Zukunft säen

Hunger trifft jene besonders hart, die wenig Bildung haben. Ohne das nötige Wissen ernten die Familien kaum genug, um sich selbst versorgen zu können. SEI SO FREI, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung, investiert seit vielen Jahren  in Uganda in Schulen. Vor einigen Monaten startete zusätzlich  ein Landwirtschaftsprojekt.

Kasese. Agnes kämpft mit den Tränen, als sie am Abend die einzige Mahlzeit des Tages kocht. Der einfache Brei ist jetzt noch dünner als vor ein paar Wochen. Bis zur nächsten Ernte ist keine Besserung der Situation in Sicht. Die Familie halbwegs zu ernähren, ist ein täglicher Kampf. Auf ihrem kleinen Stück Land baut Agnes gemeinsam mit ihrem Mann Surgeon Kochbananen und Maniok an. Sie ernten immer weniger. Die ausgedehnten Trockenzeiten im heißen Klima von Kasese im Westen von Uganda sind mittlerweile Normalität. Mangelndes Wissen um effektive Anbaumethoden, Lagerhaltung und widerstandsfähiges Saatgut erschweren die Lage. Obwohl sich Agnes und Surgeon abmühen und auch die Kinder am Feld mithelfen, ist ihr Einsatz umsonst. Die Ernten reichen kaum für den Eigenbedarf. Immer müssen alle hungrig zu Bett gehen.

Rund 700.000 Menschen leben in Kasese, einem der heißesten und trockensten Bezirke in Uganda. Die meisten Bewohner bauen rund um ihre bescheidenen Hütten Getreide, Gemüse und Obst an. Große Ernteerfolge stellen sich aber nicht ein. Die klimatischen Bedingungen sind der größte Hemmschuh und die Leute wissen kaum etwas über widerstandsfähigeres Saatgut oder wirksamere Anbaumethoden. „Armut und Hunger sind für viele die bittere Normalität“, sagt Basaliza Ithungu Florence. Die 58-jährige Uganderin ist Leiterin von RIFO (The Ripple Foundation) und kennt das harte Landleben aus eigener Erfahrung. „Es ist ein Segen, dass wir im Jänner dank SEI SO FREI mit unserem Projekt starten konnten.“

Mit der richtigen Theorie in die Praxis

Drei Jahre lang wird RIFO 225 Kleinbäuerinnen und -bauern begleiten und ihnen nachhaltige, ökologische Landwirtschaft vermitteln. In Kursen lernen die Familien, welche Feldfrüchte sie miteinander kombinieren können, wie sie einheimische Hühner-, Ziegen- und Schweinerassen aufziehen und wie sie durch optimales Boden- und Wassermanagement Erosion vorbeugen. Gesundheit und Ernährung  sind ebenfalls Themen in den Workshops. Damit die Theorie letztlich Früchte trägt, kommt es natürlich auf die praktische Umsetzung an. Dabei spielt ein Gemeinschaftsfeld eine zentrale Rolle. „Die Praxiseinheiten sind wichtig für die Familien, um die anfängliche Skepsis zu überwinden und Vertrauen zu fassen“, betont Wolfgang K. Heindl von SEI SO FREI in Salzburg. „Wenn sie mit eigenen Augen sehen, dass die neuen Sorten und Techniken funktionieren, setzen sie diese auch zuhause ein. Damit legen die Kursteilnehmer den Grundstein für bessere Ernten, die die ganze Familie satt machen.“ 

Wieder mehr als eine Mahlzeit am Tag

Das Landwirtschaftsprogramm ist ein wichtiger Schritt, um das Aufwachsen der Kinder zu sichern. Im Bezirk Kasese leiden 50 Prozent der unter Fünfjährigen infolge von Mangelernährung und Untergewicht an Entwicklungsstörungen. Als SEI SO FREI vergangenes Jahr die Volksschule in Kyogha besuchte, erzählte Direktor Mkyuma Kabagambe, dass 80 Prozent seiner Schulkinder seit Wochen nur mehr abends essen: einen dünnen Getreidebrei. Die schwere Dürre in Ostafrika hatte Kasese fest im Griff. Mit der neuen Landwirtschaftsinitiative von SEI SO FREI soll der Wandel kommen und damit drei Mahlzeiten pro Tag für jedes Kind – selbst während langer Trockenzeiten. Der Plan ist konkret und realistisch: Die Saat erfolgreich ausbringen, von der Ernte Vorräte anlegen und dann Überschüsse am Markt verkaufen. Eine Zukunft ohne Hunger ist für die Familien in Kasese zum Greifen nah.    

Fotos (SEI SO FREI): Mit Unterstützung die Lebensbedingungen für die Menschen in Kasese verbessern