„Zeit zum Reden nehme ich mir“

Haussammlung. Schnell und regional helfen, ist ein Markenzeichen von Caritas und Pfarre. Die Gelder dafür kommen zu einem Großteil aus der Haussammlung. Barbara Mitterer weiß das, sie ist seit 17 Jahren in Söll von Tür zu Tür unterwegs und bittet um Spenden für Menschen in Not.  

RB: Wie sind Sie zur Caritas-Haussammlerin geworden?  Was motiviert Sie?

Barbara Mitterer: Der ehemalige Bürgermeister hat mich vor 17 Jahren gefragt und quasi als seine Nachfolgerin angeworben. Lange überlegen musste ich nicht. Ich weiß, es gibt viele Menschen die Hilfe brauchen. Bestärkt hat mich unsere Pfarrsekretärin Anna Maria Koller hier in Söll. Überhaupt wäre die Haussammlung ohne die umfangreiche Organisation von unserer Pfarrkanzlei nicht machbar.  

RB: Sie klopfen an und wissen nicht, was Sie erwartet, in welcher Stimmung die Menschen sind, die Ihnen öffnen. Ist das schwierig?

Mitterer: Ich habe einen großen Vorteil, da ich in Söll geboren und aufgewachsen bin,  außerdem war ich bis zu meiner Pensionierung Lehrerin. Das heißt, ich kenne einen Großteil der Menschen in der Gemeinde und sie mich. Und jetzt bin ich auch schon so lange dabei, wenn mich die Leute mit meiner Mappe sehen, wissen sie schon, es ist wieder Haussamm-
lung. Vergangenen Freitag habe ich mit meiner üblichen Runde angefangen – ich geh ab halb sechs bis sieben Uhr abends. Schlechtwettertage sind günstig, da triffst du die meis-ten daheim an. Ehrlich gesagt, anfangs ist es schon immer eine kleine Überwindung und ich muss den „Couch-Potato“ in mir besiegen. Aber ich erlebe so viel Schönes, wenn ich von Haus zu Haus unterwegs bin. Das möchte ich nicht missen. Bei manchen Siedlungen weiß ich, da schaffe ich nur fünf Türen, weil ich mich jedesmal hinsetzen muss. Doch diese Zeit zum Reden nehme ich mir gerne. 

RB: Kommt es vor, dass Ihnen jemand die Tür vor der Nase zuschlägt?

Mitterer: Das nicht, es gibt halt zwei, drei Raunzer. Manche Vorurteile gegenüber Kirche oder Caritas sind in den Köpfen drinnen. Da kommst du nicht mit vernünftigen Worten dagegen an. Ich kann gut argumentieren und erklären, was mit dem Geld passiert, doch wenn jemand nichts geben möchte, akzeptiere ich das sofort. „Meine Schwester hat nichts gekriegt als sie Hilfe brauchte. Wieso soll ich etwas spenden?“ Das höre ich zum Beispiel immer wieder von einer älteren Dame. Bei ihr weiß ich, sie braucht  eigentlich nur jemanden, der ihr zuhört. Genau das mache ich dann. 

Bei meiner Tour mit rund 100 Häusern sind  einige Wohnblöcke dabei. Hier ist natürlich unter dem Jahr ein Aus- und Einziehen. Da habe ich mir überlegt, meinen Besuch anzukündigen, damit die „Neuen“ nicht überrascht sind. Ich hab auf dem schwarzen Brett im Eingangsbereich einen Zettel mit meinem Foto und dem Caritas-Logo aufgehängt und über die bevorstehende Sammlung informiert.

RB: Wollen die Menschen eigentlich wissen, was mit ihren Spenden passiert? 40 Prozent des Geldes bleiben ja in der jeweiligen Pfarre. 

Mitterer: Wir hatten zum Beispiel einen „Fall“, da war nach einem Unfall der Umzug in eine barrierefreie Wohnung notwendig. Damit sich das finanziell ausgeht, hat die Familie eine Soforthilfe bekommen. Hören die Menschen diese Geschichte, motiviert sie das, zu spenden. 

RB: Gibt es ein besonders schönes Erlebnis aus Ihren Jahren als Haussammlerin?  

Mitterer: Durch meine Haussammlerinnen-Tätigkeit hat sich ein netter Kontakt mit einer   Frau ergeben, die ich vorher nur vom Grüßen auf der Straße kannte. Jetzt sind wir befreundet, auch wenn wir uns meist nur einmal im Jahr treffen. Dann machen wir uns einen Tag aus und setzen uns zusammen und ratschen. Das ist eine Freundschaft, die mir das Caritas-Haussammeln geschenkt hat. 

Fotos (Caritas/privat): 3.500 Haussammlerinnen und Haussammler sind im März auf dem Gebiet der Erzdiözese Salzburg unterwegs. „Nachwuchs“ für diese Tätigkeit zu finden sei schwierig. Wer Interesse hat, soll sich in der Wohnsitzpfarre melden, bittet die Caritas.

Barbara Mitterer ist so wie in den vergangenen 17 Jahren auch heuer wieder für die Caritas-Haussammlung in Söll unterwegs.