Zurückkehren nach der Flucht

Ifeanyi Obi aus Nigeria flüchtete wie tausende andere aus seiner Heimat. Drei Jahre lebte er in Salzburg. Jetzt musste er Österreich verlassen, sein Asylantrag ist negativ. Die Geschichte einer Flucht, die dort endet, wo sie begann. 

RB: Sie sind seit 2015 in Salzburg. Wieso flüchteten Sie 2009 aus Ihrer Heimat Nigeria?

Ifeanyi Obi: Ich bin aus religiösen Gründen geflüchtet, ich bin Christ und wollte das auch bleiben. Allerdings verlangte der Ältestenrat des Dorfes, dass ich die „Dorfgottheit“ anbete. Weil ich mich widersetzte, drohte man mich umzubringen. Meine beiden Brüder wurden getötet, weil auch sie sich weigerten. Mir blieb nur die Flucht. 


RB: Sie kamen nicht direkt nach Salzburg, wo haben Sie auf Ihrer Flucht überall gelebt?

Obi: Ich war in Beirut, dann in Damaskus und in der Türkei. Möglich machte mir die Flucht ein Bekannter, der das Geld zur Verfügung stellte. In der Türkei lebte ich in einem Haus, wo uns unsere Schlepper versorgten. Nach einiger Zeit ging es nach Griechenland. Wir waren 48 Menschen im Schlauchboot, es war sehr eng. Wir hatten keinen Kapitän. Einem Flüchtling wurden Anweisungen gegeben, wie er das Boot fahren soll. Dann waren wir rund 14 Stunden auf dem offenen Meer. Ich hatte Hunger, Angst; man will nur überleben. 

 
RB: Fünf Jahre lang waren Sie in Griechenland, wie (über)lebt man als Flüchtling?

Obi: Ich schlief auf der Straße oder in Autos. Es war Winter und kalt. Arbeit gab es nicht. Erst im Sommer konnten wir selbstgemachte Armbänder verkaufen. Und Geld sammeln. Ab und zu schlief ich um fünf Euro pro Nacht in einer Unterkunft. Aber wenn das Geld aus war, ging es wieder auf die Straße. Ich bin ausgebildeter Tapezierer, kurz fand ich Arbeit. In den Sommermonaten wollte ich gerne kellnern. Aber wenn ein Dunkelhäutiger bedient, stößt das immer noch auf Abneigung. 

 
RB: Wie tausende andere Flüchtlinge wanderten Sie über Mazedonien und Serbien nach Wien? 

Obi: Zu Fuß war ich auf dem Weg. Mit einem Rucksack. Darin war Wasser, etwas Brot und eine Cola. Viel durfte man nicht essen, sonst konnte man nicht mit dem Gehtempo mithalten. Einer ging voran mit dem Handy. Er wies uns den Weg via Google Maps. 

 
RB: Als Sie dann 2015 nach Salzburg kamen, welchen Eindruck hatten Sie? Was haben Sie unternommen, um sich einzugliedern?

Obi: Als ich hierher kam war ich in Wals in einem Flüchtlingslager. Die Freundlichkeit der Menschen fiel auf. Wir waren lange in einem Zelt untergebracht. Ich konnte schlecht schlafen, es war sehr kalt und nass. Ich habe schnell die deutsche Sprache gelernt. Um mich zu integrieren begann ich im Mozarteum zu singen, habe in Wals im Flüchtlingslager in der Küche mitgearbeitet und einmal bei einem Integrationsfußballturnier mitgespielt. Beim Salzburg-Marathon war ich auch dabei.

RB: Ihre gesundheitliche Verfassung ist nicht sehr gut. Dennoch waren Sie sportlich aktiv?

Obi: Ich hatte einen Kreuzbandriss und wurde in Salzburg operiert. Und meine Augen sind schlecht. Auf dem linken Auge bin ich blind, auf dem rechten Auge erschwert mir ein Glaukom das Sehen. Deshalb bin ich in ärztlicher Behandlung.

 
RB: Warum müssen Sie jetzt Salzburg verlassen?

Obi: Mein Asylantrag ist negativ ausgegangen. Auch einem Aufenthalt aufgrund meiner gesundheitlichen Situation wurde nicht stattgegeben.

 
RB: Gibt es in Ihrer Heimat einen Ort, wo Sie hinkönnen? Haben Sie Arbeit? 

Obi: Ich habe noch keine Idee. Wenn ich ankomme, suche ich als Erstes ein Hotelzimmer. Von dort aus informiere ich mich über eine mögliche Wohngelegenheit. Wenn ich das geschafft habe, überlege ich mir, wie es arbeitstechnisch weitergeht. Da ich gelernter Tapezierer bin, versuche ich mir in diesem Bereich etwas aufzubauen. Allerdings wird das nicht einfach, da ich sehr schlecht sehe.

 

RB: Was wollen Sie den Österreichern mitgeben?

Obi: Wir Menschen sind alle gleich. Ganz egal was für eine Hautfarbe wir haben. Und das Wichtigste ist, dass wir einander lieben. Uns in den anderen hineinversetzen und zulassen, dass wir mitfühlen können. Außerdem sollen die Leute mehr lächeln, das ist eines der schönsten Geschenke, die man bekommen kann. trisha.rufinatscha@rupertusblatt.at

 

Bildtext: Was Flüchtling Ifeanyi Obi glücklich macht, ist für viele von uns selbstverständlich: „Ich bin glücklich, dass ich noch lebe und dass Gott auf mich aufpasst. Menschen, die mich lieben und mir Zuneigung zeigen, das ist für mich Glück. Ich möchte sehr gerne in Salzburg bleiben, aber darf nicht; Gott wird wissen, warum …“ Foto:  tru

 

Für Ifeanyi Obi wurde von Günther Jäger, Universitätspfarre Salzburg, ein Hilfskonto eingerichtet. Die beiden Männer lernten sich bei einer Veranstaltung  im Mai 2016 in Salzburg kennen und wurden Freunde. Wer Obi unterstützen möchte, kann auf das Konto AT36 3500 0000 2666 1181, Raika Salzburg; Kennwort Hilfe für Obi, spenden. Für Rückfragen und Informationen steht Günther Jäger telefonisch und per E-Mail zur Verfügung: 0676/8746-6610; guenther.jaeger@kirchen.net.