Pfarrer Alois Dürlinger zur Corona-Pandemie

In diesen Tagen werde ich öfter gefragt, was ich zu all dem sage, was ...

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Grüß Gott an alle Bewohnerinnen  im Pfarrverband Salzburg-Mitte
Herrnau – Gneis – Morzg – Nonntal

Eine äußerst herausfordernde Situation belastet uns gegenwärtig alle.
In diesen Tagen werde ich öfter gefragt, was ich zu all dem sage, was sich jetzt ereignet, und wie ich es im Horizont meines Glaubens deute. In solchen Situationen ist tatsächlich auch unser Glaube angefragt. Gerne lege ich dar, was meine Sichtweise der Ereignisse ist – sicher nur eine unter vielen möglichen.

Ich habe Gedanken und Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch Zukunft und Hoffnung geben – Spruch des Herrn. - Jer 29, 11

Schnell sind jene Unheilspropheten zur Stelle, die meinen, darin eine Strafe Gottes erkennen zu müssen. Das ist es definitiv nicht! Denn: Alles was mit Leistung, Lohn und Strafe zu tun hat, kann nichts mit Gott zu tun haben. Deshalb kann auch der alte Katechismus - Satz nicht stimmen, der behauptet, „dass Gott ein gerechter Richter ist, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.“ Ein solches ambivalentes, doppeldeutiges Gottesbild ist gefährlich und hat in vielen Generationen religiös motivierte Ängste erzeugt und Menschen krank statt heil gemacht.  Glauben wir doch fest, dass Gott uns und seine ganze Schöpfung „mutterschoßig“ liebt. Wenn die jetzige Corona Pandemie etwas mit Strafe zu tun hat, dann in dem Sinn, dass wir Menschen uns selber strafen, indem es sich rächt, wenn ein Teil der Menschheit in Gier und Maßlosigkeit lebt und dafür die Ausbeutung jener Völker bewusst in Kauf nimmt, die in Elend und Armut leben.  Auf solchen menschenverachtenden Strukturen kann auf Dauer kein lebensspendender Segen liegen, vielmehr bergen sie die Dynamik des Todes – wohlgemerkt Menschen gemacht.

Gott überhört nicht den Schrei der Armen

Dass Menschen, aus von uns arm gemachten Ländern, in Kellerlöchern und in Bergwerksminen um einen Hungerlohn schuften müssen, um für uns Luxusgüter herzustellen oder Edelmetalle für unsere Technikindustrie abzubauen, ist eine Versklavung unserer Tage. Dass viele Menschen Afrikas in kurzen Abständen von schrecklichen Seuchen heimgesucht werden und dass in einer Welt, die bei gerechter Verteilung alle Menschen leicht ernähren könnte, täglich unzählige Menschen verhungern müssen, ist eine Schande für die Industriestaaten. Die meisten Regierungen Europas haben bis vor kurzem hartnäckig die Aufnahme von wenigstens unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aus den Elendslagern innerhalb und außerhalb der Grenzen Europas abgelehnt. Das ist ebenso eine Sünde wider die Solidarität, die jetzt so massiv beschworen wird. Ja, ohne Solidarität und mitmenschlichen Zusammenhalt werden wir die jetzige Krise nicht überstehen, darin sind sich alle einig. Wir werden sie sicher überstehen, wenn wir begreifen, dass die Welt ein gemeinsames Haus ist, Länder und Kontinente übergreifend. Wenn die gegenwärtige Bedrängnis uns dafür die Augen weiter öffnen würde, könnte sie – Gott gebe es  – zum segensreichen Aufbruch in eine neue Zeit größerer Solidarität werden.

Die Güte des Herrn hat kein Ende

Wir als glaubende Menschen dürfen nicht aufhören zu beten und die Güte und Treue Gottes zu verkünden, und zwar in Worten und in Taten. Die Menschen in der Zeit Jesu folgten ihm nach, „weil sie hörten, was er TAT.“

Was tat Jesus? Er verkündete eine frohmachende Botschaft voll Heil und Leben in der Freiheit der Kinder Gottes. Er war den Menschen nahe, so nahe, dass sie in seiner Gegenwart geheilt wurden. Er hielt Mahl und feierte mit ihnen. Als er sah, dass er für seine Botschaft von Gott – seinem und unserem Vater – mit dem Leben einstehen muss und sein Tod nahe war, hat er mit seinen engsten Freunden und Vertrauten Mahl gehalten und ihnen aufgetragen, dies immer wieder zu tun. Brot und Wein zu teilen mit der Zusage, dem Auftrag und der Verheißung: „Das bin ich für euch! Tut dies und seid im Herzen bei mir! Ich bin bei euch!“ Jesus tat das, was sein jüdisches Volk seit Urzeiten tat und tut und was wir Christen in seinem Auftrag tun. Die Anfänge des Herrenmahles, der Eucharistie, liegen in kleinen hauskirchlichen Gemeinden. In jüdischen Familien wird jeden Freitagabend, am Beginn des Sabbats, ein Licht entzündet und Mahl gehalten. Unser Osterfest gründet im Paschamahl der Juden, jenem Aufbruchsmahl der Errettung durch Gott aus der Versklavung in Ägypten.

Wir gehen erstmals seit Menschen Gedenken einem Osterfest ohne große Liturgien in unseren Kirchen entgegen. Medial übertragene Gottesdienste sind hilfreich und wertvoll. Zudem sollten wir den Menschen aber auch Hilfen zur Verfügung stellen, und sie ermutigen, einfache hauskirchliche Feiern zu gestalten.

In der Hauskirche feiern

Am Palmsonntag einen frischen, grünen Frühlingsstrauß auf den Tisch stellen, das Evangelium des Einzugs Jesu in Jerusalem lesen und nach einem „Vater unser“ um Gottes Segen bitten.

Am Gründonnerstag Brot, Wein und Traubensaft teilen, ein Mahl der Liebe in der Gegenwart Jesu feiern, getreu der Verheißung, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Am Karfreitag eine Kreuzwegandacht feiern, im Blick auf Jesus und all jene, die jetzt ein schweres Kreuz tragen.

In der Osternacht ein Licht entzünden mit der Bitte um die Gegenwart Jesu in diesem heiligen Zeichen oder am Ostermorgen bei einem Spaziergang an der Osterkerze in den Kirchen ein Licht entzünden, so wie es am Heiligen Abend bereits viele mit dem Friedenslicht aus Bethlehem praktizieren. Im Schein dieses Osterlichtes die Osterbotschaft lesen und hören, den Segen Gottes über die österlichen Gaben erbitten und Festmahl halten – wenn möglich in häuslicher Gemeinschaft und unter Einhaltung aller gegenwärtig notwendigen Vorsichtsmaßnahmen, diese Gaben auch mit älteren und allein wohnenden Menschen zu teilen.

So könnte die Belebung der Hauskirche eine Antwort auf diese besondere gegenwärtige Krisensituation sein. Ein Behelf für solche Feiern ist in Vorbereitung und wird zugestellt bzw. wird zeitgerecht in den Kirchen aufliegen.    

Die Kirchen in Österreich sind wie alle Hilfsorganisationen und die politisch Verantwortlichen sehr bemüht, „niemanden zurückzulassen“. Scheuen und schämen Sie sich bitte nicht, in der jetzigen Situation Hilfe in Anspruch zu nehmen – jetzt sind wir gewissermaßen alle der Hilfe bedürftig – sei es materiell oder ob wir Ermutigung und tröstenden Zuspruch brauchen.

Im Anschluss finden Sie die kirchlichen Kontaktnummern und Internetadressen sowie die Telefonnummern der Pfarren, die Hilfestellungen vermittelt werden.

Von Herzen grüßt Sie / Euch und erbittet Gottes Trost und Segen!

Alois Dürlinger, Pfarrer im Pfarrverband Salzburg-Mitte

 


Pfarre Gneis, Eduard-Macheiner-Str. 4, 5020 Salzburg, Tel.: 0662/8047-8054-10

Pfarre Herrnau, Erentrudisstraße 5, 5020 Salzburg, Tel.: 0662/620040

Pfarre Morzg, Gneiserstraße 62, 5020 Salzburg, Tel.: 0662/8047-8065, 0676/8746-5034

Pfarre Nonntal, Nonntaler Hauptstr. 12, Tel.: 0662-843642, 0676-8746-7146

Corona-Sorgen-Telefon der Erzdiözese Salzburg, 0800/500 191 – Seelsorger und Seelsorgerinnen stehen zum Gespräch zur Verfügung

Telefonseelsorge:  142

Für Kinder und Jugendliche: Reden oder Chatten: www.kids-line.at bzw. 0800 234 123

Im Internet: #trotzdemnah - Kirche bei dir zuhaus - www.trotzdemnah.at

 

Sozialberatung der Caritas Salzburg: 05-1760-1760
Das Beratungsangebot bezieht sich in erster Linie auf:
• finanzielle Problemen
• bei Fragen zum Thema Wohnen und Energie
• bei sozial- und fremdenrechtlichen Fragen
• wenn Sie Unterstützung bei Behördenwegen benötigen.
Montag, Dienstag 10 – 13 Uhr, Mittwoch 15 – 17 Uhr, Donnerstag, Freitag 10 – 13 Uhr

Stadt Salzburg - Bewohnerservices und Diakonie
Freiwilligensystem zur Unterstützung von älteren Personen – Einkaufsdienste, Besorgungen, etc.
Tel.: 0662-625008 - Diakonie-Bewohnerservice Aigen
Wenn sich wer als Freiwilliger melden will: https://www.diakoniewerk.at/aktueller-beitrag/salzburg-gehoert-zusammen-nachbarschaftshilfe-freiwillige-hier-melden.
Diakoniewerk Salzburg und Stadt Salzburg SeniorInnenbetreuung: Unter der Nummer 0662 8072 3240 können sich SeniorInnen Lebensmittel und Medikamente bringen lassen!

Caritas / Haus Elisabeth in Kooperation mit der Stadt Salzburg: Essensausgabe für armutsbetroffene Personen von Mo.-Fr. 12:30. Kontakt: Haus Elisabeth, Plainstraße 42a, 5020 Salzburg, sozialberatung@caritas-salzburg.at; 05-1760-5500

Spezialberatung zum Thema ARBEIT für
- ArbeitnehmerInnen, die von Entlassung oder Kurzarbeit betroffen oder bedroht sind
- BetriebsrätInnen, die von der Situation im Betrieb stark gefordert sind
- Eltern, die wegen der Betreuungspflichten für ihre Kinder von Arbeitslosigkeit bedroht sind
Für Menschen, die Rat suchen, Dinge einordnen, Druck loswerden oder einfach nur mit einem Seelsorger reden wollen, der zuhört.
Ein Beratungsangebot von KA und Betriebsseelsorge der Erzdiözese Salzburg:
Telefonnummer: 0676-8746-6954 (Heiner Sternemann, Betriebsseelsorger), Mo. – Fr., 9:00 bis 17:00

Werdende Eltern und Familien
Spezialberatung, kostenlose und anonyme Beratung für werdende Eltern und Familien mit einem Kleinkind: psychosoziale Beratung und  Hilfe bei Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt, Beratung bei ungeplanten Schwangerschaften (Schwangerschaftskonflikt), spezifische Beratung bei Pränataldiagnose, Information über finanzielle Unterstützung, juristische Beratung 
Konkrete Hilfe durch:  Kindersachenbörse (Babykleidung), Windel- und Einkaufsgutscheine, Haus für Mutter und Kind (Wohnprojekt für Schwangere in Ausbildung).
Kontakt: Renate Roittner 0676-8746-6619 (aktion leben Salzburg)