Zusammenhalt am Altar

Die Ministranten im Salzburger Dom sind eine eingeschworene Gemeinschaft – die für neue Mitglieder immer offen ist.

Salzburg. Für die Ministrantinnen und Ministranten der Domkapitelassistenz hat es Tradition: Wie immer nach der Sonntagsmesse sitzen sie in einem Kaffeehaus zusammen, plaudern gemütlich, besprechen, was gut gelaufen ist, was schlecht und wie die Dienste in den nächsten Wochen besetzt werden können. „Die Gemeinschaft zu pflegen ist uns sehr wichtig“, erzählt Leiter Robert Mels-Colloredo, der in seinem Hauptberuf Arzt ist und manchmal direkt vom Nachtdienst im Krankenhaus in den Kirchendienst kommt. Um die Tische und in der Gemeinschaft der Domkapitelassistenz hat jeder Platz, alt, jung – zwischen 17 und 78 Jahren sind die Minist-ranten –, neben dem Arzt die Pastoralassistentin, der Hauskrankenpfleger, die Theologiestudentin. „Wir sind gerne beieinander und das strahlt auch aus“, meint Elisabeth Behmüller, die seit dem Weihnachtstag 2013 im Dienst ist. Auch vor dem Sonntagsgottesdienst nehmen sich die Ministranten einen Moment Zeit, sammeln ihre Gedanken bei einem gemeinsamen Gebet.

In Österreich verrichten schätzungsweise 50.000 Ministranten den Dienst am Altar. Meist sind es Kinder und Jugendliche, mancherorts, vor allem in Bischofskirchen, eben auch Erwachsene. Die Domkapitelassistenz ist eine von drei Ministrantengruppen im Salzburger Dom – neben den Priesterseminaristen und den Altardienern rund um den Weihbischof – und bei Bischofsämtern sowie im sonntäglichen Betrieb im Einsatz. Bei Messen mit dem Erzbischof, bei denen neun Helfer gebraucht werden, hilft die 18-köpfige Domkapitelassistenz den kleineren Gruppen aus. Einmal im Jahr treffen alle Ministranten zusammen, zu Allerheiligen am Kommunalfriedhof, wenn um 15.00 Uhr alle Gräber gesegnet werden.

Ein eingespieltes Team

„Die Menschen gehen in den Dom, weil sie eine klassische Messe wollen, die rund und ruhig abläuft“, erzählt Johannes Dick. Bei den Gottesdiensten muss nicht nur deswegen jeder Handgriff sitzen: Bei der Eucharistiefeier bringen die Ministranten Brot, Wein und Wasser zum Altar und helfen dem Priester beim Lavabo, der Händewaschung. Nach der heiligen Kommunion assistieren sie bei der Purifikation der Gefäße und bringen das Messbuch und die liturgischen Gefäße zur Kredenz zurück. Sie reichen dem Priester oder dem Diakon liturgische Geräte und halten als Libriferar liturgische Bücher bereit. Bei feierlich gestalteten Gottesdiensten tragen sie als Thuriferar das Weihrauchfass und als Navikular das Schiffchen. Als Ceroferare tragen sie Kerzen und Leuchter, als Kruziferar das Vortragekreuz. In Pontifikalämtern halten sie als Mitrafer und Baculifer Mitra und Stab des Bischofs, solange er diese Insignien nicht benötigt – alles mit der nötigen Würde, wie es auch Theologiestudentin Debora Senoner seit inzwischen mehr als drei Jahren macht: „Die Messen im Dom sind aufwändig, es gibt wenige Proben. Da ist es gut, schon vorher Ahnung zu haben.“ Sie selbst hat in ihrer Südtiroler Heimatpfarre zwei Jahre lang Ministranten eingeschult.  

Ministrantinnen waren bis vor acht Jahren im Dom unüblich: Das änderte sich, als Elisabeth Katzdobler beim damaligen Erzbischof Alois Kothgasser anfragte. „Er meinte nur, er habe es nie verboten“, erzählt sie. Seitdem, seit dem Palmsonntag 2009, ist es ihr ein Anliegen, die weibliche Präsenz am Altar aufrechtzuerhalten: „Die Kirche hat auch ein weibliches Gesicht – das wollen wir zeigen.“  

 

Fotos (Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de, privat, EDS): Dass der Priester das richtige liturgische Gerät im rechten Augenblick bekommt und die Messe reibungslos und würdevoll abläuft – dazu tragen die Ministranten einen wichtigen Teil bei.

Sonntags kommen sie in der Domsakristei zusammen: Diözesanpriester, Diakone, einige der 18 Mitglieder der Domkapitelassistenz, Lektoren und Mesner. Foto: privat

Im Juli 2015 feierte Bischof Erwin Kräutler sein goldenes Priesterjubiläum im Dom. Der jüngste Ministrant, Lorenz aus Großgmain, nützte nach dem Gottesdienst die Gelegenheit für ein Selfie.

 

 

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