November 2017

Für engagierte Christinnen und Christen
November 2017
79
Das Ich kann nur am Du wachsen
Mensch
werden
Über die Herausforderung,
seinen Lebensweg zu gehen
Mitmachen
beim
Zukunftsprozess
Foto: Martin Valentin Fuchs
Manfred Stelzig und David Lang:
Ich liebe Tempo und Ordnung
Michael Feuerer:
2 3kontakt 79 | November 2017kontakt 79 | November 2017
Editorial
Galerie
Medieninhaber, Herausgeber, Verleger und Sitz der Redaktion:
Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg, Gaisbergstraße 7, 5020 Salzburg. kontakt dient der
Information und dem Austausch zwischen Christinnen und Christen über die pastorale Praxis.
Redaktion: Klaudia Achleitner, Maria Herbst, David Pernkopf, Christina Repolust, Sebastian
Schneider. Kontakt: christina.repolust@seelsorge.kirchen.net. Samson Druck, St. Margarethen.
LUCIA GREINER
Leiterin des
Seelsorgeamtes der
Erzdiözese Salzburg
MENSCHWERDUNG
„DAS WAGNIS DER VERWUNDBARKEIT“
(Hildegund Keul)
eugeborene Kinder berühren Menschen
zutiefst. Sie sind so winzig, schutzbedürf-
tig und verletzlich – und zugleich voller
Wärme und neuem Leben; sie verspre-
chen Zukunft. Jedes Neugeborene zeigt aber
auch, wie verletzlich das Leben ist. Es braucht
Schutz und Zuwendung, sonst stirbt es.
Auch Jesus, das Kind in der Krippe, ist verwund-
bar. Es kann sich nicht selbst schützen vor den
Unbilden des Wetters, vor Hunger oder der Ge-
walt anderer Menschen. Es zeichnet das aus,
was die Wissenschaften heute „hohe Verwund-
barkeit“ nennen.
Unser Glaube sagt, dass gerade in diesem Kind
in der Krippe Gott zur Welt kommt. Gott ist
Mensch geworden. Damit macht Gott sich ver-
letzlich, setzt sich aus. Das ist ein Wagnis.
Aber es sind Menschen da, die sich voller Liebe
dem Neugeborenen widmen: Maria, Josef, die
Hirten, die Sterndeuter. Sie spiegeln wieder,
was Gott in der Menschwerdung tut. Sie werden
Mensch, indem sie Hingabe wagen. Indem sie
ihre Lebenskraft teilen, ermöglichen sie Leben.
Die „Stille, heilige Nacht“ verliert dadurch ihre
Idylle. Vielmehr ergreift sie uns mit Wagemut
und Engagement und erzählt von der Mensch-
werdung Gottes und unserer eigenen mög-
lichen Menschwerdung.
N
Inhalt
KIRCHE MUSS IN DER WELT SEIN
Berufungspastoral ist ein
Insiderbegriff. Sr. Katharina
Fuchs füllt ihn mit Leben und
stellt „Berufung“ mitten in
den Alltag
ZEIT FÜR EINEN NEUANFANG
Noch ist Zeit dazu: Reichen
Sie Projekte beim Zukunfts-
prozess 2018 der Erzdiözese
Salzburg ein, wenn Sie etwas
verändern oder etwas für die
Gemeinschaft tun wollen
MITTEN UNTER UNS
Drei Statements über die
Herausforderung, in Krisen
Mensch zu bleiben
WIR RESTAURIEREN NICHT FÜR
DIE VERGANGENHEIT
Dr. Roland Kerschbaum über
den Zusammenhang von
Kirche, Kunst und Geschichte
7
14
16
10
JOSEF HOFER
Aus dem Pastoralrat
17
HINFALLEN UND AUFSTEHEN
Unermüdlich üben Kleinkinder ihre neuen Fertigkeiten: Sie krabbeln, richten sich
auf, machen erste Schritte, fallen um und stehen wieder auf. MigrantInnen üben das
Präteritum und staunen, dass „gingte“ falsch und „brachte“ richtig ist. Je reifer wir
werden, desto gelassener reagieren wir auf Fehler, desto mutiger stellen wir uns un-
seren Defiziten. Der vorliegende Kontakt erzählt von Menschen, die etwas bewegen
wollen, beispielsweise vom 32-jährigen Michael Feuerer, der bei Special Olympics
Games Spitzenplätze belegt. Menschen haben Geflüchtete unterstützt, Pfarren Pro-
jekte für den Zukunftsprozess eingereicht: Es tut sich viel, weil Menschen etwas tun,
etwas wagen und keine Angst vor dem Scheitern haben.
Es grüßt Sie im Namen des Redaktionsteams
Ihre Christina Repolust, Chefredakteurin
GALERIE NOVEMBER 2017
„hochbetagt“
Der Bildband „hochbetagt“ (mehr darüber auf Seite 24) lädt ein, durch exakt 15 Türen zu gehen
und Menschen, die 80, 90 oder sogar 100 Jahre alt sind, zu besuchen. Renommierte Journalis-
tInnen und FotografInnen präsentieren hier Porträts , die von der Bewegtheit des Lebens
erzählen, vom Scheitern, vom Aufstehen, vom Warten. Der genaue Blick auf Alltagsgegenstände,
auf Gesten sowie das Einfangen der Kernbotschaft jedes Porträtierten zeichnet diese Fotos aus.
Foto: Robert Fleischanderl
kontakt 79 | November 2017 kontakt 79 | November 20174 5
Menschwerdung
braucht das DU
Manfred Stelzig und David Lang begleiten Menschen in
ihrem Wachstum, in schwierigen Situationen und erarbeiten
mit ihnen Strategien der Selbstfürsorge.
Beide sind sich einig darin, dass Teilhabe am Gesellschaftsle-
ben eine Basis der Menschwerdung ist. Armut zu bekämpfen
heißt also, Menschen in ihrem Werden zu stärken.
Dr. Stelzig, Sie sind renommierter Medizi-
ner, Psychiater, Therapeut und Autor, der
demnächst sein drittes Buch zum Thema
„Glück“ veröffentlicht. Menschwerdung
ist das Titelthema dieser Ausgabe des Kon
-
takts: Wie gehen Sie dieses Thema an?
MANFRED STELZIG:
Das ist aus meiner
Sicht ein wichtiges und spannendes
Thema. Es heißt doch, zu sich, zu seinen
Werten, schlichtweg zu sich selbst zu
finden. Das kann ich, wenn ich Bezie-
hungsfähigkeit entwickle, den Sinn in
meinem Leben suche, in Resonanz mit
anderen Menschen gehe, Freude an der
Natur und an der Bewegung finde.
Dr. Lang, Sie sind Philosoph, Armutsfor-
scher, Therapeut, u. a. sind Sie als Pasto-
ralassistent in der Salzburger Stadtpfarre
Mülln für das Projekt „Armut teilen“ zu
-
ständig: Was bedeutet Menschwerdung
für Sie im Kontext Ihrer vielfältigen Ar
-
beitsfelder?
DAVID LANG: Ganz einfach: Wahrge-
nommen werden. Denn darum geht
es, wenn Hilfesuchende zu mir nach
Mülln kommen. Sobald Menschen die
Erfahrung machen, nicht beurteilt
oder gar verurteilt, sondern wahr- und
angenommen zu sein, passiert Mensch -
werdung. Gern verweise ich in diesem
Zusammenhang auf Martin Buber:
Erst durch das DU werde ich zum ICH.
Das trifft mich und mein Gegenüber
bei jedem Gespräch, bezogen auf mei-
ne Arbeit bei Armut teilen.
Sie forschen und publizieren über Glück.
Wo sehen Sie die Schnittmenge zur Arbeit
von David Lang oder anders gefragt: Wie
viel Materielles braucht man, um glücklich
zu sein?
STELZIG:
Man braucht ein sicheres
Grundeinkommen, um ein gutes Leben
führen zu können. Dazu gehört auch
Teilhabe am Gesellschaftsleben, Kino-
besuche, mit den Kindern in den Zoo
gehen zu können. Es braucht zur
Menschwerdung in jedem Fall Sicher-
heit, gutes Wohnen, das Leben muss
planbar sein. Das haben viele Men-
schen in Österreich nicht.
LANG: Menschen, die armutsgefährdet
sind, verzichten genau auf diese Teilha-
be, müssen das Essen für die nächste
Woche gegen den Zoobesuch mit den
Kindern rechnen.
STELZIG: Im Gegensatz zu den Kindern,
die in ihrer Spielfreude aufgehen, tra-
gen Erwachsene schwer an dieser Ver-
antwortung, für ein gutes Leben zu
sorgen: Kälte, Hunger – das gibt es
auch in Österreich, vielfach versteckt.
Zur Menschwerdung braucht es, wenn ich
Sie beide richtig verstehe, immer eine
Gruppe, eine Gemeinschaft?
STELZIG:
Vollkommen richtig. Gerade
Zur Person
MAG. DR. DAVID LANG,
Jahrgang 1980, Philosoph, Psycho-
therapeut in Ausbildung unter
Supervision (Psychodrama), seit
2010 Leiter des pfarrcaritativen
Projektes ArMut teilen in der
Pfarre Mülln, seit 2017 mobiler
therapeutischer Begleiter für die
Soziale Initiative GmbH in
Braunau und Therapeut an der
Christian-Doppler-Klinik. Wissen-
schaftlicher Mitarbeiter am
Internationalen Forschungs-
zentrum (ifz) 2008–2011. Frei-
willigendienste in Guatemala
und Haiti. www.davidlang.at
Zur Person
DR. MED. MANFRED STELZIG MSC,
geboren 1952 in Wien, leitete seit
1991 den Sonderauftrag für
Psycho somatische Medizin der
Universitätsklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie in Salzburg.
Er ist Facharzt für Psychiatrie und
psychotherapeutischer Medizin
und Psychotherapeut für Psycho-
analyse und Psychodrama. Seit
seiner Pensionierung ist er wei ter-
hin Lehrtherapeut für Psychodra-
ma; er war 1994 Mitbegründer der
Gesellschaft für Psychosomatik in
Salzburg, deren geschäftsführen-
der Obmann er seither ist.
>
Fotos: Christina Repolust
Mensch werden
>
>
kontakt 79 | November 20176
Mensch werden
>
7kontakt 79 | November 2017
am Beginn des Lebens sind wir Men-
schen vom Du und von der Begegnung
abhängig, Säuglinge kommen in den
gemeinsamen Tanz mit ihren Eltern,
von denen sie vollkommen abhängig
sind, am Beginn des Lebens sind wir
alle psychisch gesehen Frühgeburten:
Wir wachsen an der Liebe, wir wachsen
und entwickeln uns, wenn unsere Be-
zugspersonen liebevoll mit uns umge-
hen.
Dr. Lang, welche Seite der Menschwerdung
zeigt Ihnen die Arbeit in der Pfarre Mülln?
Nimmt Kirche in der Armutsbekämpfung
ihre Aufgabe ausreichend wahr?
LANG:
Lassen Sie mich kurz meine Aus-
gangsbasis erklären: Ich war nie Minis
trant oder bei der Jungschar. Mein Be-
zug zur katholischen Kirche war immer
das Soziale. Beispielsweise habe ich bei
meinen Auslandsaufenthalten in Gua-
temala und auf Haiti für ein katho-
lisches Kinderhilfswerk gearbeitet.
Klar ist die Arbeit im Projekt Armut tei-
len eine andere als in Dritt- und Viert-
weltländern. Ich nehme wahr, dass es
in der Kirche wenig Charismen gibt, die
hier völlig aufgehen, wohl in anderen
Bereichen, nicht aber im Bezug zu Ar-
mut und zu von Armut Betroffenen.
Das finde ich schade. Klar, diese Arbeit
ist schwierig, die Menschen kommen
mit vielen Anliegen und Wünschen, die
wir ja nur zum Teil erfüllen können,
auch wir bleiben daher mit Frustrati-
onen zurück. Damit gilt es, einen Um-
gang zu finden.
Sie setzen „schöne“ und „schiache“ Armut
einander gegenüber, erläutern Sie unseren
Lesern diese Begriffe?
LANG:
Gern. Schöne Armut ist die herz-
zerreißende Werbekampagne, um
Spenden zu lukrieren. Schiache Armut,
das sind die Lebenssituationen, die das
Helferherz wenig ansprechen. Mir geht
es um ein realistisches Bild von Armut.
Und dazu gehören Schicksale und psy-
chische Erkrankungen, die nach wie
vor gesellschaftlich zu wenig Anerken-
nung finden. Emotionale Stabilität ist
aber die Basis, um Arbeitsleistung voll
und erbringen zu können. Kommen wir
doch weg von der Spaltung der Armut
in „unschuldige“ und „selbstverschul-
dete“!
Sie beide unterstützen Menschen in ihrem
Werden. Hört die Suche denn je auf? Und
wenn ja, wann?
STELZIG:
Nein, das Suchen und das Be-
mühen bleibt. Wir Menschen versu-
chen, die Stresswaage in Balance zu
halten, setzen der Belastung die Freu-
de entgegen, dem Stress die Entspan-
nung. Psychotherapie stärkt u. a. diese
Selbstfürsorge, den inneren Ausgleich.
Danke für das Gespräch, zum Schluss noch
eine persönliche Frage: Wonach suchen Sie
beide noch?
STELZIG:
Ich bin ein ständig Suchender.
Zum einen bemühe ich mich um die Fa-
milie, die Umwelt, mein Berufsfeld. Ich
wünsche mir beispielsweise viel mehr
Zeit für die Familie, mehr Zeit für Sport
und das Musizieren. Außerdem würde
ich gern mehr lesen.
LANG: Derzeit bin ich dabei, die Rollen-
erweiterung im beruflichen Umfeld zu
organisieren, ich will im Beruf des Psy-
chotherapeuten mit Schwerpunkt Psy-
chodrama den Menschen behilflich
sein. In diesem Zusammenhang freue
ich mich auch, wenn die Ausbildungs-
wochenenden vorbei sind. Privat freue
ich mich auf viele weiteren Rollen.
Interview: Christina Repolust
MANFRED STELZIG: Es braucht zur
Menschwerdung in jedem Fall
Sicherheit, gutes Wohnen, das Leben
muss planbar sein.
DAVID LANG:
Sobald Menschen die Erfahrung machen,
nicht beurteilt oder gar verurteilt,
sondern wahr- und angenommen zu sein,
passiert Menschwerdung.
Fotos: Christina Repolust
Kirche muss
in der Welt
sein
Berufungspastoral ist ein Insiderbegriff.
Sr. Katharina Fuchs füllt ihn mit Leben und
stellt „Berufung“ mitten in den Alltag.
SR. KATHARINA FUCHS,
PASTORALASSISTENTIN
UND ORDENSSCHWESTER
BEI DER KONGREGATION
DER HELFERINNEN.
Die eigene Spur entdecken und erkennen,
was Gott in mir grundgelegt hat.
Foto: Kurt Michel_pixelio.de
N
icht immer sind die direkten
Wege die richtigen. Dass man
aufbrechen und gehen muss,
um seine Berufung zu finden
und zu leben, weiß Sr. Katharina
Fuchs aus eigener Erfahrung. Die Pas-
toralassistentin und Mitarbeiterin im
Referat Berufungspastoral sowie im
TheologInnen-Zentrum erzählt von
ihrem eigenen Weg: „Für meinen ers-
ten Beruf habe ich Musiktherapie stu-
diert, an der Wiener Musikuniversität.
Danach habe ich zehn Jahre im Be-
reich Psychiatrie gearbeitet.“ Wenn
die Schwes ter der Kongregation der
Helferinnen zurückblickt, erkennt sie
viele Impulse der Berufung: „Als da-
mals 20-Jährige habe ich diesen Beruf
als „meine Berufung“ empfunden, als
könnte ich genau das – und nur das –
machen. Parallel zur täglichen Arbeit
mit kranken Menschen hat sich mein
persönlicher geistlicher Weg immer
deutlicher abgezeichnet.“
Das Bild von Kirche,
dem Katharina
Fuchs in ihrer Arbeit immer wieder
begegnet, hat eine Konstante: Kirche
sei weltfremd und wisse zu wenig von
den Nöten der Menschen. Mit einem
Lächeln erzählt sie: „Diese Meinung
gilt es ernst zu nehmen; wenn ich mit
den Menschen ins Gespräch komme,
staunen viele über meine vorherige
Arbeit und darüber, dass ich als geist-
liche Schwester etwas vom Leben
weiß.“
Das von Gott geschenkte
Geheimnis leben
Dann hören ihr die Menschen gern zu,
wenn sie vom Entdecken der eigenen
Spur, von Begabungen und Interes-
sen erzählt. „Was hat Gott in mir
grundgelegt? Wenn wir diesem Ge-
heimnis auf die Spur kommen, erfah-
ren wir, wie wir unser Leben danach
ausrichten können. Genau bei diesen
gewichtigen, manchmal schmerz-
lichen Entscheidungen will ich Men-
schen begleiten.“
Foto: Christina Repolust
Buchtipp
BÜCHER VON MANFRED STELZIG:
Was die Seele glücklich macht
(2004), „Keine Angst vor dem
Glück“ (2008), Krank ohne
Befund (2013). Soeben im Verlag
Ecowin erschienen: Warum wir
vertrauen können.
Berufung
kontakt 79 | November 2017kontakt 79 | November 2017 98
TIPP
Pfarrgemeinderat
Der Raum des Gremiums
Pfarrgemeinderat
Die Mitglieder des Pfarrgemeinde-
rates von St. Electio haben zur Ein-
stimmung in den Tagesordnungs-
punkt „Was tut der Pfarrgemeinderat“
im Statut und der Geschäftsordnung
für den Pfarrgemeinderat gelesen. In
Artikel 15 steht: „Der Pfarrgemeinde-
rat ist jenes Gremium der Pfarre, das
den Pfarrer in der Leitung der Pfarre
mitverantwortlich unterstützt, für
deren Grundaufträge besondere Ver-
antwortung trägt und – im Rahmen
der diözesanen Gesetzgebung – in
den Fragen des pfarrlichen Lebens
zusammen mit dem Pfarrer entschei-
det …“.
Die Begriffe „Gemeinsame Mitver-
antwortung in der Leitung“ und
„gemeinsame Entscheidung“ lösten
Diskussionen aus und erzeugten
Wider stand. Einigen wurde dadurch
die Dimension ihrer Aufgabe be-
wusst. Das klingt nach mehr, als nur
die Arbeitsaufträge des Pfarrers aus-
zuführen. Auch der Pfarrer war irri-
tiert. Heißt das etwa, dass er nichts
alleine entscheiden darf und mit
allem das Gremium befassen muss?
Er ist doch der Leiter der Pfarre (Statut
8). Damit begann eine muntere Lei-
tungsdiskussion, die noch nicht ab-
geschlossen ist. Sie stellten fest, dass
ganz verschiedene Bilder von Leitung
im Raum waren. Daher werden sie je-
manden von der Gemeindeberatung
einladen, um zu den verschiedenen
Leitungsmodellen und Leitungsrol-
len zu arbeiten.
Die Frage dazu: Welche Anforderun-
gen müssen wir erfüllen, um den He-
rausforderungen einer Pfarre im 21.
Jahrhundert begegnen zu können?
Der Raum der Pfarre
St. Electio
Diese Herausforderungen lasen die
Mitglieder des Pfarrgemeinderates in
Artikel 16 des Statutes: „… Ausge-
hend von der Situation der Menschen
am Ort arbeitet der Pfarrgemeinderat
an der Entwicklung der Gemeinde als
Lebensraum des Evangeliums.“
Zuerst wollten die Pfarrgemeinde-
rätInnen einen gemeinsamen Blick
auf den Ort werfen. Also bestiegen sie
einen Hügel am Rande des Ortes. Sie
sahen die Einfamilienhäuser, die
Mehrparteienhäuser und die neue
Siedlung. Die Schulen, das Einkaufs-
zentrum und das Krankenhaus wa-
ren deutlich erkennbar. Diejenigen,
die seit Generationen hier leben,
stellten fest, dass es kaum noch freie
Flächen gibt. Die Jüngeren, die noch
Kinderwägen schieben, brachten als
weitere Beobachtung ein, dass die
freien Flächen kaum als Begegnungs-
räume genutzt werden. Einig waren
sie sich, dass die Kirche mit ihren
Räumlichkeiten rein geographisch
einen zentralen Platz einnimmt.
Als nächstes begaben sich die Pfarr-
gemeinderätInnen in die Perspektive
der FußgängerInnen. Sie gingen
durch ihren Ort, vorbei an den Schu-
len, Wohnhäusern und durch das
Einkaufszentrum. Viele kamen zum
ersten Mal in die neue Siedlung. Sie
betrachteten die Kirche und den
Pfarrhof.
Danach analysierten sie ihre Be-
obachtungen. Sie kamen zu der Er-
kenntnis, dass rein technisch für den
Lebensbedarf in ihrem Ort alles da
ist. Dass aber vieles, ihre Kirche und
der Pfarrhof inklusive, zu wenig Nähe
und Wärme ausstrahlt.
Für die kommenden Wochen nah-
men sie sich vor, mit den Menschen
ihres Ortes in Kontakt zu treten, da
sie viel zu wenig von deren Wün-
schen, Bedürfnissen und Lebensent-
würfen wissen.
Lebensraum des
Evangeliums
Klar geworden ist den Pfarrgemeinde-
rätInnen, dass sie nicht in die Falle
des Aktionismus tappen wollten und
ein Angebot nach dem anderen für
die Menschen ihres Ortes aus dem
Boden stampfen würden.
Sie beschlossen, sich miteinander
auf einen geistlichen Weg zu machen,
um den Lebensraum des Evangeliums
zu erschließen – jede und jeder für
sich und für alle gemeinsam. Viel-
leicht würden sie die Exerzitien im
Alltag „Von Jesu Botschaft berührt
Kirche gestalten“ machen. Und so
miteinander durch die Kraft des Ge-
betes Perspektiven für St. Electio ent-
wickeln, die sich im Dialog mit den
Menschen ihres Ortes dann praktisch
entfalten ließen. Leitend ist für sie
ein Satz aus der Pastoralkonstitution
„Die Kirche in der Welt von heute“
des 2. Vatikanums: „… Ist doch ihre
eigene Gemeinschaft (die Kirche) aus
Menschen gebildet, die, in Christus
geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer
Pilgerschaft zum Reich des Vaters ge-
leitet werden und eine Heilsbotschaft
empfangen haben, die allen auszu-
richten ist. Darum erfährt diese Ge-
meinschaft sich mit der Menschheit
und ihrer Geschichte wirklich engs-
tens verbunden.“
Klaudia Achleitner
Beten öffnet
den Raum
Neues aus St. Electio: Der Pfarrgemeinderat begibt
sich auf Entdeckungsreise in die realen, spirituellen
und konzeptionellen Räume auf dem Gebiet der
Pfarre. Was macht der Raum mit den Menschen und
was machen die Menschen mit dem Raum? Diese
Frage wird sie in der nächsten Zeit bewegen.
Der Heilswille Gottes umfasst alle
(vgl. Lumen Gentium 16). Zu Weih-
nachten feiern wir die Menschwer-
dung Gottes. Gehen Sie diesen Weg
gemeinsam mit den Menschen in
Ihrem Ort. Schaffen Sie z. B. im
Rahmen der Rorategottesdienste
Begegnungsräume mit den Men-
schen in der Pfarre. Laden Sie die
Firmen und Betriebe in Ihrem Ort
persönlich ein. Vielleicht spendiert
die Leitung der Betriebe die Ar-
beitszeit. Sie können auf jeden Fall
das anschließende Frühstück be-
reitstellen. Gemeinsames Feiern
und gute Gespräche eröffnen neue
Perspektiven.
Foto: fotolia, ra2 studio
kontakt 79 | November 201710
Wir restaurieren nicht
für die Vergangenheit
MMMAG. DR. ROLAND KERSCH-
BAUM SETZT IN SEINER ARBEIT AUF
DIALOG UND TEAMARBEIT.
ie verbinden sich Ihre beiden Aufga-
benfelder – Pfarrer von Elsbethen
und Diözesankonservator – geraten
Sie dabei manchmal in einen Zwie
-
spalt?
KERSCHBAUM:
Ich brauche sicher ein
gutes Zeitmanagement, manchmal
fordert der eine Bereich mehr, manch-
mal der andere. Zwiespalt habe ich
bisher keinen gesehen: Kirche hat viel
mit Kunst und Geschichte zu tun, da
verbinden sich beide Bereiche.
Sie haben Fachtheologie, selbstständige
Religionspädagogik, Geschichte und Kunst-
geschichte studiert. Wann wussten
Sie: Das
ist mein Weg?
KERSCHBAUM:
Ich habe mich wirklich
schon als Kind für Geschichte interes
-
siert, da war ich meiner Oma sehr ähn-
lich. Mit etwa 13, 14 Jahren habe ich
meine Eltern überzeugt, zu diversen
Ausstellungen zu fahren. Es ist gar keine
Frage, dass diese frühe Förderung mei
-
ne Interessen natürlich bestärkt hat.
Als Diözesankonservator arbeiten Sie eng
mit dem Bauamt der Erzdiözese Salzburg
sowie mit dem Bundesdenkmalamt zu
-
sammen: Sind hier Visionen erlaubt, ge-
wünscht und möglich?
KERSCHBAUM:
Man wird, wenn man
um die Wurzeln weiß, in der Gegen-
wart gelassener. Das gilt für Men-
schen und für Gebäude. Man kann
auch im Bereich der Gebäude sicher
sagen, dass Herkunft, Geschichte
auch Zukunft ist. Unsere Arbeit ist
stets ein Prozess, Entscheidungen
werden nach reiflichen Überle-
gungen gemeinsam getroffen: Ich al-
leine entscheide nicht. Vielleicht
passt hier das Bild eines Räderwerkes
gut zu Ihrer Frage.
Wie können wir uns solche Diskussionen
vorstellen, haben Sie vielleicht ein Beispiel
dazu?
KERSCHBAUM:
Nehmen wir einen Al-
tar, an dem man erkennt, dass die Al-
tarfassungen übertüncht sind. Dann
klärt man, wie aufwendig eine Freile-
gung der ursprünglichen Farbgebung
ist, auch in der Abwägung der Kosten
zum Ergebnis. Einerseits berücksich-
tigen wir als Team die technischen
Belange, andererseits achten wir da-
rauf, das Gesamtkonzept nie aus den
Augen zu verlieren. Es ist ein Ab-
gen, ein Recherchieren und schließ-
lich dann auch das Entscheiden.
Das klingt recht zeitintensiv.
KERSCHBAUM:
Ist es auch, es geht da-
rum, Sakral- und Kirchenräume zu
be greifen, zu erkennen, wie sie einst
gedacht und angelegt wurden. Wir
überlegen, wie diese Grundidee in die
heutige Zeit übersetzt werden kann.
Wie der Mensch ist jedes Bauwerk ein
eigenes Lebewesen, dem man ge-
recht werden will. Es geht darum, wie
die Menschen einst und jetzt Liturgie
feierten bzw. feiern, wir restaurieren
nie für die Vergangenheit.
Entwerfen Sie maßgeschneiderte Restau-
rierungen, wenn sich das die Pfarrgemein-
de bzw. der Pfarrer wünschen?
KERSCHBAUM:
Nein, wir wollen Kir-
chen nicht „maßschneidern“. Litur-
gie ist nicht statisch, die Form, wie
Menschen damals und heute feiern,
hat sich verändert. Wir hören die
Wünsche, achten dabei auf das Be-
stehende und wägen die Möglich-
keiten der Veränderung ab.
Interview: Christina Repolust
„Kirche hat viel mit Kunst
und Geschichte zu tun!“,
hält Dr. Roland Kersch-
baum, Diözesankonser-
vator der Erzdiözese
Salzburg, fest. Der Dom-
kapitular ist Pfarrer in
Elsbethen und weiß aus
seiner Erfahrung als
Seelsorger um die Bedeu-
tung des Dialogs zwischen
Bewahren und Erneuern.
Kunst & Kirche
WENN DER 33-JÄHRIGE MICHAEL FEUERER
IM BILDUNGSZENTRUM BORROMÄUM
UM DIE ECKE BIEGT,
dann mit Tempo
und Schwung. „Ja, mir macht es Freu-
de, hier für Ordnung zu sorgen. Be-
sonders gern arbeite ich im Freien,
wir pflegen ja auch den Garten bzw.
die Außenanlagen im Borromäum.“
Seit gut 14 Jahren arbeitet er mit
Schwung und Elan im Rahmen des
Projekts „ Integrative Arbeitsbeglei-
tung, IAB“ der Lebenshilfe. „Ich habe
nicht nur beim Arbeiten so richtig
Tempo drauf, ich bin auch als Sport-
ler erfolgreich!“, lacht Michael Feuerer
und räumt seine Schatzkiste mit all
seinen Medaillen aus. „Hier, das ist
die Silbermedaille, die habe ich 2017
in Graz bei den World-Winter-Special
-Olympics-Games geholt, zweiter
Platz, den haben alle hier im Borro-
mäum mit mir gefeiert. Und mein
Foto mit der Medaille haben sie direkt
beim Eingang aufgehängt, darüber
habe ich mich besonders ge freut.Ja,
er sei allgemein sport begeistert. „Also
ich schau auch Fußball, Schifahren
und Autorennen im Fernsehen, Mu-
siksendungen mag ich übrigens auch
sehr gern.“
Ich lass kein Training aus
Und welche Sportarten liegen ihm
besonders? „Na ja, ich trainiere ein-
mal in der Woche Floorhockey, ein-
mal Laufen und einmal Basketball.
Ich laufe auch regelmäßig, mein
Lauftraining ist immer am Dienstag,
das lass ich nie aus! Ich will ja auch
weiterhin gewinnen.“ Michael Feuerer
ist ein Teamplayer im Sport sowie in
der Arbeit. Mit seinen Kolleginnen
und Kollegen hier im Borro mäum zu
feiern, sich vor der Arbeit abzuspre-
chen und auszutauschen, ist ihm
wichtig: „Man muss miteinander re-
den, die Leute hier im Haus sind
freundlich und nett. Sie gratulieren
mir immer, wenn ich wieder bei
einem Bewerb gewonnen habe.“ Vor-
bilder habe er so einige, Alexandra
Meißnitzer ist eines davon: „Sie ist
ehrgeizig und wahnsinnig gut; sie
kann auch verlieren. Man braucht
einfach einen Plan, ich weiß gern, wie
mein Tag ausschaut, wann ich was zu
tun habe. Mit dem gesunden Essen
habe ich es nicht so, mir muss mein
Essen schmecken. So, das ist jetzt der
Feuerarlarm, ich pack meine Medail-
len wieder zusammen und dann
müssen wir rennen. Alles klar?“
Ich liebe
Tempo
und
Ordnung
Ich arbeite gern hier im Borromäum. Foto: Christina Repolust
MICHAEL FEUERER
Erfolgreicher Sportler und engagierter Mitarbeiter
MENSCHENBILDER
11kontakt 79 | November 2017
Einen geregelten Arbeitsalltag und Erfolg im Sport:
Davon erzählt Michael Feuerer mit Begeisterung.
Seit 2006 ist er erfolgreich bei World Games in der
Disziplin Floor Hockey dabei: Sein Medaillenschatz
wächst stetig. Anerkennung im Arbeitsalltag – zu
sehen, was er leistet – sowie in der Freizeit stärken
den 33-Jährigen, seine Freundlichkeit ist weit übers
Borromäum hinaus bekannt.
W
Foto: Christina Repolust
Mut auf
Leben
Galerie
Foto: Corinne Rusch
kontakt 79 | November 201714 15kontakt 79 | November 2017
Love is in the air
Schon wieder ein Motto auf Englisch?
Wer die Zielgruppe kennt, weiß, dass
dieser Slogan genau so passt: Hier will
man Paare im Alter zwischen 18 und
30 Jahren ansprechen, die in ihren
Beziehungen viele Werte der Ehe ja
bereits leben. Die Katholische Jugend,
Region Pinzgau, hat dieses Projekt
mit dem klärenden Untertitel „Gottes-
dienst für Pärchen und Verliebte“
beim Zukunftsprozess 2018 einge-
reicht und sich damit an alle Pfarren
des Pinzgaus gewandt. Das Projekt-
ziel ist klar: Lebenswelt und Lebens-
realität nicht verheirateter Paare sei-
tens der Kirche annehmen und
wertschätzen und ihnen gleichzeitig
Entfaltungsraum anbieten.
„Zwölf Paare haben unsere Einladung
angenommen und ja, wir sind weiter-
hin mit ihnen in Kontakt“, freut sich
Florian Huber, Jugendleiter im Pinz-
Gebetsbrocken –
draußen innehalten
Die Katholische Männerbewegung
(KMB) der Erzdiözese Salzburg hat
mit mehreren Kooperationspartnern
ein Projekt eingereicht, das stark
nach „draußen“ geht. „In jedem Vor-
beigehenden ist ein Gebet grundge-
legt, das auf engste mit seiner Biogra-
fie verbunden ist“, erläutert Andreas
Oshowski, Diözesanreferent der
KMB, die Projektidee. Daher gilt es,
PassantInnen anzusprechen; dies
übernehmen an öffentlichen Orten
so genannte GastgeberInnen, die
dazu einladen, das persönliche Ge-
bet aufzuschreiben. Da lässt sich Herr
X. gern einladen, jenes Gebet, das ihn
seit Kindertagen begleitet, aufzu-
schreiben, während Frau Y. eher zö-
gerlich ihr sehr persönliches Dankge-
bet mitteilt. Das Projekt hat das Ziel,
200 Gebete zu sammeln. „Derzeit ha-
gau“. So haben die InitiatorInnen ge-
meinsam mit den zwölf Paaren Got-
tesdienst in der Filialkirche Aufhausen
zum heiligen Leonhard in Piesendorf
gefeiert. Damit folgt das Projekt der
Aufforderung von Papst Franziskus:
„Einer pastoralen Zugehensweise
entsprechend ist es Aufgabe der Kir-
che, jenen, die … einfach so zusam-
menleben, die göttliche Pädagogik
der Gnade in ihrem Leben offen zu
legen …“ Florian Huber blickt mit
diesem Projekt mit Freude in die Zu-
kunft: „Wir bleiben dran und haben
auch schon neue Ideen zur Weiterent-
wicklung.“
Mehr als Kaffee
Hinter dem Projekttitel „Kulturkaffee“
steht die „Initiative Miteinander in
Eugendorf“, die sich für Unterstüt-
zung, Begleitung und Integration der
Flüchtlinge in Eugendorf einsetzt.
„Wir wollen uns mit unseren Asylwer-
ben wir ein gutes Drittel davon, wir
haben unzählige Gespräche übers
Beten geführt, sind mit den Men-
schen intensiv ins Reden gekommen:
Ab Ostern 2018 beginnt die Auswer-
tung der Sammlung nach Themen“,
zieht Andreas Oshowski Zwischen-
bilanz.
bern und bereits Asylberechtigten
austauschen, um sie besser verstehen
zu können.“ Daher sucht man immer
wieder Engagierte, die Kontakt mit
einzelnen Flüchtlingen suchen, stabil
halten und den Gesprächsfaden nicht
abreißen lassen. Es ist der persönliche
Austausch, also der Kontakt mit je-
dem einzelnen, der am effektivsten
hilft: Im Einzelgespräch baut man
Sprachbarrieren leicht ab, vertraut ei-
nander Sorgen an und spricht von sei-
nen Hoffnungen. Nun geht es darum,
viele Leute zum Mitmachen zu moti-
vieren, es einfach zu versuchen. Nach
jedem dritten Sonntagsgottesdienst
im Monat bieten die Eugendorfer im
Pfarrtreff allen Interessierten Gele-
genheit, bei Kaffee und Kuchen mit
den Asylwerbern zu plaudern, sie nä-
her kennen zu lernen und sich von
ihren Deutschkenntnissen überra-
schen zu lassen. Begegnung baut Vor-
urteile ab, stärkt Beziehungen und
bringt Menschen zusammen.
Zeit für einen
Neuanfang
Wer Projekte beim Zukunftsprozess 2018 der Erzdiözese Salzburg
einreicht, will etwas verändern, etwas für die Gemeinschaft tun: Hier
finden Sie drei Einreichungen, die für die Vielfalt der Ideen stehen und
zeigen, dass das Gute häufig sehr nah liegt. Was fehlt in Ihrer Region,
in Ihrer Pfarre, was stört Sie schon lange, was wollen/können Sie
verändern? Suchen Sie Partnereinrichtungen und reichen Sie ein.
Noch ist Zeit dazu.
Zukunftsprozess 2018
WIR UNTERSTÜTZEN
SIE GERN
Christoph Artner-Sulzer
über Projekte des Zukunfts-
prozesses 2018
SIE SIND NEU IM TEAM, HABEN
SIE SICH SCHON EINGEARBEITET?
Ich war ja immer seitens der
Katholischen Jugend mit dem
Zukunftsprozess vertraut, wir
haben ja auch Zukunftspro-
jekte eingereicht, daher ist der
Arbeitsbereich nicht neu. Man
könnte sagen, ich habe die
Seite gewechselt. Darin sehe
ich auch die Chance, Pro-
jekteinreichende gut beraten
zu können: Es gibt so viele
gute Ideen, die man verwirkli-
chen sollte.
NEBEN DEN ZUKUNFTSPROJEKTEN
GIBT ES AUCH DIE THEMENTÖPFE?
WAS IST DA DER UNTERSCHIED?
Die sieben Thementöpfe bein-
halten die wichtigsten Schwer-
punkte für die kirchlichen An-
gebote der Zukunft. Sie reichen
von der Willkommenskultur
über die „Junge Kirche“ bis hin
zu durchdachten Beteiligungs-
möglichkeiten. Wer sich für
diese zukunftsrelevanten The-
men interessiert, findet hier
Modellprojekte.
WAS WÜNSCHEN SIE SICH BIS
ZUM ZUKUNFTSFEST ZU RUPERTI
2018?
Viele Beteiligte, viele innova-
tive Projekte und Menschen,
die sich darüber freuen, dass
ihre Ideen aufgegangen sind,
dass es uns allen möglich war
„mehr Liebe in die Welt zu
bringen“.
Christoph Artner-Sulzer ist
Projektkoordinator beim
Zukunftsprozess 2018.
Telefon: 0676/87467542
Möchten Sie ein Projekt
einreichen? Alle Infos unter
www.zukunftsprozess.at
Foto: fotolia/Leonid Nyshko
kontakt 79 | November 2017 kontakt 79 | November 201716 17
Freiwillige Deutschpatin
SILVIA KÖNIG, BA MA
DEUTSCHPATIN BIN ICH MEHR ODER WENIGER DURCH ZUFALL GEWORDEN: Eine Freundin
erzählte mir von ihren talentierten TeilnehmerInnen, die dringend Nachhilfe in
Deutsch benötigten. Ich sagte sofort „Ja“, schließlich hatten die Menschen schon viel
auf sich nehmen müssen, um es bis nach Österreich, konkret ins Camp in Thalgau, zu
schaffen. DeutschpatInnen arbeiten immer mit drei TeilnehmerInnen, ich hatte in
diesem intimen Rahmen die Möglichkeit, individuell zu fördern, Deutsch für den
Alltag zu lehren – es war ein schönes Miteinander, geprägt von Ehrlichkeit unterei-
nander und Dankbarkeit mir gegenüber. Mit ihren Deutschkenntnissen wuchsen ihre
Möglichkeiten, egal, ob es um einen Job oder ein Gespräch mit Einheimischen ging.
Ich will in Österreich bleiben
24-JÄHRIGER JURIST, GEFLÜCHTET AUS SYRIEN
MEIN NAME TUT NICHTS ZUR SACHE, mir geht es wie vielen, die flüchten mussten: Neun
Monate habe ich auf meinen Asylbescheid gewartet, in dieser Zeit durfte ich nicht
arbeiten. Zum Glück fand ich Freunde hier in Salzburg, die mit mir Deutsch gelernt
haben, zuerst wollten aber alle mit mir nur Englisch reden.
Ich bin Kurde, komme aus Aleppo und habe dort Jura studiert, das nützt mir hier in
Österreich aber nichts. Ich fange hier von vorne an, habe den B2-Kurs absolviert und
lerne jetzt für die Prüfung. Dann hole ich die Matura nach und studiere noch einmal
Jura. Da ich Vollzeit bei einer Kleiderkette als Dekorateur arbeite, muss ich meine Zeit
gut einteilen, ich lerne immer vor und nach der Arbeit.
Der lange Weg durch die Bürokratie
DR. HANS NEUMAYER
ICH WAR NOCH NIE ARBEITSLOS und kannte das Sozialamt nur von außen. Doch die
Unterstützung eines mittlerweile anerkannten Flüchtlings bot neue Erfahrungen:
n Wohnungssuche, Termine bei AMS und Sozialamt. n Unverschämte Zimmerpreise.
n Sozialamt und AMS reden nicht miteinander. n Entgegenkommende Sozialamts-
mitarbeiterin, freundlicher Herr, der eine leerstehende kirchliche Wohnung ver-
schafft, kompetenter AMS-Betreuer.
Fazit:
Viele kompetente Sachbearbeiter, aber eine strukturell unfähige Bürokratie.
Menschlich zu bleiben gegenüber dem Unterstützten und gegenüber den im Korsett
gefangenen BearbeiterInnen überfordert mich.
Mensch sein
Mitten unter uns
Flüchtlinge kamen nach Österreich: Unzählige Privatpersonen nahmen
sich ihrer an, vermittelten Wohnungen, besorgten Möbel und Kleidung.
Aus manchen Bekanntschaften wurden Freundschaften, manches gelang,
einiges hätte besser gehen können. Es ist eine Herausforderung, in Krisen
menschlich zu bleiben.
Foto: Christina Repolust
Foto: Christina Repolust
Foto: Bernhard Müller
Der Horizont hat sich
für mich erweitert
Josef Hofer schätzt im Pastoralrat den
Austausch auf gleicher Ebene. Manches
könnte auch schneller umgesetzt werden.
JOSEF HOFER,
PGR-OBMANN FIEBERBRUNN
Josef Hofer, nicht nur im Pastoralrat, sondern auch bei jedem
Fest in der Pfarre in guter Laune.
Fotos: privat
S
antwortlichen wahrnehmen, ich
konnte von außen in das Innen einer
Pfarre blicken, auch aus dem be-
engten Kreis hinausblicken.“
Zufrieden zieht er Bilanz: „Ich habe
Standpunkte aus der Sicht der Pfarr-
ge meinderätInnen vertreten, aber
auch neue Herangehensweisen ken-
nengelernt, die ich zuhause umsetzen
konnte. Themen des Pastoralrates
wie der Wert der Wort-Gottes-Feier
oder die Leitung einer Pfarre durch
Laien konnte ich auch in der eigenen
Pfarre ansprechen.“
2014 waren PfarrgemeinderätInnen
zu einem Kongress in Mariazell ein-
geladen. Da ist Josef Hofer noch im-
mer von einem Ereignis berührt: „Der
Kardinal hat neben mir am Boden
knieend gebetet.“ Spirituelle Erfah-
rungen im Zusammenhang mit der
Vertretung gehören für ihn dazu.
Die Güte und Menschenfreundlich-
keit Gottes sollen in der Erzdiözese
Salzburg wirksam werden. Da sind
die in der letzten Sitzung des Pasto-
ralrates beschlossenen Grundsätze
hilfreich: jesuanisch handeln, der
Barmherzigkeit den Vorrang geben,
niemanden ausschließen, pastoral
klug handeln und pastorale Entschei-
Pastoralrat
eit zehn Jahren bringt Josef
Hofer als Vertreter des Deka-
nats St. Johann in Tirol die
Sichtweisen der Pfarrgemein-
derätInnen im Pastoralrat ein. Er war
auch bereit, im Vorstand die vier Zu-
sammenkünfte im Jahr vorzuberei-
ten. So wie er auch seiner Firma
schon lange treu ist, ist er dies auch
als Pfarrgemeinderat und Pastoralrat.
Die Motivation ist so hoch, dass er
die dritte Chance zu kandidieren,
wieder nützte.
So berichtet er: „Der Horizont hat
sich für mich erweitert, ich konnte
Pfarre aus der Sicht von Diözesanver-
Daten & Fakten
36 Frauen und Männer, Haupt-
amtliche und Ehrenamtliche, Ver-
treterInnen aus der Katholischen
Aktion, Caritas und Pfarre beraten
mit dem Erzbischof vier Mal im
Jahr zu Fragen der Seelsorge im
Bewusstsein, dass es um den Men-
schen und sein Heil geht. Vertrete-
rInnen aller relevanten Gruppie-
rungen in der Erzdiözese sollen
einen gemeinsamen Weg finden.
Es ist Ziel des Pastoralrates, ge-
meinsame Anliegen der Diözese
zu überdenken, die Anliegen der
Pfarren wahrzunehmen, Initiati-
ven verschiedener Gruppierungen
zu fördern, zu gesellschaftspoli-
tischen Fragen Stellung zu neh-
men und die Umsetzung grundle-
gender Beschlüsse zu begleiten.
dungen begründen und verantwor-
ten.
Josef Hofer freut sich darüber, dass in
einer Gesprächsbasis auf gleicher
Ebene mit den Verantwortlichen pas-
torale Grundsätze und Richtlinien
erarbeitet werden.
Sebastian Schneider
kontakt 79 | November 2017 19kontakt 79 | November 201718
PASTORAL MIT MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN
Barrierefreie TextGestaltung
Leicht verständlich schreiben und sprechen
Menschen mit Behinderungen, Lernschwierigkeiten,
Menschen, die nicht gut lesen können, Menschen mit
nichtdeutscher Muttersprache: Die Zielgruppe für leicht
verständliche Texte ist größer als oft angenommen.
In diesem Seminar geht es um die Gestaltung von leicht
verständlichen Texten.
Referent: Mag. Georg Wimmer, Gründer der „Leichte
Sprache Textagentur“, Lehrbeauftragter an der Uni-
versität Salzburg
Mittwoch, 31. Jänner 2018 • 13.30 – 17.00 Uhr
Veranstaltungsort: St. Virgil Salzburg
Anmeldung und Information: 0662-65901-514 oder
anmeldung@virgil.at
Info: Maximal 18 TeilnehmerInnen
Kosten: 15 Euro
Veranstaltungen
LITURGIE
Die vielen Gruppen und der
eine Gottesdienst
Liturgieseminar
Dieses Liturgieseminar will Mut machen, sich den
praktischen Fragen (Möglichkeiten der Gestaltung, die
passende Uhrzeit, ...) zu widmen und einen Blick auf
die Menschen, die nicht zu unseren Gottesdiensten
kommen, und ihre Beweggründe zu werfen.
Referenten: Dr. Christoph Freilinger,
Mag. Gerald Gump
Freitag, 16. – Samstag, 17. März 2018 •
17.00–21.00 Uhr und 9.00–12.30 Uhr
Veranstaltungsort: St. Virgil Salzburg
Anmeldung bis 20. Februar 2018 unter 0662/8047-2300
oder liturgie@seelsorge.kirchen.net
REFERAT FÜR SPIRITUALITÄT UND EXERZITIEN
Befreit zur Liebe
Auferstehen ins Leben
Gemeinsam wollen wir spielerisch Schritte setzen, die
uns für Momente befreit aufatmen und kraftvoll leben
lassen, die uns zu unserer Quelle führen. Wir tun dies
anhand biblischer Texte, über kreative Methoden, mit
bibliodramatischen Elementen, in Stille, durch heilsames
Singen und Austausch.
Referentin: Mag.
a
Angelika Gassner, Bibliodramaleiterin,
Autorin, Geistliche Begleiterin
Freitag, 8. Dezember bis Samstag, 9. Dezember 2017 •
Freitag, 10.00 Uhr bis Samstag, 16.00 Uhr
Veranstaltungsort: St. Virgil Salzburg
Anmeldung bis 22. November 2017 unter 0662-8047-2375
oder angelika.gassner@seelsorge.kirchen.net
Mit einem Engel an meiner Seite
Exerzitien im Alltag mit dem Buch Tobit
An diesen sechs Abenden machen wir uns auf eine
abenteuerliche Reise gemeinsam mit Tobias und dem
Erzengel Raphael, die für uns selbst zur wegweisenden
Lebens-Geschichte wird. Die berührenden Themen
werden an den Abenden offen zur Sprache und ins
Gebet gebracht.
Referentin: Mag.
a
Angelika Gassner, Autorin, Geistliche
Begleiterin
Dienstags, 20. Feb. / 27. Feb. / 6. März / 13. März /
20. März / 3. April 2018 • jeweils 19.00 – 21.00 Uhr
Veranstaltungsort: Borromäum Salzburg, Gaisbergstr. 7
Anmeldung bis 2. Februar 2018 unter Tel: 0662-8047-2375
oder angelika.gassner@seelsorge.kirchen.net
Gottes kostbares Geschenk
Weltgebetstag der Frauen
Frauen aus Surinam laden uns ein, die Gaben zu feiern,
die das Land Surinam repräsentieren: die kulturelle und
ethnische Vielfalt seiner Bevölkerung und die Natur, die
Gott in unsere Hände gelegt hat.
Referentin: Mag.
a
Angelika Gassner und Team
Freitag, 2. März 2018 • 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Borromäum Salzburg, Gaisbergstr. 7
Das Leben feiern
Frauenliturgie
Veranstaltungsort: Kapelle, St. Virgil Salzburg
Donnerstag, 9. November und
Freitag, 7. Dezember 2017 • 18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Kapelle, St. Virgil Salzburg
Eine Kooperation mit u.a. St. Virgil Salzburg, Liturgie-
referat, kfb Salzburg
Veranstaltungen Service
Es gibt so Tage, da würde ich gerne mit
jemandem reden!
Vertraulich – Kostenlos – Rund um die Uhr
NOTRUF 142
www.ts142.at
NOTRUF 142 · www.telefonseelsorge.at
vertraulich · kostenlos · rund um die Uhr
TELEFONSEELSORGE
Beratung, Begleitung
und Hilfe.
Anonym, kostenlos,
rund um die Uhr.
0800 - 300 370
www.schwangerwastun.at
SCHWANGER UND IN NOT
Reden über den Glauben? Auf der
Suche nach spirituellen Angeboten?
0662 - 8047 2087
Franziskanergasse 3, Salzburg
www.infopoint-kirchen.at
INFOPOINT KIRCHEN
Wir sehen es als unsere Aufgabe, für
Jugendliche und ihre Interessen Partei
zu ergreifen, weil wir wollen, dass ihr
Leben gelingt.
0662 - 8047 7540
www.kj-salzburg.at
KATHOLISCHE JUGEND
• Heilsame Orte (Veranstaltungen)
• Geistliche Begleitung
• Exerzitien im Alltag
• Begleitung von Einzelnen und Gruppen
0662 - 8047 2375
www.kirchen.net/spiritualitaet
Referat für
Spiritualität
& Exerzitien
SPIRITUALITÄT UND EXERZITIEN
Psychologische Beratung
Information bei sozialen
und juristischen Fragen
• Geförderte Familien-Mediation
0662 - 8047 6700
www.kirchen.net/beratung
PARTNER- UND FAMILIENBERATUNG
Rat für junge Leute. Kostenlos vom
Festnetz und vom Handy.
Täglich 13:00 bis 21:00 Uhr
0800 - 234 123
www.kids-line.at
KIDS-LINE
OFFENER
infopoint-kirchen.at
HIMMEL
OFFENER
HIMMEL
infopoint-kirchen.at
OFFENER
HIMMEL
infopoint-kirchen.at
E
i
n
e
E
i
n
r
i
c
h
t
u
n
g
d
e
r
c
h
r
i
s
t
l
i
c
h
e
n
K
i
r
c
h
e
n
OFFENER
infopoint-kirchen.at
HIMMEL
OFFENER
HIMMEL
infopoint-kirchen.at
OFFENER
HIMMEL
infopoint-kirchen.at
E
i
n
e
E
i
n
r
i
c
h
t
u
n
g
d
e
r
c
h
r
i
s
t
l
i
c
h
e
n
K
i
r
c
h
e
n
Salzburg, Zell am See,
St. Johann i. P., Tamsweg,
St. Michael, Wörgl
IS EH OFT STARK GWEN
Angela Reisinger lebt in einem vom Land Oberösterreich geführten Alten- und Pflegeheim
in Kleinzell im Mühlkreis. Kerstin Breitenfellner hat die 90-Jährige porträtiert, mit ihr über Familie,
Arbeit und Alltag von früher und heute geredet.
Galerie
Foto: Robert Fleischanderl
kontakt 79 | November 2017 21
Best Practice
Stille-Nacht-Kerze und Begleitheft
Stille – blau; Liebe – rot; Friede – grün;
Geburt – orange; ich bin da – gelb
(siehe Foto Kerze)
n Vorschläge für Wortgottesdienste
n Kindheitsgeschichte nach Lukas im
Vergleich mit dem Stille-Nacht-Lied:
Mensch werdung – Messias – Frie-
densbringer
n Das Stille-Nacht-Lied aus der Sicht
der Weltreligionen
n Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber
aus der Sicht eines Theaterregisseurs
TERMINE 2018
Am 9. November 2018, 14.00 – 17.30 Uhr
wird in Kooperation mit der Katholisch
Theologischen Fakultät Salzburg ein
Symposium mit dem Titel
Theologie
des Liedes Stille Nacht“
im Bischofs-
haus, Kapitelplatz 2, abgehalten.
Friedensbotschaft im Mittelpunkt
Laut Beschluss des Landtages soll vor
allem die Friedensbotschaft im Mittel-
punkt der Jubiläumsfeiern stehen. In ei-
ner religionsverbindenden Feier für den
Frieden aller Religionsgemeinschaften
in Salzburg am 17. November 2018, 16.30
Uhr auf dem Stille-Nacht-Platz in Obern-
dorf soll dies besonders zum Ausdruck
kommen.
DAS LIED „STILLE NACHT, HEILIGE NACHT“ FEI-
ERT 2018 SEINEN 200-JÄHRIGEN GEBURTSTAG.
GRUND GENUG, SICH INTENSIV MIT SEINEM
THEO LOGISCHEN UND SPIRITUELLEN INHALT
SOWIE SEINER ENTSTEHUNGS- UND REZEPTI
-
ONSGESCHICHTE AUSEINANDERZUSETZEN.
Die Erzdiözese Salzburg setzt in Koope-
ration mit dem Land Salzburg mehrere
Initiativen, um die Botschaft des Liedes
weiterzutragen.
Ausgehend von den Stille-Nacht-Ge-
meinden: Oberndorf-Laufen, Arnsdorf,
Hallein, Hintersee, Mariapfarr, Wagrain
und Salzburg wird in allen Regionen der
Erzdiözese eine Kerze zum Stille-Nacht-
Jubiläumsjahr ab 1. Jänner 2018 durch
die Pfarren „wandern“. Im Begleitheft
dazu skizzieren ExpertInnen aus unter-
schiedlicher Sicht bedeutende Aspekte
des Liedes. Jede Pfarre der Erzdiözese er-
hält Mitte November zwei Hefte. Bei den
PGR-Obleute Treffen wird der Umgang
und die Weitergabe der Kerzen bespro-
chen. Darüber hinaus können Hefte zum
Selbstkostenpreis von 3 Euro bei Frau
Paula Hoh im Seelsorgeamt der Erzdiö-
zese Salzburg bestellt werden. E-Mail:
paula.hoh@seelsorge.kirchen.net
INHALTE DES BEGLEITHEFTES:
n Die Symbolbegriffe der Kerze bzw. des
Liedes mit deren jeweiligen Farben:
1. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft; einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
2. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da schlägt uns die rettende Stund’.
Jesus in deiner Geburt!
Jesus in deiner Geburt!
3. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höhn
Uns der Gnaden Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt,
Jesum in Menschengestalt
4. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt,
Jesus die Völker der Welt.
5. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreit,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß,
Aller Welt Schonung verhieß.
6. Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Alleluja,
Tönt es laut bei Ferne und Nah:
Jesus der Retter ist da!
Jesus der Retter ist da!
Stille Nacht
Impuls
kontakt 79 | November 201720
F
o
t
o
:
S
t
e
p
h
a
n
i
e
H
o
f
s
c
h
l
a
e
g
e
r
_
p
i
x
e
l
i
o
.
d
e
WIR HABEN IN THALGAU BEGONNEN,
die Gottes-
dienstbesucher an der Kirchentür zu begrüßen.
Erst nur an einzelnen Wochenenden, dann mehr
und nun nach den Sommerferien wieder jedes
Wochenende. Es hat sich ein Begrüßungsteam
ge bildet, das ein freundliches Willkommen bieten
will: mit einem Kärtchen in der Hand, das Thema
des Evangeliums und der Lesung – zum mit nach
Hause nehmen.
Es ist eine schöne Sache, viele Menschen freuen sich über
ein gutes Wort und kommen uns lächelnd entgegen.
Christine Maiburger, Pfarrgemeinderatsobfrau Thalgau
Ein Willkommensgruß
an der Kirchentür
1816
verfasste Joseph Mohr in Mariapfarr im Lungau den Text von „Stille Nacht!“ in Form eines
Gedichtes. Zwei Jahre später komponierte Franz Xaver Gruber vor Weihnachten die zugehörige
Melodie im Schulhaus von Arnsdorf (Gemeinde Lamprechtshausen). Am Weihnachtsabend 1818
sangen Franz Xaver Gruber (Bass) und Joseph Mohr (Tenor, Begleitung auf der Gitarre) in der
St. Nikolaus Kirche bei Oberndorf „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zum ersten Mal.
Der Liedtext ist entnommen dem Autograph VII (Hallein, um 1860). Mehr zur Geschichte von
„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ auf der Website der Stille Nacht Gesellschaft: www.stillenacht.at
Werkzeugkasten
kontakt 79 | November 201722 23kontakt 79 | November 2017
Für den Schaukasten
Brauchtum in der Vorweihnachtszeit
Das Wichtigste zuerst: Nein, ein
Porträt kann man nicht vom
Schreib tisch aus schreiben. Also
weg mit dem Telefonhörer und
hinaus aus dem Büro, hinein in
das echte Leben.
Die Suche nach dem
Besonderen
Der Mensch, über den das Porträt
entstehen soll, hat eine besonde-
re Eigenschaft oder macht etwas
Außergewöhnliches – deshalb
wird sie oder er auch ins Zentrum
gerückt. Dafür müssen Autoren
jedoch Zeit mit ihren „Hauptdar-
stellern“ verbringen. Sie beglei-
ten, beobachten, mit ihnen spre-
chen. Nachfragen. Noch genauer
hinschauen. Bei dieser Textgat-
tung ist nicht so wichtig, was die
Person macht – sondern viel mehr,
wie sie es tut.
Ein Beispiel: Die Aufgabe für den
nächsten Pfarrbrief lautet „Schrei-
ben Sie über Ihre Pfarrgemeinde-
ratsobfrau“. Dann ist es gut, wenn
die Schreiberin, der Schreiber zu-
mindest zu einer PGR-Sitzung
mit kommt. Sich etwa ansieht, wie
die Obfrau ihr Team führt. Lässt
sie alle zu Wort kommen, akzep-
tiert sie andere Meinungen, ist sie
durchsetzungsfähig oder lässt sie
sich von jedem sagen, was zu tun
ist? Oder man geht gemeinsam
mit ihr zum Pfarrflohmarkt. Kennt
die Obfrau jeden, ist sie leutselig
oder muss sie sich zwingen, Kon-
takt zu den möglichen Käufern zu
suchen? Wie steht es mit dem Au-
genkontakt? Wem gibt sie kleine
Rabatte? Und wie geht sie mit
dem Pfarrer um, steht die Ge-
meinde auch in Sachen Liturgie
ohnehin recht gut auf eigenen
Beinen oder braucht es für viele
Griffe den Priester selbst?
Der erste Satz muss sitzen
Sind die Recherchen, die auch
einmal ein paar Tage dauern kön-
nen, abgeschlossen, gilt wie bei
jedem journalistischen Text auch
diesmal: Der erste Satz muss sit-
zen. Die Beschreibung der Person
soll gleich ganz vorne im Artikel
kommen und aufschlussreich
und spannend sein. Wie schaut
sie, wie spricht sie, wie benimmt
sie sich, wie sind Gestik und Mi-
mik? Der Leser will mehr über den
Menschen erfahren. Über Stärken
und Schwächen, über Sichtbares
und vielleicht auch etwas über
Unsichtbares, das im Laufe des
Gesprächs herausgekommen ist.
Nicht jede biografische Station
muss in den Text finden. Wichtig
ist, was aktuell passiert, welche
Rolle der Mensch ausfüllt. Das
Porträt erhebt keinen Anspruch
auf Vollständigkeit. Muss es gar
nicht. Präzise soll es auf jeden Fall
sein. Dafür müssen Autoren gute
Beschreibungen finden, treffende
Worte, die erklären.
Durch das Porträt soll sich ein
roter Faden ziehen. Und: Der Text
endet mit einem Satz des Schrei-
bers und nicht mit einem direkten
Zitat der dargestellten Person; das
letzte Wort bleibt stets beim Autor.
Michaela Hessenberger ist
Redakteurin bei den Salzburger
Nachrichten. Seit Oktober
schreibt sie in der Wiener
Redaktion für das Ressort
Chronik. Zuvor war sie in der
Lokalredaktion der SN.
Das Porträt: Blicke in das Innere
Der Adventkranz
Überkonfessionelles Symbol der Hoffnung
Galerie
Mein Engagement – meine Ressource
Klaudia Achleitner, Referentin für
Organisationsentwicklung und
Gemeindeberatung
gemeindeberatung@kirchen.net, +43 (0) 676 8746 6668
Zusammenarbeit fördern und organisieren
Der Adventkranz ist für Christen
Zeichen der Erwartung der Geburt
des Erlösers. Seine vier Kerzen zäh-
len die Sonntage bis zum Weih-
nachtsfest. Überkonfessionell ist er
als jahreszeitliche Dekoration be-
liebt. Seit den 1950ern verwenden
Katholiken Kerzen in den Farben der
Messgewänder: drei lila Kerzen und
eine in Rosa (3. Sonntag) bzw. Kom-
binationen von Rot und Lila. Die
Adventkranz-Segnung am Vorabend
des Advent ist Teil des katholischen
Rituals. Gläubig oder nicht, für Viele
gehört das Adventkranzbinden zum
Brauch. Es ruft, wie der Duft von
Reisig und Kerzenwachs, die Erinne-
rung wach, an jene Menschen, die
das bisherige Leben begleiteten.
Als Erfinder des Adventkranzes gilt
der Begründer der Evangelischen
Diakonie, Johann Hinrich Wichern.
In einem Heim in Hamburg instal-
lierte er 1839 einen Leuchter, an
dem im Advent täglich eine Kerze
mehr entzündet wurde, als Symbol
für das kommende „Licht Christi“.
Später wurde der Reifen auch mit
Reisig umwunden. Um 1940 war der
Adventkranz in Österreich allgemein
bekannt.
Ulrike Kammerhofer-Aggermann,
Institutsleiterin Salzburger Landesinstitut für Volkskunde
Foto: Martin Valentin Fuchs
Alles hat seine Grenzen
Die Wünsche, Erwartungen oder An-
regungen, die an die haupt- und eh-
renamtlichen MitarbeiterInnen he-
rangetragen werden, scheinen oft
kein Ende zu nehmen und die Liste
der unerledigten Dinge wächst ins
Uferlose.
Das Gute daran ist, dass Sie für die
Menschen Ihrer Pfarre kompetente
AnsprechpartnerInnen sind.
Schwierig wird es, wenn Sie, auf-
grund der vielen Einzelanregungen,
den Blick auf das Ganze verlieren
und sich selbst permanent überfor-
dern.
ANGEBOT: Entwickeln Sie eine Vision
für Ihre Pfarre. Loten Sie Ihre Pers-
pektiven und Möglichkeiten aus.
BERATUNGSUMFANG: ca. 20 Stunden.
KOSTEN: werden im Rahmen des Zu-
kunftsprozesses 2018 von der Diö-
zese übernommen (Info: zukunfts-
prozess@zentrale.kirchen.net).
Wir sind gut in der Zeit
Das wünschen sich Viele und dann
wird es wieder Mitternacht. Es nützt
oft die beste Tagesordnung nichts,
wenn sich keiner daran hält. Man-
che Themen laden zum freien Asso-
ziieren ein. Jede und jeder möchte
etwas sagen und nach einer gewis-
sen Zeit weiß niemand mehr, was
jetzt genau das Thema ist.
ANGEBOT: Erfolgreich besprechen –
Vorbereiten, durchführen und nach-
bereiten von Sitzungen.
BERATUNGSUMFANG: 4 bis 5 Stunden
im Rahmen von mehreren Sitzungen.
KOSTEN: 87,– pro Stunde (Unterstüt-
z ung durch das PGR-Referat möglich).
Es ist ein Ehrenamt
Durch die gute Mischung von vielen
Ehrenamtlichen in den Pfarren, mit
all ihren Talenten und Fähigkeiten,
ist jede Pfarre eigentlich ein Kompe-
tenzpool von allerhöchster Güte.
Die Mitarbeit macht sicher mehr
Spaß, wenn sie einem von den Fä-
higkeiten her entspricht. Dazuler-
nen durch Weiterbildungen kann
man immer.
Manchmal stellt sich allerdings die
Frage, ob die Menschen ihre Talente
wirklich einbringen können oder ob
der Bedarf der Pfarre an oberster
Stelle steht.
ANGEBOT: Meine Aufgaben und Ziele
– Aufgaben und Ziele der Pfarre.
BERATUNGSUMFANG: Eine PGR-Klau-
sur und zwei Abende à 2 Stunden.
KOSTEN: 87,– pro Stunde.
Unser Angebot
Die Mitglieder der AG Organisations-
entwicklung und der Gemeindebera-
tung in der ED Salzburg begleiten Sie
gerne. In einer Vorbe sprech ung legen
wir gemeinsam die Themen und die
Dauer der Beratung fest. Nehmen Sie
Kontakt mit uns auf.
kontakt 79 | November 201724
Papst Franziskus
zum Advent
Das Geheimnis des Advents
versetzt uns immer in das
Wunder der Menschwerdung
des Wortes und deshalb der
absoluten Nähe Gottes zur
Menschheit.
Die richtige Antwort auf die Frage der vergangenen
Ausgabe lautet „Gott und die Welt“.
29 LeserInnen haben diese richtige Lösung gewusst
und eingeschickt, daraus haben wir folgende drei
Gewinnerinnen gezogen.
Gewonnen haben: Veronika Grubinger, Hallwang;
Anna Koller, Fusch und Johanna Mayr, Bischofshofen.
Wir gratulieren herzlich!
Buchtipp
15 PORTRÄTS HOCHBETAGTER
u altern heißt immer auch, sich zu wan-
deln, gewissermaßen neu zu werden“ – so
bringen die beiden Herausgeber ihr Pro-
jekt auf den Punkt. Österreichische und
deutsche JournalistInnen und FotografInnen
besuchten 15 Menschen, kamen in ein Kloster
und in die Justizanstalt Suben: Hier erzählen
Hochbetagte von ihrem Leben, seinen Höhe-
und Wendepunkten, ihren Träumen und Weg-
gefährtInnen. Nie sentimental, immer ehrlich
und sehr behutsam in Text und Fotografie ent-
stehen hier Lebensgeschichten: Die Paginie-
rung entspricht immer dem Alter des gerade
Porträtierten, auch die Bildausschnitte korres-
pondieren unnachahmlich mit der Lebenspers-
pektive der Erzählenden.
Margareta Fornix, 82, etwa lebt zuhause in
einem kleinen Dorf im südlichen Niederöster-
reich, sie hat 24-Stunden-Pflege, erst läutet der
Wecker, dann kommen die Medikamente, dann
die Körperhygiene: Ein klar durchgetakteter Tag
für Margareta, die hier im Dorf alle Grete nen-
nen und ihre Pflegerin Zuzana, die von deren
guten, weniger guten und schlechten Tagen be-
richtet. Immer wieder sagt sie ihr: „Oma, ich
hab dich lieb.“
Z
Wissen&Gewinnen
FRAGE: Wer hat das Lied „Stille Nacht“
komponiert, wer den Text verfasst?
Einen Hinweis finden Sie auf Seite 21.
Schicken Sie Ihre
ANTWORT per Mail an
christina.repolust@seelsorge.kirchen.net
oder an Christina Repolust, Redaktion
Kontakt, Gaisbergstraße 7, 5020 Salzburg.
Aus allen richtigen Einsendungen verlosen
wir
DREI EXEMPLARE des nebenstehenden
Buchtipps
„HOCHBETAGT“ Günther Brand-
stetter und Marietta Mühlfellner.
Günther Brandstetter,
Marietta Mühlfellner:
HOCHBETAGT.
Salzburg:
2017.
Der nächste erscheint Mitte Februar 2018.
action
365
mal
Gottes Wort
Ihr Begleiter für das Jahr 2018!
Er beschenkt Sie täglich durch ein Wort aus der Heiligen Schrift
Er gibt geistliche Kraft, Mut und Hoffnung für den Alltag
• Er hilft Ihnen beten
Zu beziehen bei der action 365 • Nachtigallenstraße 21, 5023 Salzburg, Tel./Fax: 0662/664643 • action365fink@hotmail.com
nur
5,90
E
Der neue ökumenische
Schriftlesungskalender
im Taschenformat