„Zuhören und da sein“

Allerseelen. Das Gedenken an verstorbene Angehörige kann alte Wunden wieder aufreißen. Betroffene fragen sich dann: „Wohin mit meiner Trauer?“ Die MitarbeiterInnen der Telefonseelsorge hören Betroffenen zu und sind Tag und Nacht für sie da. Im November feiert der telefonische Notdienst in Salzburg 40-jähriges Bestehen.

Salzburg. „Gerade im ersten Trauerjahr sind die Tage rund um Allerheiligen für Angehörige besonders schmerzvoll“, weiß Gudrun Köck, Mitarbeiterin in der Telefonseelsorge Salzburg. Beim ökumenischen Telefonnotdienst sind Einsamkeit und Trauer Themen, die AnruferInnen besonders beschäftigen.


„Jeder Mensch trauert anders“


Auch das Ende einer Lebensphase könne betrauert werden und sei bei den Telefonaten in der Telefonseelsorge immer wieder Thema: Eine Scheidung, das eigene Altern oder die Kinder, die das Haus verlassen – Trauer, so Köck, betreffe jede Situation, die unwiederbringlich vorbei und verloren ist. „Bei zehn Prozent unserer Anrufer wird Trauer explizit angesprochen. Bei etwa 40 Prozent kommt die Trauer erst später als ein zentrales Thema zum Vorschein und ist mit anderen Lebensbereichen verwoben“, erzählt die diplomierte Lebens- und Sozialberaterin aus ihrer vierzehnjährigen Erfahrung. Wie Menschen traumatische Verlust-Erfahrungen verarbeiten, ist unterschiedlich, so Köck: „Manche Menschen reden viel, andere ziehen sich zurück, wieder andere stürzen sich in die Arbeit oder verdrängen“, berichtet die Mondseerin.
Wichtig in der Arbeit der Telefonseelsorge sei es, diesen unterschiedlichen Formen des Trauerns Raum zu geben. „Wir müssen zuhören, mitfühlen und da sein“, ist Köck überzeugt. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar – das mache das Angebot des anonymen Telefonnotdienstes besonders niederschwellig, sagt die Expertin. Trauernden rät sie: „Alles zulassen, Gefühlen nachgeben und sich nicht den Normen und Erwartungen unterordnen.“

 

Telefonseelsorge:
Die Beratungen sind anonym und kostenlos
☛ Telefonnummer: 142
☛ E-Mail- und Chatberatung: www.ts142
☛ kids-line, Rat für junge Leute: 0800/234 123

 

Foto (pixabay): Am Grab. Trauer, Schmerz und Verlust-Erfahrungen kommen wieder verstärkt zu Tage. Besonders im ersten Trauerjahr tun sich Angehörige rund um Allerheiligen und Allerseelen schwer.