„Zeit für neuen Sozialhirtenbrief“

Kirche und Staat. Franz Küberl, ehemaliger Präsident der Caritas Österreich, plädiert für eine Kirche, die Stellung bezieht.

Salzburg. Papst Franziskus ermutige, „zu sozialen Fragen regional und lokal präzise Stellung zu nehmen“, betonte Franz Küberl beim diesjährigen Medienempfang kürzlich im Salzburger Bischofshaus. Auf Einladung von Erzbischof Franz Lackner und im Beisein von Vertretern aus Kirche und Medien ging Küberl dem Verhältnis von Kirche und Staat auf den Grund. 

Eine Frage des Stils  

„Der Dialog zwischen Kirche und Staat ist auch heute unabdingbar“, so Küberl. Die historischen Ausführungen des ehemaligen Caritaspräsidenten zum Verhältnis von Staat und Kirche führen zu konkreten Empfehlungen: „Ein Dialog zwischen Politik und Religion sollte geprägt sein von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung.“ Kritik übte Küberl am Umgang der heutigen Gesellschaft mit Gegenpositionen: „Die Wahrnehmung, dass Kritik sehr rasch als Affront missverstanden wird, empfinde ich als demokratiepolitischen Rückschritt.“ Widerspruch sollte vielmehr Anregung zum Weiterdenken sein und als  Ausgangspunkt „auf der Suche nach gemeinsamer Einschätzung“ verstanden werden.

Kirche ist gefordert  

Der Kirche schreibt Küberl die „riesige Aufgabe“ zu, „Zeichen und Werkzeug der Einheit der Menschengeschlechts“ zu sein. Er fordert„innerkirchliche Analysen und Vorstellungsentwicklungen“ – für einen neuen Sozialhirtenbrief, der Erfahrungen evaluiert und sich mit sozialen, gesellschaftlichen und politischen Fragen neu auseinander setze, sei es seiner Ansicht nach „höchste Zeit“. 

Anliegen des Sozialhirtenbriefes von 1990 war eine Gewissensbildung angesichts der Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft Mitte der 80er Jahre. Seither habe sich viel getan, so Küberl. Konkret gehe es unter anderem um eine erneute Auseinandersetzung mit Fragen nach dem Umgang mit den Themen Flucht, Zuwanderung, Schutz des Lebens, Entwicklungspolitik; außerdem um entsprechende Aufgaben, die sich die Kirche selbst stellt und die sie vom Staat einfordert. Im Gespräch mit der Welt müsse die Kirche dabei „über viele Sprachen und Zwischentöne“ verfügen, war sich Küberl sicher. chp

 

Bildtext: Franz Küberl betont bei seinem Vortrag im Salzburger Bischofshaus, Aufgabe der Kirche sei es „Zeichen und Werkzeug der Einheit“ zu sein. Foto: EDS