Zukunft sichern

ICO-Tagung mit dem syrisch-orthodoxen Bischof Polycarpus

Salzburg. „Der Tur Abdin ist das Herzstück des syrischen Chris-tentums. Heute leben in der Bergregion in der Südosttürkei nur mehr wenige Christen“, erklärte der syrisch-orthodoxe Bischof Polycarpus bei der Jahrestagung der Initiative Christlicher Orient (ICO) in St. Virgil. Ob die Christen vor Ort eine Zukunft haben, liege auch am Westen, so Mor Polycarpus.

Die Kirchen im Westen können von den orientalischen Kirchen und Christen vieles lernen. Das betonte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seinem Grußwort bei der ICO-Tagung. Lackner zeigte sich beeindruckt von der Glaubensstärke der Christen im Nahen Osten, die in einem meist sehr schwierigen Umfeld Zeugnis von ihrem Glauben ablegten. Und so wären sicher auch die diversen kirchlichen Reformbemühungen im Westen von mehr Erfolg gekrönt, „wenn wir zum Ursprung zurückkehren“, wie der Erzbischof meinte. Der kirchliche Weinstock drohe im materiell üppigen Europa zu einem „Flachwurzler“ zu verkommen, während Weinstöcke in der kargen Umgebung des Orients tiefe Wurzeln schlagen würden. 

Den Hauptvortrag hielt der für die Niederlande zuständige syrisch-orthodoxe Bischof Mor Polycarpus Augin Aydin, der über den Tur Abdin, einer Region mit jahrhundertelanger Glaubenstradition sprach. Wie er betonte seien heute nur mehr wenige Christen vor Ort. Und vielleicht 100 Familien sind in den vergangenen 15 Jahren in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Mor Polycarpus zeigte sich davon überzeugt, dass viel mehr Menschen den Schritt zurück in ihre alte Heimat wagen würden, wenn es endlich Sicherheit und Stabilität gebe. Der Tur Abdin in der Südosttürkei liegt mitten in jenem Gebiet, wo es immer wieder zu Kämpfen zwischen dem türkischen Militär und der kurdischen PKK kommt. Zudem ist Syrien nur wenige Kilometer entfernt, wo seit acht Jahren ein blutiger Krieg tobt, der die gesamte Region destabilisiert. „Der Westen ist gefordert, sich endlich ernsthaft für einen stabilen Frieden stark zu machen. Damit die Christen eine Zukunft haben.“

30-Jahr-Jubiläum

Der Tur Abdin stand im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung der ICO. Das Hilfswerk hat vor 30 Jahren im Tur Abdin seine Anfänge genommen. Der Linzer Liturgie-Professor Hans Hollerweger reiste in den 1980er-Jahren in den Tur Abdin und war mit der Not der Menschen vor Ort konfrontiert. Damit wenigs-tens die letzten Christen in ihrer Heimat bleiben konnten, gründete Hollweger 1989 den „Verein der Freunde des Tur Abdin“, aus dem später die „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) hervorging. 

Foto: Der Westen, so der syrisch-orthodoxe Bischof Mor Polycarpus, muss endlich seiner Verantwortung für Frieden im Nahen Osten gerecht werden.

Foto: RB/kap/G. Pulling