WOCHENZEITUNG DER ERZDIÖZESE SALZBURG
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Des Erzbischofs Organist

Mozarts „Krönungsmesse“ KV 317 am Ostersonntag im Salzburger Dom

„. . . und die Kirche nach Möglichkeit mit neuen von Ihme verfertigten Kompositionen bedienne . . .“

Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo ernennt
Mozart zum Hoforganisten.  
Foto: SLA
Mozart nahm diese ihm von Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo im Ernennungsdekret zum „Hoforganisten“ (vgl. Abb.) auferlegte Verpflichtung in seinen beiden letzten Salzburger Jahren 1779/80 in besonderem Maße war. Man könnte glauben, er hätte sich mit dem Gedanken angefreundet, den Salzburger Hof- und Kirchendienst als Wunsch- und Endziel seiner Karriere zu akzeptieren. Jeweils zwei Mess- und Vesperkompositionen stehen in diesen beiden Jahren im Zentrum seines Schaffens: Werke, die Mozart für den Salzburger Dom schuf, die Messen sogar für die Pontifikalämter am Ostersonntag, dem höchsten Fest des Kirchenjahres, an dem der Metropolit selbst zelebrierte. Im Hofkalender des Jahres 1779 findet sich für den Ostersonntag, den 4. April, die Eintragung: „… Seine hochfürstliche Gnaden etc. etc. kommen öffentlich aus dero Audienzzimmer, Antekammera, Rathsal, um 9 Uhr im rothen Habit und fliegender Kappa angethan (vgl. Abb.), in Vorgehung der sämmtlichen Hofstaat in der Galla, in Vortragung des Legatenkreuzes und Begleitung des hochwürdigsten Domkapitels, in die hochfürstl. Domkirche herab, und celebriren das Hochamt.“ Ob Mozart, der am 17. Jänner 1779 als Hoforganist dekretiert worden war (vgl. Abb.), an der „Hof-orgel“ den Einzug in den Dom begleitete, oder ob noch dem alten Usus entsprechend die Hof- und Feldtrompeter diesen festlich umrahmten, wissen wir nicht. Aufgelegt für die „Hofmusik“ waren auf den Pulten der Vierungsemporen und im Presbyterium jedenfalls die Stimmen zu einer neuen Messkomposition, mit der Mozart seinem alten und neuen Dienstgeber an diesem Osterfest 1779 sicherlich imponieren, vielleicht aber auch für die neuerliche Aufnahme in den Hofdienst danken wollte. Die Messe zählt zu seinen genialsten Schöpfungen geistlicher Musik und wurde unter dem Namen „Krönungsmesse“ berühmt. Wir dürfen annehmen, dass die Hofkopisten Estlinger und Hofstätter die Stimmen aus Mozarts Partitur kopierten, die er am 23. März 1779 abgeschlossen hatte. Leider ging dieses Aufführungsmaterial verloren, das Vater Mozart nicht dem Archiv der Domkirche anvertraute, sondern bei sich verwahrte und das Nannerl zusammen mit zahlreichen anderen von den Mozarts selbst korrigierten Stimmenabschriften aus dem väterlichen Nachlass dem Kloster Heilig Kreuz zu Augsburg übereignete.


Der Erzbischof in der
großen Cappa im Winter.  
Foto: Privat
Dass Vater Leopold die kostbaren Stimmenabschriften nicht der Hofmusik aushändigen wollte, sagt viel aus über seine Verbitterung und sein Misstrauen gegenüber seinen Kollegen. Oder bestand am Werk seines Sohnes in Salzburg kein Interesse mehr?
Andernorts war allerdings das Gegenteil der Fall, denn bald nach Mozarts Tod erkannte die Musikwelt auch die Qualität seiner Kirchenmusik, vornehmlich die seiner Messen. Als Beispiel dient das Verlagshaus Breitkopf & Härtel in Leipzig, das im Rahmen seiner „Gesamtausgabe“ von Mozarts Werk unter den Vokalwerken das Requiem, Don Giovanni und die beiden Messen KV 317 und 257, die „Krönungsmesse“ und die „Credomesse“, herausgab.
Beide Titel finden sich in den autographen Partituren freilich nicht (vgl. Abb.). Die Bezeichnung „Krönungsmesse“ leitet sich sehr wahrscheinlich davon ab, dass Hofkapellmeister Antonio Salieri für die Gottesdienste anlässlich der Krönung Kaiser Leopolds II. in Frankfurt, Wien, Pressburg und Prag auch drei Werke Mozarts auswählte, unter denen sich auch die „Krönungsmesse“ KV 317 befand.
Diese Bezeichnung führte allerdings mehr als hundert Jahre später zu einem fatalen Irrtum, der das Werk mit Salzburgs beliebtester Wallfahrtskirche Maria Plain in Verbindung brachte. Im Jahre 1907 hatte sich der Salzburger Mozartforscher Johann Evangelist Engl in einem Bericht im „Salzburger Volksblatt“ aus Anlass der Aufführung der Messe in der Pfarrkirche Mülln auf „Spurensuche“ begeben und kam dabei zum „Ergebnis“, dass Mozart diese Messe für den Jahrestag der Krönung des Plainer Gnadenbildes komponiert haben musste, der jährlich seit 1751 auch heute noch begangen wird. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass auch „Größen“ der Mozartforschung, wie beispielsweise Alfred Einstein, der Herausgeber der dritten Auflage des Köchel-Verzeichnisses, an dieser Zweckbestimmung festhielten.


Die erste Seite aus Mozarts autographer Partitur der Missa in C-Dur KV 317. 
Foto: Biblioteka Jagiellonska Kraków
Wenn auch die Wallfahrtsbasilika Maria Plain mit Mozarts „Krönungsmesse“ nicht in Verbindung zu bringen ist, so ist dieses Gotteshaus dennoch für das religiöse Leben der Familie Mozart von großer Bedeutung. Neben „Messintentionen“ gibt es diverse Zeugnisse dafür, dass Nannerl und Wolfgang in Maria Plain zur Beichte gingen und Vater Leopold des Öfteren einen Spaziergang in die „Plain“ für seine Gesundheit und sicherlich auch aus Frömmigkeit unternahm. Zur Säkularfeier 1774 trugen Mozart und die gesamte Hofmusik bei: er selbst sowohl mit einem „Violin-“ als auch mit einem „Orgelkonzert“ und vermutlich auch mit einer Messkomposition, wofür die „Missae breves“ KV 192 oder 194 in Frage kommen könnten.
Kommenden Ostersonntag wird aus Anlass des 250. Jubiläums von Mozarts Geburt nach exakt 227 Jahren die „Krönungsmesse“ im Dom zu Salzburg erklingen. Dann mögen sich Salzburgerinnen und Salzburger darauf besinnen, dass ihr „Genius loci“ die Kirchenmusik mit seinem Können nicht nur bereichert hat, sondern auch Glaubensinhalte mit Mitteln der Musik seiner Zeit auszudrücken vermochte. Mozart zeigt sich besonders in dieser Messe als Meister der Prägnanz. Da nach dem Wunsch des Erzbischofs auch an höchsten Festtagen die Messe nicht länger als „drey Viertelstunden“ dauern durfte, jedoch der Text vollständig vertont werden musste, erforderte „diese Art Composition ein besonderes Studium“. Das galt auch für Mozart, wie er selbst unverblümt Padre Martini gegenüber 1776 zugibt.
Seine ganze Aufmerksamkeit widmete Mozart in den beiden letzten Messkompositionen von 1779 und 1780 dem Agnus Dei. In beiden Sätzen übertrifft Mozart alle für den Salzburger Hof komponierenden Musiker, auch Michael Haydn. Keiner von ihnen hat jemals den Text inniger und empfindsamer vertont.
Wie sehr Mozart die „Ostermesse“ von 1779 schätzte, lässt sich darin erkennen, dass er offensichtlich daran gedacht hat, zur Krönung Leopolds II. in Prag 1791 nicht nur mit „La clemenza di Tito“, sondern auch mit dieser Messe beizutragen. Die Wertschätzung zeigt sich außerdem auch darin, dass Mozart Jahre später das Agnus-Thema seiner „Krönungsmesse“ einer seiner schönsten und zärtlichsten Arien in „Figaros Hochzeit“ zugrunde legte, nämlich der Arie der Gräfin „Dove sono i bei momenti Di dolcezza, e di piacer“ – „Wo sind die schönen Augenblicke von Süße und Freude … geblieben?“
KR Univ.-Doz. Dr. Ernst Hintermaier,
Leiter des Archivs der Erzdiözese


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