Woran können wir glauben?

Eine Frage, die sich im Laufe der Geschichte schon viele stellten, auch nicht wenige Mathematiker – von Pythagoras, über Blaise Pascal bis hin zu Kurt Gödel. Der Wiener Mathematiker Rudolf Taschner wagte einen neuen Versuch und hält zehn Angebote auf die Frage aller Fragen bereit.  Am 20. Juni stellt er sie in der Edmundsburg vor.

RB: Woran kann man denn heute noch glauben? 

Taschner: Im Unterschied zu früheren Zeiten glauben die Menschen heutzutage viel, fast erschreckend viel mehr – allerdings in einer sehr diffusen Weise: Oft vermögen sie gar nicht zu erahnen, woran sie glauben – beginnend beim Aberglauben notorischer Glücksspieler über den Glauben eines ehemaligen Wiener Bürgermeisters an den Gott Dionysos, über das Umarmen der Bäume der vom Glauben an die Natur Beseelten bis hin zu den von traditionellen Religionsgemeinschaften angebotenen Glaubensweisen. Von Chesterton stammt das schöne Wort: Es gibt in Wahrheit nur zwei Arten von Menschen: solche, die Dogmen anerkennen und sich dessen bewusst sind, und solche, die Dogmen anerkennen und sich dessen nicht bewusst sind. Die Antworten, die mein Buch bereit hält, sollen im Sinne Chestertons zur Bewusstseinserweiterung beitragen.

RB: Wie kamen Sie als Mathematiker dazu, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen?

Taschner: Es war mir als Mathematiker, und damit als einem dem klaren und stringenten Denken verpflichteten Menschen ein Bedürfnis, mich mit diesen den Grund unserer Existenz berührenden Fragen auseinander zu setzen. Da ich überdies „Professor“ bin – das lateinische „profiteor“ bedeutet „ich bekenne öffentlich“ – ist es naheliegend, dass ich die Leser des Buches einlade, gemeinsam mit mir nachzudenken.

RB: Wie schätzen Sie das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube ein?

Taschner: Hierzu hat Karl Jaspers wohl am besten in seinem Werk „Der philosophische Glaube“ Auskunft gegeben: dem Wissen fehlt das existenzielle Moment, das den Glauben beherrscht. Demjenigen, der flapsig den Kalauer „Glauben heißt Nicht-Wissen“ von sich gibt, kann ich nur antworten: Gott sei Dank! lsg

 

Bildtext: „Jeder Mensch hat, wie seinen Fingerabdruck, seinen eigenen Glauben, woran auch immer“, meint Mathematiker Taschner in seinem Buch. Foto: www.JenaFoto24.de/pixelio.de

 

TIPP: Woran glauben – 10 Angebote für aufgeklärte Menschen: Mi., 20. 6., 19.30 Uhr, Edmundsburg Salzburg.
Anm.: Tel. 0662/8047-7516, kav@bildungskirche.at