Familientreffen informell auch schon in Salzburg gibt. Wenn etwa ein Flüchtlingskind die gleiche Klasse besucht, entsteht der Kontakt. Beim Projekt des Familiemverbandes ist aber der Vorteil, dass sich die Familien gut finden und vom Verband betreut werden.

 

Bildtext: Für die Familien setzt sich der Katholische Familienverband parteiunabhängig ein. Foto: Alexandra H./pixelio.de