„Wir sind Brüder“

30 Punkte umfasst die Erklärung, die Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kyrill I. bei ihrem Gipfeltreffen auf Kuba unterzeichnet haben – für eine gemeinsame Stimme der Kirchen zur Verteidigung der verfolgten Christen und die Zusammenarbeit bei den Herausforderungen der Welt.

Havanna. „Endlich“ – so begrüßte Franziskus den Patriarchen bei dem historischen Treffen auf Kuba. „Wir sind Brüder.“ Im Flughafengebäude gingen die beiden lächelnd aufeinander zu und umarmten sich herzlich. Nach einer zweistündigen privaten Unterredung in einer Flughafen-Lounge unterzeichneten Franziskus und Kyrill I. eine gemeinsame Erklärung in einer italienischen und einer russischen Fassung. Zum Abschluss umarmten sich die beiden Kirchenführer sichtlich bewegt erneut.

In ihrer Erklärung beklagen Franziskus und Kyrill, dass weiterhin zahlreiche Hindernisse zwischen den Kirchen bestünden. Dennoch müssten Orthodoxe und Katholiken versuchen, ein „einmütiges Zeugnis für die Wahrheit zu geben“. „Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister“, heißt es in dem achtseitigen Text.

Besorgt äußern sich Franziskus und Kyrill insbesondere über die Verfolgung von Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas. Gerade in diesen beunruhigenden Zeiten sei ein interreligiöser Dialog unerlässlich. Gemeinsam müssten die Kirchen ihre Stimme zur Verteidigung der verfolgten Christen erheben. Die internationale Gemeinschaft müsse dringend handeln, um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen. Weiters sprachen sich die beiden Kirchenführer für die Achtung der Religionsfreiheit aus. Sie beklagen dabei auch die Beschränkungen von Rechten der Christen in Europa durch einen „oft sehr aggressiven Säkularismus“.

Sie fordern auch ein gemeinsames Vorgehen gegen die Armut in der Welt sowie Solidarität mit allen Leidenden. Eindringlich unterstreichen beide die zentrale Rolle der auf der Ehe von Mann und Frau gegründeten Familie. Schließlich fordern sie, das unveräußerliche Recht auf Leben zu respektieren.

Kiewer Großerzbischof übt Kritik

Kritik an dem Papier kommt indessen von der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, die sich vom Vatikan „verraten“ fühlt. Großerzbischof Swiatoslaw Schewtschuk kritisiert das Verfasserteam um Kardinal Kurt Koch: Es sei zwar „kompetent in Bezug auf theologische Fragen in den Beziehungen mit den verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften, aber nicht in Fragen der internationalen Politik, vor allem nicht in sensiblen Themen wie der russischen Aggression in der Ukraine“. 
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Franziskus und Kyrill I. trafen im Vorfeld des Mexikobesuchs des Papstes am Flughafen von Havanna aufeinander. Es ist das erste Treffen eines römischen Papstes mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche. Foto: Paul Haring/Catholic News Service/KNA