Februar 2018

Für engagierte Christinnen und Christen
Februar 2018
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Engagement ist nie umsonst
Mut und
Aufbruch
Titelbild: Verena Hochleitner
Elisabeth Reiter und Helmut P. Gaisbauer
So bin ich gestrickt
Dechant Alois Rupert Dürlinger
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Editorial
Galerie
Medieninhaber, Herausgeber, Verleger und Sitz der Redaktion:
Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg, Gaisbergstraße 7, 5020 Salzburg. kontakt dient der
Information und dem Austausch zwischen Christinnen und Christen über die pastorale Praxis.
Redaktion: Klaudia Achleitner, Maria Herbst, David Pernkopf, Christina Repolust, Sebastian
Schneider. Kontakt: christina.repolust@seelsorge.kirchen.net. Samson Druck, St. Margarethen.
LUCIA GREINER
Leiterin des
Seelsorgeamtes der
Erzdiözese Salzburg
KEHRT UM UND GLAUBT AN DAS EVANGELIUM!
(Mk 1, 15)
m Ton sehr entschieden, so steht diese Auf-
forderung am Beginn der Fastenzeit. Wir be-
reiten uns am besten auf das Osterfest vor,
wenn wir uns Gott zuwenden, uns auf das
Wesentliche des Evangeliums konzentrieren.
Eigentlich ist es ja so, dass nicht die Einsicht
fehlt. Sehr gut wissen wir, wovon wir uns abwen-
den, welche falschen Wege wir verlassen wollen.
Freiheit und Leichtigkeit locken uns.
Was fehlt?
Der Mut aufzubrechen, die Gewohnheiten, das
Es-war-immer-schon-so, die Bequemlichkeit zu
verlassen. Energetisch braucht es am meis ten
Anstrengung, etwas vom Stillstand in Bewegung
zu bringen. Wenn der Schwung da ist, geht es
leichter.
„Alle Tage Mut“, so lautet der Titel eines kleinen
Buches, das einen Aufbruch schmackhaft macht.
Mut ist die Haltung, ein Risiko, eine Widerwär-
tigkeit auf sich zu nehmen oder Sicherheit und
Annehmlichkeit zu opfern, auch wenn Entbeh-
rungen die Folge sein können. Denn Mut wächst
aus kluger Erkenntnis, was in einem bestimm-
ten Moment richtig oder falsch ist. Dem Mutig-
sein liegen Hoffnung und Zuversicht auf einen
glücklichen, sinnvollen Ausgang eines Unter-
nehmens zugrunde.
So können wir glaubend zu Gott umkehren. „Du
gehst auf Wolkenwegen, er kennt dein Ziel, ihr
könnt euch nicht verfehlen.“
I
Inhalt
DER HOFFNUNG RÄUME ÖFFNEN
Wie der Pfarrgemeinderat von
„St. Electio“ die Hoffnung,
dass Menschen in die Räume
der Pfarre kommen, in die Tat
umsetzt.
EXERZITIEN IM ALLTAG
FÜR PFARRGEMEINDERÄTE
UND PFARRGEMEINDERÄTINNEN
DAGEGEN HALTEN
Die Bildungsexpertin Sabine
Aschauer-Smolik setzt auf
lokale und regionale Koopera-
tionen
ES KOMMT IMMER AUF DEN
STANDPUNKT AN
Dominik Elmer sucht die
Herausforderung: für sich, die
Gesellschaft und die Kirche.
8
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17
10
DIE PFARRE INS
GESPRÄCH BRINGEN
Der Arbeitskreis
Öffentlichkeits arbeit in
der Stadtpfarre Hallein
schreitet zur Tat
20
AUFSTEHEN, DIE TÜR ÖFFNEN UND AUFBRECHEN
„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ Das hat Astrid
Lindgren Generationen von Kindern mit auf den Weg gegeben. Menschen, die sich
engagieren, verlassen ihre Komfortzone und setzen sich der Gefahr aus, kritisiert,
verhöhnt und entmutigt zu werden. Viele Ehren- und Hauptamtliche in der Flücht-
lingsarbeit erleben dies hautnah und lassen sich dennoch nicht unterkriegen. Im vor-
liegenden Kontakt erzählen wir vom Aufbrechen mit Gottvertrauen, Wagemut und
einem Schuss Übermut.„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig
sicher, dass ich es schaffe!“ Mit dieser Ermutigung von Pippi Langstrumpf
grüße ich Sie im Namen des Redaktionsteams
Ihre Christina Repolust, Chefredakteurin
GALERIE FEBRUAR 2018
Die Perspektive wechseln
Mut ist ein starkes, ernstes und kraftvolles Thema. All das vermitteln die Illustrationen der
Künstlerin Verena Hochleitner: Menschenmassen auf der Flucht, Hab und Gut in unsicheren
Booten gelagert, Aufregung, Verzweiflung und Hoffnung. Der Strich ist zart und erzählt von
Verlorenem, von Wassergeistern, von Erinnerungen und Hoffnungen: Offen, der eigenen
Fantasie Raum lassend, kein Klischee bedienend. Boote, Menschen in Schwimmwesten – und
eine Katze: Mut, Flucht anders zu erzählen.
Bild: Verena Hochleitner
kontakt 80 | Februar 2018 kontakt 80 | Februar 20184 5
Engagement
ist nie umsonst
Pfarren stehen für Engagement für Menschen in Not.
2016 lernten Freiwillige mit Flüchtlingen Deutsch, brachten
Sachspenden in die Pfarrhöfe. Das gesellschaftspolitische
Klima wurde seither kälter; „Gutmensch“ wurde zum
Schimpfwort. Elisabeth Reiter und Helmut P. Gaisbauer über
Mutmenschen, Neiddebatten und die Rolle der Kirche in
sozialen Fragen.
Wie können Menschen 2018 Mut und
Haltung konkret zeigen?
GAISBAUER:
Ich denke zuerst an Coura-
ge im Alltag: Wenn ich im öffentlichen
Raum eine Situation erlebe, die ich als
ungerecht empfinde, beziehe ich Stel-
lung. Ich widerspreche oder besser, ich
frage zuerst einmal nach. Eines mach
ich in diesen Situationen sicher nicht:
Ich gehe nicht einfach weiter.
REITER: Bei mir ist es ähnlich: Ich erken-
ne, dass etwas in Schieflage ist, wenn
ich unruhig werde, ich schau mir die
Situation genau an und nehme wahr,
was da vor sich geht. Dann handle ich.
Haltung lässt sich im Kleinen zeigen –
und im Großen. Das Wahlrecht wahr-
zunehmen, ist ebenso eine Möglich-
keit, Mut und Haltung zu zeigen.
Wie erreichen wir, dass die 16-Jährigen
wählen gehen?
REITER:
Das System erscheint aufs Erste
recht abgehoben, viele PolitikerInnen
begeistern nicht, liefern leere Worthül-
sen ab und gehen nicht auf die The-
men der Jugend ein. Die denken sich:
Was hat das mit mir zu tun?
Haben dann Elternhaus, Schule, Bildung
und Gesellschaft allgemein versagt, wenn
Konsum wichtiger ist als gesellschafts-
politisches Engagement?
REITER:
Versagen ist ein zu starker Aus-
druck. Mir geht es um Empathie: Dort,
wo die Orientierung an ihr fehlt, kön-
nen sich Feindbilder leichter ausbrei-
ten, lässt sich Neid schüren, die Gesell-
schaft eher spalten. Orte, an denen
Mitgefühl lebt, sind schlechte Orte für
Neid und Hass, aber Keimzellen für en-
gagiertes Eintreten für andere.
GAISBAUER: Am Wahlsonntag fühlt
man sich zuständig, zur Wahl zu gehen.
Oder man sagt sich, man könne doch
nichts entscheiden, was solle schon die
eine Stimme. Jeder und jede trifft so
die Entscheidung: Bin ich für das Wahl-
ergebnis mit zuständig oder fühle ich
mich übersehen und unwichtig?
Mit Engagement setzen sich Freiwillige
in den Pfarren für andere ein und werden
dafür als „Gutmenschen“ beschimpft.
Kann Engagement umsonst sein?
REITER:
Engagement ist nie umsonst,
weder für den Einzelnen noch für die
Gesellschaft. Freiwillige haben Will-
kommenspakete an den Bahnhöfen
verteilt, Brote geschmiert, ehrenamt-
lich rund um die Uhr Flüchtlinge ver-
sorgt. Vielen ist und war das ein Her-
zensanliegen, viele betreuen weiterhin
etwa minderjährige unbegleitete
Flüchtlinge, haben sie bei sich aufge-
nommen oder engagieren sich als Pa-
tInnen.
Zur Person
DR. HELMUT P. GAISBAUER,
geboren 1971 in Linz, Politik-
wissenschafter, seit 2011 am
Zentrum für Ethik und Armuts-
forschung der Uni versität Salz-
burg mit sozialethischen Fragen
rund um Armut, Ausgrenzung
und der Frage nach Strukturen der
guten Gesellschaft befasst. Seit
2017 ist Helmut P. Gaisbauer
außerdem Präsident des Interna-
tionalen Forschungszentrums für
soziale und ethische Fragen, ifz,
am Mönchsberg. In St. Georgen
bei Salzburg ist er im Pfarrge-
meinderat engagiert.
Zur Person
MAG.
a
ELISABETH REITER,
geboren 1981 in Ried im Innkreis,
Theologin, Neo-Salzburgerin. Bis
vor kurzem war sie Fachreferentin
für Interreligiösen und Inter-
kulturellen Dialog im Haus der
Begegnung in Innsbruck. Seit
1. Jänner 2018 ist sie für die
Bereiche Sozial-caritative Dienste
und Katechumenat im Seelsorge-
amt der Erzdiözese Salzburg
zuständig. „Kirche muss für die
Menschen da sein, sonst ist sie
nicht Kirche“, so ihr Motto.
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Fotos: xxxxxx xxxxxxxx
Engagement für Menschen in Not
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kontakt 80 | Februar 20186
Engagement für Menschen in Not
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7
GAISBAUER: Gutmenschen sind Mut-
menschen. Wer sich einmischt, zeigt
Präsenz. Es ist unser Auftrag im Sinne
des Gemeinwohls und des Miteinan-
ders, für andere da zu sein.
REITER: Derzeit schüren bestimmte
Gruppierungen Angst und Neid, diese
Infragestellung solidarischer Werte
braucht unseren Widerspruch: Öster-
reich ist ein sicheres und wohlha-
bendes Land.
Aktuell werden Sicherheitsfragen mit sozi-
alen Fragen vermischt: Warum gelingt es,
mit Schwarz-Weiß-Malerei zu punkten?
GAISBAUER:
Zum einen werden Men-
schen in der Sprachlosigkeit gehalten,
zum anderen ist es ein Grundproblem,
wenn Sicherheits- und Sozialfragen
verbunden werden: Man kann So-
zialthemen nicht in einen Sicherheits-
diskurs umschreiben, da spaltet man,
was zusammengehört und zusammen
gedacht werden muss. Wir haben
Menschen vor uns, die unsere Unter-
stützung brauchen, die ein Recht auf
sichere Unterbringung haben, einfach
deswegen, weil sie Menschen sind.
REITER: Es geht dabei um die Würde je-
des einzelnen Menschen und genau in
diesem Bereich ist Kirche gefragt. Die
Kirche muss den Finger in die Wunde
legen, wenn es um die Menschenwür-
de geht, denn diese kennt kein „Natio-
nalitätenpickerl“, sie ist unantastbar!
Engagiert sich Kirche derzeit zu zaghaft?
REITER:
Sicher passiert in den einzelnen
Pfarren sehr viel Positives, sowohl
strukturell als auch im zwischen-
menschlichen Bereich. Aber man hört
nur in Einzelfällen davon; zwar meldet
sich die Caritas zu Wort, wenn etwa
das Wiener Neujahrsbaby mit Hass
und Beschimpfungen überhäuft wird.
Bischöfe und Bischofskonferenz sollten
deutlich Stellung beziehen, auch zur
Stärkung der Basis, die ich hier als sehr
präsent erlebe.
GAISBAUER: Kirche hat hier eine lange
Tradition, ich denke an den guten Sa-
mariter, der nicht den einfachen Weg
wählt, sondern hinsieht und sich enga-
giert und für den in Not Geratenen
sorgt – auch nachhaltig.
Wie gelingt es, Mitmenschlichkeit zu
fördern?
REITER:
Manchmal ist man sehr auf das
Eigene fokussiert, will alles schaffen:
Beruf, Familie, Wohlstand – ständig
durch soziale Medien der Illusion von
Vergleichbarkeit ausgesetzt. Man will
ein guter Leistungsträger sein - das
zählt viel und macht oft blind gegen-
über den Schwächeren der Gesell-
schaft. Gern übersehen Menschen,
dass auch sie krank, arbeits- und woh-
nungslos werden können. Ein Kind
wird schwer krank, die Partnerin stirbt,
die Firma steht vor dem Aus: Risiken,
die niemand kalkulieren kann.
Wie steigen wir also aus diesem
Hamsterrad aus?
Helmut P. Gaisbauer:
„Gutmenschen sind Mutmenschen.“
Elisabeth Reiter:
Österreich ist ein sicheres
und wohlhabendes Land.
Fotos: Christina Repolust
BUCHTIPP
MIT 27 BEITRÄGEN DURCH DIE
ARBEITSWELT
Woran denkt ein Arbeitsloser, der
immer wieder hört, sein Hände-
druck würde seine Karriere, ach
sein gesamtes Leben, bestimmen?
Was bekommt die Bewerberin 50+
zu hören, wenn sie nach dem
Grund der Absage fragt? Eine Lang-
zeitarbeitslose schreibt: „DEN DA,
der die Arbeit verliert, nennt man
dann arbeitslos, er verliert den
Schlüssel, den Zugang zu einem
Unternehmen, dem er immer ver-
traut hat.“ (S. 133).
Lesebuch soziale Ausgrenzung III.
Arbeitswelten. Hg. von Arbeiter-
kammer Salzburg und Zentrum
für Ethik und Armutsforschung.
Mandelbaum Verlag 2017.
Reputationsstudie
Wer einen Zukunftsprozess startet, hat keine Angst vor der Wahrheit!
Die Reputationsstudie, eine Kooperation der Erzdiözese mit der Universität
Salzburg, legt klar, was sich die Menschen von Kirche wünschen. Erzbischof
Dr. Franz Lackner zieht aus den Studienergebnissen Konsequenzen:
Wir dürfen als Kirche nicht schweigen.
Erzdiözese schaut
in den Spiegel
GAISBAUER: Lassen wir uns wieder be-
schenken, Menschen schenken uns
Zeit und Aufmerksamkeit. Wer blind
fürs Beschenktwerden ist, rast in die
Einbahnstraße. Es hilft auch schon, die
eigenen Erwartungen zu differenzie-
ren, dann wird Platz für Anderes und
Andere, für die oder den Nächsten.
REITER: Achtsamkeit für sich und die
anderen heißt ja auch, innezuhalten.
Ein klares Nein zu äußern, ist mögli-
cherweise ein erster Schritt, dann wird
das darauffolgende klare Ja echter und
strahlender.
Interview: Christina Repolust
Der Hoffnung
Räume öffnen
„Es kann nicht immer nur rückwärts gehen!“, sind
die PfarrgemeinderätInnen von St. Electio über-
zeugt. Es ist inzwischen längst Zeit geworden, eine
Pastoral des Bewahrens hinter sich zu lassen. Da war
die Österreichische Pastoraltagung 2018 mit dem
Titel „Der Hoffnung Räume öffnen“ durchaus eine
Impulsgeberin.
kontakt 80 | Februar 2018kontakt 80 | Februar 2018 98
LITERATURTIPPS
Pfarrgemeinderat
Aufbruch heißt, sich
öffnen und der Hoffnung
Räume zu geben
Eine Erkenntnis haben die Pfarrge-
meinderätInnen von St. Electio
schon bei ihrer letzten Planungsklau-
sur festgehalten: Ihre Kirche steht
mitten im Ort. Bei der Beschäftigung
mit der Frage, wo sich die Menschen
im Ort treffen, mussten sie aber lei-
der feststellen: nicht bei uns in der
Kirche. Eine Begründung dafür liefert
bei der Pastoraltagung Frau Dr. Hil-
degard Wustmans, Pastoralamtsleite-
rin der Diözese Limburg: „Viele pas-
torale Aktivitäten sind nach dem
Format der Einladung konzipiert …
ein Blick in die Kirchenräume zeigt,
dass dieses Format … nicht mehr
ausreicht.“ Die Hoffnung, dass die
Menschen in die pfarrlichen Räume
von St. Electio kommen, um mit der
Botschaft Jesu in Berührung zu kom-
men, erfüllt sich immer seltener.
Diese Erkenntnis ist eine Tatsache,
doch kein Anlass zur Entmutigung.
Die PfarrgemeinderätInnen sind
neugierige Menschen. Sie interessie-
ren sich für die BewohnerInnen ihres
Ortes, für deren Lebenssituation, für
deren Lebenswelten. Sie stimmen
damit Dr. Johannes Först, Uni Kleve,
zu, der sich in seinem Vortrag für
„eine entsprechende kirchliche Pas-
toral“ starkmachte, „die das Drama
menschlicher Existenzbewältigung
… in den Mittelpunkt stellt“. Dabei
verwies er auf den Artikel 4 der Pasto-
ralkonstitution des Zweiten Vatika-
nischen Konzils, „Kirche in der Welt
von heute“: „Zur Erfüllung … ihres
Auftrags obliegt der Kirche … die
Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu
forschen und sie im Licht des Evan-
geliums zu deuten. So kann sie … in
einer jeweils einer Generation ange-
messenen Weise auf die bleibenden
Fragen der Menschen nach dem Sinn
des gegenwärtigen und des zukünf-
tigen Lebens und nach dem Ver-
hältnis beider zueinander Antwort
geben.“ Die Lebenswelten der Men -
schen gilt es kennenzulernen, meinte
die Pfarrgemeinderatsobfrau von St.
Electio. Dafür werden wir wohl jene
Orte aufsuchen, wo sich die Men-
schen bei uns gehäuft aufhalten, er-
gänzte die Jugendverantwortliche im
Pfarrgemeinderat. Sie wollen sich in
Zukunft viel mehr mit den Sichtwei-
sen ihrer Mitmenschen auseinander-
setzen und mit ihnen ins Gespräch
kommen. „Wir atmen die gleiche
Luft. … Es verbindet uns viel und
dennoch unterscheiden wir uns in
der Sichtweise des Lebens“, formu-
lierte Weihbischof Dr. Reinhard
Hauke aus Erfurt.
Aufbruch heißt, sich ver-
ändern, um der Hoffnung
Räume zu geben
Ein Großteil der Pfarrgemeinde-
rätInnen hatte sich für das Atelier
„Missi onarische Kirche“ angemeldet.
Einige standen dem Begriff der Missi-
on kritisch gegenüber, weil er in der
Geschichte aufgrund des vorkonzi-
liaren Verständnisses von Kirche viel
zu oft mit Sanktionen, Ausschluss,
Schwarz-Weiß-Denken und Macht in
Zusammenhang gebracht wurde.
„Auf dem Zweiten Vatikanischen
Kon zil entwirft sich die Kirche neu.
Diese Kirche geht nach außen. Sie
riskiert sich und solidarisiert sich mit
den Menschen (vgl. Artikel 1 von
„Kirche in der Welt von heute“)“, sagt
Hildegard Wustmans. Die Mitglieder
des Pfarrgemeinderates von St. Elec-
tio kamen mit den anderen Teilneh-
menden am Atelier „Missionarische
Kirche“ ins Gespräch über verschie-
dene Projekte, bei denen neue Wege
versucht wurden. Da gab es welche,
die hatten zwei Klappstühle und ein
Schild mit der Aufschrift „Ich höre dir
zu“. Damit setzten sie sich auf einen
belebten Platz und warteten, was
bzw. wer kommt. Sie waren einfach
da und hatten gute Gespräche mit
Menschen, die sich zu ihnen setzten.
Andere erzählten von einer neuen
Form der Erstkommunionvorberei-
tung oder von Versuchen mit moder-
ner Musik. Es gab noch Vieles mehr.
Adressen wurden ausgetauscht, um
miteinander in Kontakt treten zu
können. Klar geworden ist, dass diese
neuen Verhaltensweisen trainiert
werden müssen, um zu einer Hal-
tungsveränderung zu kommen. Die
Gefahr des Rückfalls in alte Muster
soll einen nicht abschrecken.
Papst Franziskus spricht in „Evangelii
Gaudium“ davon, dass eine „Kirche
im Aufbruch“ (46) solidarisch, barm-
herzig und großzügig handelt (vgl.
46f). Ihm ist eine „verbeulte Kirche“
(49) lieber, die fehlerfreundlich aus-
gerichtet ist und sich nicht in Struk-
tur einschließt (vgl. 49). Ebenso ma-
chen uns „… die Normen, die uns in
unnachsichtige Richter verwandeln,
… die Gewohnheiten, in denen wir
uns ruhig fühlen“ (49) engstirnig. Da-
bei überhören wir allzu oft den Auf-
trag Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen!“
((Mk 6,37).
Klaudia Achleitner
Referentin für PfarrgemeinderätInnen
n Evangelii Gaudium. Aposto-
lisches Schreiben des Heiligen
Vaters Papst Franziskus
n Unterlagen zur Österreichi-
schen Pastoraltagung 2018
www.pastoral.at
n Michael N. Ebertz, Leitbild-
wechsel. Die Kirche vor neuen
religiösen Identitäten und
Optionen. In: Zeitschrift
„impulse“, Jg. 2016, Heft 2.
Erzbistum Köln (Hg)
Foto: fotolia, Adi Ciurea
Foto: fotolia, Chaiyawat
WARUM ICH MUTIG BIN?“ Alois Dürlin-
ger schmunzelt: „Zum Einen ist das
sicherlich mein Naturell, so bin ich
gestrickt. Wenn ich mir einer Sache,
die mir wichtig ist, ganz sicher bin,
kann ich gar nicht anders, als dazu zu
stehen. Mir war klar, dass ich die
Flüchtlinge unterstützen will, daher
habe ich das auch getan und nicht
darauf gewartet, dass es wer anderer
tut.“ Wenn er über sein So-Gestrickt-
Sein nachdenkt, fällt ihm sofort seine
Mutter und damit seine Herkunft und
Erziehung ein. „Ich hatte eine ganz
mutige Mutter. Sie hat uns Kinder mit
ihrer Beherztheit geprägt.“ Die Mut-
ter ist früh Witwe geworden und hat
die elf Kinder allein groß gezogen:
„Der Vater lag bei meiner Erstkom-
munion auf der Totenbahre, Todesur-
sache war Sekundentod und von uns
elf Kindern waren fünf noch schul-
pflichtig.“ So wurde in der Familie
stets getan, was getan werden musste.
Tun, was getan
werden muss
Als in der Heimatgemeinde Alois
Dürlingers „Zigeuner, so nannte man
sie damals“ kampieren, reagieren
viele ablehnend: „Es hieß, sie würden
Kinder stehlen. Meine Eltern wuss-
ten, diese Familien seien dermaßen
kinderreich, dass sie eher Kinder zu
verschenken als Interesse daran hät-
ten, Kinder aus unserer Familie zu
stehlen.“ Die Mutter habe, so weiß
der Seelsorger aus Erzählungen, ohne
große Worte die doppelte Menge Brot
gebacken und die älteren Kinder da-
mit losgeschickt. Man sieht Not und
tut das Naheliegende.“ Wenn er an
die Anfeindungen denkt, die ihm seit
drei Jahren entgegenschlagen, bleibt
Alois Dürlinger gefasst: „Anonyme
Schreiben und Anrufe gab und gibt
es. Doch mehr macht mir die derzeit
um sich greifende diffuse Dummheit
zu schaffen. Wie sonst lässt sich erklä-
ren, dass Menschen sich der maßen
gegen Schwächere aufhetzen lassen.“
Woher kommt die Kraft, Widerstand
zu leisten? „Der Glaube ist der tra-
gende Boden für mich.“ Als Theolo-
giestudent in Rom und Innsbruck
sucht er den Kontakt zu den Jesuiten,
die Worte seines geistlichen Beglei-
ters sind präsent: „Geh deinen Weg, tu
das Deine. Das Leben spielt sich nicht
in Träumen, sondern in Fakten und
Taten ab.“
So bin ich
gestrickt
Dechant Alois Dürlinger, Pfarrer von Goldegg
und St. Veit, ist der Sprecher des Erzbischofs in
Flüchtlingsfragen. 2016 hat er Flüchtlinge bei
sich im Pfarrhof aufgenommen. Seither gibt es
offene wie versteckte Anfeindungen. „Wie alle
anderen Engagierten lasse ich mich nicht ent-
mutigen: Diffuse Dummheit und kalkulierte
Bosheit dürfen nicht die Oberhand gewinnen.“
Dechant Dürlinger unterstützt Flüchtlinge. Foto: Repolust
DECHANT ALOIS RUPERT DÜRLINGER
Pfarrer von Goldegg und St. Veit
MENSCHENBILDER
kontakt 80 | Februar 201810
Es kommt immer auf
den Standpunkt an
DOMINIK ELMER, REFERENT FÜR
STADTPASTORAL UND LEITER DES
INFOPOINT KIRCHEN.
ie gelten in der Erzdiözese
Salzburg als umtriebig
und mutig. Was treibt Sie
an? Welchen Vorbildern
folgen Sie?
DOMINIK ELMER:
Beginnen wir ganz
von vorn. Ich bin am 29. Juni gebo-
ren: Das ist doch ein eindeutiges Zei-
chen! Früher sang ich bei den Regens-
burger Domspatzen und war daher
ausgerechnet an meinem Geburtstag
regelmäßig bei Priesterweihen dabei.
Die Apostel, die aufgebrochen sind
und etwas gewagt haben, waren bzw.
sind Vorbilder für mich. Man muss
öfter etwas wagen! Da sehe ich vor
allem den Apostel Paulus mit seiner
Aufbruchsstimmung vor mir.
Sie und die MitarbeiterInnen des
Infopoint Kirchen gehen an die
Ränder, das ist ein erklärter
Auftrag dieser Einrichtung.
Wie können wir uns das genau
vorstellen?
ELMER:
Sobald ich von Rändern spre-
che, vollziehe ich eine Abgrenzung.
Wir in der sicheren Mitte und die an-
deren, die Armen, da draußen. Das
ist der falsche Blick. Rand bedeutet
im Verständnis des Infopoints vor
allem, Menschen zu erreichen, die
wir als Kirche in unserem „Kernge-
schäft“, in unserem Gebäude Kirche
nicht antreffen. „Werft das Netz auf
die andere Seite des Bootes aus“, das
ist die passende Bibelstelle dazu.
Veränderungen, neue Perspekti-
ven, Ränder: Starke Metaphern,
die auch Papst Franziskus
verwendet und uns Christinnen
und Christen damit ermutigt.
Wie mach ich das konkret
heute noch?
ELMER:
Starke Metaphern ermutigen
ja, eine Veränderung im Hier und
Jetzt anzugehen. So können Sie jetzt
in die Bahnhofsgegend in Salzburg
gehen und sich dort umsehen; eben-
so in jene Wohngegend, die man „so-
ziale Brennpunkte“ nennt. Umge-
kehrt ist auch eine reiche Salzburger
Wohngegend eine Randerfahrung,
was sehen Sie in diesen Vorgärten?
Wie begegnen sich dort Menschen
auf der Straße?
Wenn wir den sozio-ökono-
mischen Hintergrund der
Mitmenschen kurz ausblenden,
gibt es zahlreiche Menschen in
ganz konkreten Krisen. Gehen
Sie da hin?
ELMER:
Das ist die andere Erfahrung
von Rand und Grenze. Wenn ich
Menschen in Krisensituationen an-
treffe, betrete ich ebenfalls Neuland:
Ich weiß nicht, was auf mich zu-
kommt. Wir sollten nicht im Offen-
sichtlichen verharren, das schränkt
uns zu sehr ein: Rand ist immer eine
Grenzerfahrung.
Das klingt herausfordernd und
anstrengend. Was bringt es
Haupt- und Ehrenamtlichen,
diese Grenzen zu suchen?
ELMER:
Was ich in einer Grenzsituati-
on erlebt habe, wirkt sich, ob ich es
will oder nicht, auf mein Alltagsge-
schäft aus. Das kann ich nicht mehr
ausblenden. Denken wir an die
Sternsinger, die sich aufmachen, zu
den Menschen gehen und das nicht
in der Gewissheit, dass sie eingelas-
sen werden. Aufbruch geht nicht vom
Schreibtisch aus, Veränderungen sind
ohne Irritationen nicht zu haben!
Interview: Christina Repolust
Dominik Elmer sucht
die Herausforderung: für
sich, die Gesellschaft und
die Kirche. Geflüchtete,
Obdachlose, Bettler,
Menschen, die Unter-
stützung brauchen: Ihnen
begegnet er mit Interesse
und auf Augenhöhe.
„Was Rand und was
Mittelpunkt ist, kommt
immer auf die eigene
Betrachtungsweise an!“
Einer, der an die Ränder geht
11kontakt 80 | Februar 2018
S
Foto: Bernhard Müller
Flucht und
Neuanfang
Galerie
Bild: Verena Hochleitner
kontakt 80 | Februar 201814
Gebetsbrocken
PassantInnen werden
an öffentlichen
Orten
angeregt, ihr
persönliches
Gebet mitzuteilen und
aufzuschreiben …
M+ Kurs
Ältere Ministrantinnen
und Ministranten
übernehmen
mehr Verant-
wortung in der
Liturgie und vernetzen
sich pfarrübergreifend …
Cursillo Kompakt
Kurzer und intensiver
Kurs, in dem
Suchende den
Glauben an
Jesus Christus
erfahren und aufbauen
können …
Ökumenischer
Bibelsonntag
Ein Tag, ganz der Bibel ge-
widmet gemeinsam mit
anderen christlichen Kir-
chen
Ein intregratives Erzähl-
und Schreibprojekt, das
Generationen mit ein
zu verbinden …
Sammel-Album
Pfarren erarbeiten Pickerl
mit regionalen
Motiven zum
Sammeln für
Kinder …
African Catholics
Katholiken aus Afrika wird
religiöse Heimat
gegeben – ein
Beitrag zur Inte-
gration …
Kinderkapelle
Gebetsräume für Kinder
und Familien gestalten –
auch für die Zeit außer-
halb der Gottesdienste …
Love is in the air
Der Lebensrealität von
nicht verheira-
teten jungen
Paaren soll
Raum in der
kirchlichen Gemeinschaft
gegeben werden …
Kinderchöre
bieten Volksschülern mehr
Teilnahme-
möglichkeiten
am Leben der
Kirche …
Faire Pfarre
Umsetzung der Enzyklika
„Laudato si“ von
Papst Franziskus:
fairer Einkauf,
verantwortungs-
voller Umgang mit
Energie, Partizipation …
Alive!
Stationen für Jugendliche:
Nachdenken über
sich selbst, die
Umwelt und
Gott …
Cafe der Kulturen
Begegnung von Menschen
unterschiedlicher
sozialer und
ethnischer Her-
kunft
Kirchen erleben
und entdecken
Kinder lernen
ihre Pfarrkirche
kennen – mit
einem Internet
gestützten Kirchenführer
für Kinder …
Mit allen Sinnen
feiern
Gottesdienste mit alten
und dementen Menschen
und pflegenden Angehö-
rigen …
Vision einer Pfarre
Was brauchen Menschen
vor Ort? Pastorales Handeln,
das sich an einer vitalen
und fröhlichen Kirche
orientiert.
Wie SIE sich
beteiligen können
finden Sie im
Internet unter
zukunftsprozess.at
Dabei fühlte ich
mich jung
MAG.
a
ANGELIKA GASSNER
Anmeldung: angelika.gassner@
seelsorge.kirchen.net
Fotos: privat
D
„Für mich persönlich waren die
Gruppentreffen eine große Bereiche-
rung. Für mich war und ist so ein Ge-
dankenaustausch unter Gleichge-
sinnten immer etwas Wertvolles. Hier
kann ich vom Alltag abschalten und
mich auf die Sache einlassen,“ er-
zählt Georg Winkler aus Abtenau.
„Mein Glaube war vorher auch da,
allerdings sah ich die Folgen daraus
fast ein bisschen negativ: ich enga-
giere mich aufgrund meines Glau-
bens, muss dafür Zeit und Kraft inves-
tieren … Dass ich persönlich so sehr
davon profitieren kann, habe ich erst
in den ersten Exerzitienwochen er-
kannt. Mein Vertrauen in Gottes Wege
ist größer geworden. Es macht mich
gelassener. Ich bin selber neugierig,
wie sich dies für mich, für mein Leben
und für mein Engagement in der
Pfarre auswirkt.“ meldet die Anna-
bergerin Brigitte Hirscher zurück.
Barbara Wintersteller schwärmt von
den verschiedenen Methoden, die
sowohl im Buch, das als Unterlage für
die tägliche Gebetszeit dient, als auch
an den Abenden zu erleben waren:
„Die Art, wie die Themen aufbereitet
sind, hat mich angesprochen, die
„bunte“ Sprache und die Bilder ha-
as Seminarangebot „Von Jesu
Botschaft berührt Kirche ge-
stalten“ – Exerzitien im Alltag
für PfarrgemeinderätInnen –
trifft die Bedürfnisse der Zielgruppe
punktgenau.
17 PGR und PKR Mitglieder des Pfarr-
verbandes Lammertal (davon alle
vier Obfrauen) trafen sich an sechs
Abenden innerhalb von fünf Wochen
für jeweils zwei Stunden, um gemein-
sam die vergangenen Wochenim-
pulse nachzubesprechen und die we-
sentlichen Themen über viele
ver schiedene Zugänge persönlich zu
vertiefen.
Daten & Fakten
Das Buch von Angelika Gassner ist
die Grundlage für die Exerzitien
im Alltag:
Befreit zur Liebe. Exerzitien im All-
tag zu Worten von Jesus Christus
und Papst Franziskus.
Möglichst viele Pfarrgemeinde-
rätInnen machen als Leitungs-
team die Exerzitien und gewinnen
spirituelle Impulse für das pfarr-
liche Leiten.
35 Tagesimpulse vertiefen den per-
sönlichen Glauben und stellen
konkrete Fragen, die aus dem Han-
deln Jesu erwachsen. Die sechs
Gruppenabende ermöglichen den
Austausch und gemeinsames Be-
ten und Feiern.
Das Projekt kann in der eigenen
Pfarre umgesetzt werden.
ben mich bereichert. Das Miteinbe-
ziehen des Körpers beim Gebet hilft
mir, mich zu öffnen. Ich fühle mich
gestärkt für die kirchliche Mitarbeit
und möchte gemeinsam mit dem
Netz des PGR an einer offenen bun-
ten Kirche mitgestalten.“
Exerzitien im Alltag für PfarrgemeinderätInnen Zukunftsprozess 2018
Kirche lebt am Ort
Referenten:
n Mag. Markus Roßkopf,
Leiter des Referats Weltkirche
n Dr. Josef Pletzer, Pfarrer, Ver-
fechter von Kleinen Christlichen
Gemeinschaften
n Mag. Gerhard Schaidreiter,
Pfarrassistent, Ausbildung für
Ehrenamtlichen-Management
n Dr. Sebastian Schneider, Leiter
der Abteilung Verkündigung,
sucht Wege, wie sich christliche
Gemeinde heute bilden kann
Kosten:
Kurskosten werden im Rahmen des
diözesanen Zukunftsprozesses
übernommen. Die Aufent-
haltskosten für die
Hauptamtlichen
werden vom
Personalreferat übernommen. Für
die Ehrenamtlichen sollen die Pfar-
ren die Kosten übernehmen.
Ein Lernmodul im Rahmen des Zu-
kunftsprozesses 2018 der Erzdiözese
Salzburg.
Anmeldung im Seelsorgeamt,
Abteilung Verkündigung,
maria.herbst@seelsorge.kirchen.net,
0662/8047-2074
n max. 30 Teilnehmende
Weitere Informationen: Sebastian
Schneider, Abteilung Verkündigung
im Seelsorgeamt, Gaisbergstraße 7,
5020 Salzburg, 0662/8047-2495
Kirche im Werden, im Loslassen und
Wachsen. Wege zu einer Kirche der
Beteiligung.
10. Mai (11
00
Uhr) – 12. Mai (16
00
Uhr)
2018 im Stift St. Lambrecht/Murau
Für Teams von Ehrenamtlichen und
Hauptberuflichen aus Pfarrgemein-
den (3 – 7 Personen), die sich auf ei-
nen Prozess lokaler Kirchenentwick-
lung einlassen wollen.
Wir üben Grundfähigkeiten und
Grundfertigkeiten ein, um Kirche der
Beteiligung vor Ort voranzubringen.
Beteiligung ist der Weg, der gemein-
sam in die Zukunft führt. Die ge-
meinsame Erfahrung von Kirche
bringt ein Feuer zum Brennen und
der Funke lebt in der Pfarre weiter.
Das Seminar bringt Ihnen:
n Lust auf eine neue Spiritualität
n Motivierte Teammitglieder
n Eine Erfahrung von Kirche, die für
die Zukunft motiviert
n Eine Idee, wie Versöhnungskultur
in der Pfarre gelebt werden kann
n Die Bereitschaft, Entwicklungs-
prozesse mitzugestalten
Der Zukunftsprozess 2018 motiviert Ehren- und Hauptamtliche neue
Wege zu gehen, Neues zu wagen sowie auch Neues auf Bewährtem
aufzubauen: Wer Kirche neu denken will, verlässt sicheres Terrain,
lässt sich auf längere Veränderungs- und Gestaltungsprozesse ein.
kontakt 80 | Februar 2018 kontakt 80 | Februar 201816 17
Politik im Alltag
Sich einen großen Wurf zutrauen
KARLO M. HUJBER, U. A. BERATER FÜR GEMEINDEENTWICKLUNG
FÜR MICH IST NEUANFANG EIN STÄNDIGER PROZESS. Anfänge verlaufen nicht linear,
sondern sie bewegen sich wie das Leben an sich in Schleifen: Das Zirkulare im
Leben ist für mich ein Bild für Neubeginn, das Leben und der Alltag gehen ja auch
nicht so gerade dahin. Derzeit berate ich Gemeinden in längeren Prozessen, in
denen es um Zukunftsfähigkeit geht. Auch hier begegne ich immer wieder Neu-
anfängen. Es braucht überall PionierInnen mit sehr viel Mut zu Experimenten:
Werfen wir einfach den Stein einmal dorthin, wo wir noch nicht sind! Wer immer im
eigenen Saft schmort, verliert den Überblick, die Energie verdampft. Wer nach vorn
schaut und seine Erfahrungen auf neue Wege mitnimmt, entwickelt sich weiter.
Glockengeläut macht mich glücklich
NORBERT, ST. VIRGIL
HIER IN ST. VIRGIL ARBEITE ICH SEHR SEHR GERN; ja, wir von der Lebenshilfe gehören hier
voll dazu. Zu meinen Aufgaben gehört es auch, die Bezirksblätter zu verteilen, das
ist eine interessante Arbeit. Aber das Leben darf nicht nur aus Arbeit bestehen, ich
habe viele Hobbys: Ich sammle Mineralien und liebe es, auf Türme zu steigen, um
den Wolken ganz nah zu sein. Wenn ich auf Kirchtürme steige und von dort oben auf
die Welt und in die Wolken schaue, bin ich richtig glücklich. Da wird alles leicht und
überschaubar: Ich mach dann viel Fotos, die vom Kirchturm in Goldegg gefallen mir
besonders gut. Ja, da war ich auf Kur und habe jede Gelegenheit genutzt, vom
Kirchturm aus in den Himmel zu schauen.
Ein freier Blick auf andere
BIRGIT PALZER, PFARRPRAKTIKANTIN IN DER PFARRE ANIF
VORURTEILE HAT MAN SCHNELL: Man sieht jemanden und meint, zu wissen, wie er oder
sie tickt. Für mich ist es Freiheit, diesen Weg nicht zu gehen, immer wieder darauf
zu achten, dass ich keine vorgefassten Meinungen mit mir herumtrage. Der eng-
stirnige Blick auf die Welt, hilft nicht weiter; ich will mutig in die Welt schauen und
mir das Tag für Tag aufs Neue vornehmen. Dass ich dabei vermutlich auch anecke,
nehme ich in Kauf, das ist Teil von Lernen und Lebendigkeit. In meinem Pfarr-
praktikum begegne ich unterschiedlichen Menschen, von allen kann ich etwas
lernen, etwas mitnehmen von ihrer Art und ihrer Haltung: So schaffe ich neue
Blickwinkel und Standpunkte – das ist Loslassen.
Fasten
Einfach loslassen
Leichtigkeit steht gegen Beschwerlichkeit im Leben, die
Fastenzeit bietet den Rahmen für Veränderungen. Loslassen
ist leicht gesagt und schwer getan: Wer nah bei den Wolken
sein will, muss hoch hinaufsteigen; wer Ecken und Kanten
zeigt, eckt an. Innehalten und nachdenken: So beginnt
Veränderung.
Fotos: Christina Repolust
Dagegen halten
Mag. Sabine Aschauer-Smolik ist die
Leiterin der Öffentlichen Bibliothek sowie
der Bezirksstelle und lokalen Stelle der
Volkshochschule Saalfelden; zudem ist die
studierte Historikerin Geschäftsführerin
des Bildungszentrums Saalfelden.
Die Bildungsexpertin Sabine Aschauer-Smolik setzt auf
lokale und regionale Kooperationen, die niederschwellig
sind, Gespräche in Gang bringen und Vorurteile abbauen.
Derzeit haben Stammtischparolen
Hochsaison; Sie laden also ganz
bewusst zum Format „Stammtisch“
ein und das sehr erfolgreich. Welche
Idee steckt dahinter?
ASCHAUER-SMOLIK:
Ein Stammtisch ist
an sich ja etwas Gutes, man trifft sich
und tauscht sich aus.
Wir vom Bildungszentrum haben ge-
meinsam mit dem Salzburger Bil-
dungswerk und dem dort angesiedel-
ten Projekt „Querbeet“ die hier bei
uns vertretenen Glaubensgemein-
schaften eingeladen, das Thema „Zu-
sammen leben“ aus ihrer Sicht zu be -
leuchten.
Der erste Stammtisch findet im Pfarrsaal
der Katholischen Pfarre Saalfelden statt,
wer kommt noch dazu?
ASCHAUER-SMOLIK:
Außer der katho-
lischen und evangelischen Pfarre sind
noch die Serbisch-Orthodoxen, die
Muslime, die Bahai und die Budd-
histen dabei. Jeder und jede, die das
Thema „Zusammenleben“ interessiert,
kann kommen, wir setzen bei diesem
Format auf Kontakt und Austausch!
Wäre das nicht ein Modell, das viele
Pfarren bzw. Pfarrgemeinderäte
übernehmen könnten: Niederschwel
-
lig und informativ, möglicherweise
sogar Feindbilder abbauend?
ASCHAUER-SMOLIK:
Genau das ist un-
ser Ziel. Wir setzen Schritte gegen das
Auseinanderdividieren von Gruppen.
Vorurteile entstehen, weil man Bilder
von anderen im Kopf und diese nie
an der Realität überprüft hat. Wenn
wir Menschen zusammenbringen,
kommen sie ins Gespräch, begegnen
einander auf Augenhöhe: Gruppen
reden mit- und nicht länger über-
einander.
Welche Projekte planen Sie als
Historikerin zu den Gedenkjahren
1918 und 1938?
ASCHAUER-SMOLIK:
Wir setzen mit Ver-
anstaltungen und entsprechender
Schwerpunktliteratur Akzente. Es ist
falsch, „die Dinge“ ruhen lassen zu
müssen. Sie müssen bearbeitet wer-
den, das zeigen die aktuellen Sager
einzelner Politiker. Wenn heute Men-
schen abgeschoben, Kinder aus
Schulklassen und Gemeinschaften
gerissen werden, hinterlässt das
nicht nur bei den Abgeschobenen
Traumatisierungen. Ihre Mitschüle-
rInnen werden uns einmal fragen:
Warum habt ihr zugeschaut? Wir ern-
ten jetzt die Früchte dessen, dass in
Österreich die Themen Nationalsozi-
alismus, Faschismus und Rassismus
zu wenig aufgearbeitet wurden. Wie
gelingt es also, kein Mitläufer, keine
Mitläuferin zu sein bzw. zu werden?
Dagegenhalten, das war auch das
Motto des ehemaligen Saalfeldner
Bürgermeisters Karl Reinthaler, er für
seine Haltung 1942 bis 1945 ins Ar-
beitslager musste.
Interview: Christina Repolust
Foto: Christina Repolust
kontakt 80 | Februar 2018 19
PASTORAL MIT MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN
Fotoausstellung zum
WeltDownSyndromTag 21.3.
Aktionstag mit Musik und Kulinarik
Menschen mit Down Syndrom, ihre Familien und
Freunde feiern diesen Tag, Musikalisches des inklusiven
Chors der NMS Diakonie, … der inklusiven Band, … des
syrisch-österreichischen Ensembles ’amal, … mitfeiern,
sich informieren, plaudern, essen, …
Organisation: Barbara Schubert
Mittwoch, 21. März 2018 • 13.00–17.00 Uhr
Veranstaltungsort: Erzbischöfliches Palais, Foyer/
Eingangshalle, Kapitelplatz 2
Info: Die Fotoausstellung ist bis zum 20.4. zu besuchen
REFERAT FÜR SPIRITUALITÄT UND EXERZITIEN
Von Jesu Botschaft berührt
Kirche gestalten
Befreit zur Liebe. Exerzitien für den Pfarrgemeinderat
Während fünf Wochen setze ich mich täglich persönlich
mit Impulsen aus dem Leben Jesu auseinander. Die
Frohe Botschaft und die Menschenfreundlichkeit Jesu
stehen im Mittelpunkt. Beides kann uns auch heute noch
anstecken, Orientierung bieten und in die Nachfolge
rufen.
Referenten: Exerzitien im Alltag-LeiterInnen
Datum wird von Ihnen festgelegt, 2 Stunden wöchentlich
an 6 Abenden innerhalb von 6 Wochen
Veranstaltungsort: wird von Ihnen festgelegt
Anmeldung: Mag.
a
Angelika Gassner, angelika.gassner@
seelsorge.kirchen.net · Bitte rechtzeitig ansuchen!
Info: Referat für Spiritualität, 0662-8047-2375
kontakt 80 | Februar 201818
VeranstaltungenVeranstaltungen Service
Es gibt so Tage, da würde ich gerne mit
jemandem reden!
Vertraulich – Kostenlos – Rund um die Uhr
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Suche nach spirituellen Angeboten?
0662 - 8047 2087
Franziskanergasse 3, Salzburg
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Wir sehen es als unsere Aufgabe, für
Jugendliche und ihre Interessen Partei
zu ergreifen, weil wir wollen, dass ihr
Leben gelingt.
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• Exerzitien im Alltag
• Begleitung von Einzelnen und Gruppen
0662 - 8047 2375
www.kirchen.net/spiritualitaet
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Spiritualität
& Exerzitien
SPIRITUALITÄT UND EXERZITIEN
Psychologische Beratung
Information bei sozialen
und juristischen Fragen
• Geförderte Familien-Mediation
0662 - 8047 6700
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Rat für junge Leute. Kostenlos vom
Festnetz und vom Handy.
Täglich 13:00 bis 21:00 Uhr
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Salzburg, Zell am See,
St. Johann i. P., Tamsweg,
St. Michael, Wörgl
Galerie
LITURGIE
Werkstatt Wort-Gottes-Feier
Wir laden alle ausgebildeten LeiterInnen von Wort-
Gottes-Feiern ein zu diesem neuen Format: Es geht um
Austausch, Weiterbildung, nächste Perspektiven und
gemeinsames Feiern.
Referenten: Mag.
a
Birgit Esterbauer-Peiskammer und
Mag. Albert Th. Esterbauer
Montag, 23. April 2018 • 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Veranstaltungsort: St. Virgil Salzburg
Anmeldung bis 16. April 2018 unter 0662-8047-2490
oder birgit.esterbauer@seelsorge.kirchen.net
Gott schauen
Salzburger Liturgietage
Bei den Salzburger Liturgietagen geht es um die wesent-
lichen Inhalte über Liturgie, das konkrete Feiern von
Liturgie und das gemeinschaftliche Miteinander derer,
die sich für Liturgie interessieren. Input, Austausch und
gemeinsames Feiern ergänzen und befruchten einander.
Referenten: Michael Max, Hans Steinwender, Birgit
Esterbauer-Peiskammer
28. April bis 1. Mai 2018 • Beginn: 14.00 Uhr, Ende: 14.00 Uhr
Veranstaltungsort: Priesterseminar Salzburg, Dreifaltig-
keitsgasse 14, 5020 Salzburg
Anmeldung bis 15. März 2018 unter 0662-8047-2300 bei
Andrea Brunauer oder liturgie@seelsorge.kirchen.net
Info: max. 20 Teilnehmer; Kosten: E 250,– (ÜN/F, Mittag-
essen, Kursbeitrag); Detailfolder im Liturgiereferat
erhältlich
BIBELREFERAT
Der Zauber des Neuen Testaments
Bergpredigt, Gleichnisse Jesu, apogryphe Schriften,
Matthäus, Jüngerinnen, 2. Korintherbrief, Hinführung
mit ganzheitlichen erlebnisorientierten Methoden
Referent: Pfr. Heinrich Wagner
16.–17. März / 6.–7. April / 4.–5. Mai / 15.–16. Juni /
21.–22. September / 5.–6. Oktober 2018, Freitag 15.00 Uhr
bis Samstag 17.00 Uhr
Veranstaltungsort: St. Virgil Salzburg
Anmeldung: bis 10. März im Bibelreferat bei Irene Ritter-
Veltmann, 0662/8047-2070 oder bibelreferat@seelsorge.
kirchen.net
Info: Heinrich Wagner, 0676-87462071
Vom Steinbock bis
zum großen Fisch
Tiere in der Bibel
23.3.–17.9.18, im Zoo täglich,
in der Bibelwelt täglich außer Di und Mi • 10:00–18:00 Uhr
Veranstaltungsort: Zoo Salzburg (5081 Anif) und Bibel-
welt (Plainstraße 42a, 5020 Salzburg)
Info: Eduard Baumann, 0676-8746 7085,
bibelwelt.at@gmail.com, www.bibelwelt.at
Bild: Verena Hochleitner
kontakt 80 | Februar 2018
www.pfarre-hallein.at
„Wir wollen, dass unsere Pfarre wieder ins Gespräch
kommt. Die Menschen hier sollen wieder stärker
wahrnehmen, dass es neben anderen Religionsgemein-
schaften die katholische Pfarre gibt“, erzählt Pasto-
ralassistentin Andrea Leisinger. Der erste Schritt war
es, den Pfarrbrief neu zu gestalten. Der neue Stil
forderte auch ein neues Layout: Klare Ansagen,
ausdrucksstarke Texte und ein A3-Faltblatt, das die
Pfarre an jeden Haushalt in Hallein verschickte. So
gelang der erste Schritt: Jeder Haushalt erhielt den
Weihnachtspfarrbrief! „Wir sind stolz auf diesen
Start, die Rückmeldungen waren alle positiv, wir
als Pfarre sind wieder im Gespräch“, freut sich das
Team um Andrea Leisinger. „Im Zuge der Eröff-
nung des Gruber-Platzes in Hallein setzten wir das
zweite Zeichen. Vom Kirchturm hängt nun eine
3x10 Meter große Fahne mit einer klaren Aussage
und dem Hinweis, dass das Stille-Nacht-Gedenk-
jahr mit der Pfarre Hallein zu tun hat. „Gut, dass
es die Pfarre gibt. Jesus, der Retter ist da.“ Die
letzte Liedzeile von „Stille Nacht, heilige Nacht“
spannt den Bogen zu unserer Glaubenszusage.“
Bezüge zu aktuellen Themen zu nehmen,
be währt sich, nicht nur in Hallein.
21
Best Practice
kontakt 80 | Februar 201820
ilippa, ich schenke dir das Gelb für den Regenbogen deines Lebens.
Gelb wie ein Zitronenfalter
Gelb wie die Sonnenblumen
Ich wünsche dir Freude: Beim Krabbeln, beim Aufwachen,
beim Einschlafen, mit deinen Eltern, mit uns allen als Familie,
mit deinen ersten eigenen Freundinnen und Freunden.
Filippa, ich schenk dir das Grün für den Regenbogen deines Lebens.
Grün wie ein Frosch.
Grün wie der Wald.
Ich wünsche dir Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit: bei deinen Eltern,
bei uns allen, dass wir achtsam auf dich schauen,
dein Tempo erkennen und sicher an deiner Seite bleiben.
Filippa, ich schenke dir das Lila für den Regenbogen deines Lebens.
Lila,wie der Hut einer Fee.
Lila wie Veilchen.
Ich wünsche dir Kraft und Energie: für dein Krabbeln,
dein Aufstehen und Hinfallen, die ersten Schritte – immer weiter wird dein Radius,
immer mehr Menschen gehören zu deinem Leben dazu.
Filippa, ich schenke dir das Blau für den Regenbogen deines Lebens.
Blau wie der Himmel.
Blau wie das Wasser, der See, der kleine Bach.
Ich wünsche dir Zuversicht, Unermüdlichkeit, Ausdauer:
Bleib am Ball, folge dem Ziel, lass dich nicht drausbringen.
Filippa, ich schenke dir das Rot für den Regenbogen deines Lebens.
Rot wie der Abendhimmel.
Rot wie die Tomaten, die gut schmecken.
Liebe folgt keiner Logik. Liebe ist da, niemand muss sie sich verdienen,
es reicht, so zu sein, wie du bist, wie wir alle sind.
Impuls
Wünsche zur Taufe
F
Die Pfarre ins
Gespräch bringen
Wie erreichen wir die Menschen in möglichst
allen Stadtteilen von Hallein? Diese Frage war
einer der Ausgangspunkte, mit dem der Arbeits-
kreis Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtpfarre
Hallein zur Tat schritt.
ANDREA LEISINGER,
Pastoralassistentin in der
Pfarre Hallein
pastass.hallein@pfarre.kirchen.net
Die Weihnachtsausgabe des neuen Pfarrbriefes der Stadtpfarre Hallein.
Christina Repolust
Werkzeugkasten
kontakt 80 | Februar 201822 23kontakt 80 | Februar 2018
Interviews richtig führen
Interviews sind zeitintensiv, doch
der Aufwand lohnt sich. Men-
schen treten hinter ihren Ideen
hervor und erzählen Lebensge-
schichte(n), so entstehen leben-
dige Porträts.
KONTAKT: Wann ist es sinnvoll, ein
Inter view zu drucken statt einer
Geschichte?
MICHAELA HESSENBERGER:
Wenn wir
unseren Lesern umfangreiche
oder sogar komplizierte Inhalte
ver ständlich erklären, wenn wir
Hintergründe beleuchten – oder
wenn wir einen Menschen dar-
stellen möchten. Personen wer-
den so greifbarer für uns. Das
müssen nicht immer die Stars im
Rampenlicht sein. Schöne Inter-
views lassen sich mit allen Leuten
führen, die etwas zu erzählen ha-
ben, die für etwas eintreten und
brennen. Davon gibt es in den
Pfarren ja genug.
KONTAKT: Ein Interview ist eine
aufwändige Sache. Was muss
geschehen, bevor man jemanden
zum Gespräch trifft?
HESSENBERGER:
Ohne umfangreiche
Vorbereitung geht nichts. Wer die
Fragen stellt, muss bestmöglich
über das Gegenüber informiert
sein. Es kommt nicht gut an,
wenn man nach Dingen fragt, die
ohnehin zehn Mal im Internet
stehen. Nachfragen, ob das kor-
rekt ist, geht sehr wohl. Also: Was
finden wir schon vorher über die
Person heraus, was hat es mit
dem Fachgebiet dieses Menschen
auf sich, was sagen andere über
sie oder ihn? Es tut gut, schon vor-
her zu wissen, was man mit dem
Interview bezwecken möchte und
wo es letztlich hinführen soll. Vor-
bereitung ist auch ein Zeichen
von Wertschätzung; und sie ge-
hört einfach zum Job des Journa-
listen.
KONTAKT: Reicht es, sich ein paar
Fragen zu notieren?
HESSENBERGER:
Den genauen Ab-
lauf der Gesprächszeit kann man
sowieso nicht planen. Sich meh-
rere Fragen zu überlegen, ist
wichtig. Man muss ja nicht alle
stellen. Viele ergeben sich dann
noch im Laufe des Interviews. Der
ganze Prozess ist etwas Leben-
diges. Dazu zählen zuhören, rea-
gieren und Zwischen fragen stel-
len. Je mehr man sich auf das
Gegenüber einlässt, desto mehr
Vertrauen entsteht und des to
spannender wird das Ergebnis für
die Leser. Auch Spaß ist nicht ver-
boten.
KONTAKT: Kann man das Fragen
lernen?
HESSENBERGER:
Freilich. Wer sich
für das Pfarrblatt interviewen
lässt, geht meist in guter Stim-
mung in den Termin und ist offen
zu berichten. Sachfragen haben
dann genauso ihre Berechtigung
wie persönliche Fragen – je nach-
dem, wo wir mit dem Interview
inhaltlich hinwollen. Offene Fra-
gen laden zum Plaudern ein, ge-
schlossene zu prägnanten Aus-
sagen, entweder ja oder nein. Ist
etwas zu komplex, kann der Inter-
viewer um Beispiele bitten, die
die Situation umreißen. Man darf
sich alles haarklein erklären
lassen. Nur weil wir die Fragen
stellen, müssen wir noch lange
keine Experten auf jedem Gebiet
sein. Und wenn wir öfter Inter-
views führen, kommt dann auch
die Sicherheit mit dieser Text-
sorte.
KONTAKT: Und dann beim Nieder-
schreiben des Interviews?
HESSENBERGER:
Kürzere und län-
gere Antworten dürfen sich gerne
abwechseln. Der Fragensteller
sollte sich so weit zurücknehmen,
dass die Antworten jedenfalls län-
ger sind als die Fragen – selbst,
wenn diese noch so ausgefeilt
sind. Zum Text gehört eine Be-
schreibung der Person am Anfang
oder am Ende des Interviews. Wir
wollen ja wissen, warum ausge-
rechnet dieser Mensch zu uns
„spricht“. Plus: Wir brauchen ein
Foto zum Interview, damit man
auch ein Gesicht zum Namen hat.
Fragen richtig stellen!
Auch für pfarrliche Medien lohnen sich Interviews.
Wie man sie vorbereitet und führt, erfahren Sie
hier von einer Expertin.
klaudia.achleitner@seelsorge.kirchen.net, +43 (0) 676 8746 6668
Planungsklausuren
Viele von uns kennen den Ablauf von Planungsklau-
suren. Anfangs wird aufgeschrieben, was alles schon ge-
tan wird. Das ist gut und ermöglicht nochmals Rückmel-
dungen. Angesichts der Fülle können Sie gemeinsam
Erfolge feiern. Manches wird Ihnen aber auch Anlass ge-
ben, es zu hinterfragen, ob es in der gewohnten Art und
Weise weitergeführt werden soll.
Bei den nächsten Schritten in der Planungsklausur werden
klare Ziele für die Zukunft formuliert. Daraus werden die
Aufgaben und konkreten Vorhaben abgeleitet. Sehr emp-
fehlenswert ist es, vor der Planung der nächsten Schritte
die Perspektive jener einzunehmen, für die das jeweilige
Vorhaben gedacht ist.
Eine Hilfestellung dafür könnte folgender Plan sein:
Reden – Planen – Umsetzen
Texte auf den Punkt bringen
Einfache Sprache erreicht die Lese-
rInnen, das Wesentliche an den An-
fang stellen und dann frisch weiter-
schreiben.
Verben machen Texte
lebendig
„Die Verteilung des Pfarrblattes
durch Ehrenamtliche hat sich be-
währt.“ Dieser Satz strotzt vor No-
men, klingt recht sperrig und er-
stickt die Freude derer, die das
Pfarrblatt austragen, mit Menschen
reden, lachen und nachdenken, im
Keim. „30 Menschen, 3000 Pfarrblät-
ter, wie viele Kilometer?“ Ja, es sind
so viele, die mit dem Pfarrblatt von
Postkasten zu Postkasten und von
Tür zu Tür gehen.
Aktiv- statt Passivsätze
„Die Erstkommunionkinder werden
am Sonntag im Gottesdienst vorge-
stellt“. Besser: 25 Erstkommunion-
kinder in unserer Pfarre! Sie stellen
sich am Sonntag vor: Kommen auch
Sie!
Aktiv-Sätze sind gut les- und ver-
stehbar, geben mit Schwung Infor-
mationen wieder.
Ein Satz mit 10 Wörtern lässt sich gut
lesen. Nie um den heißen Brei
schreiben, sondern direkt sagen,
was Sie mitteilen wollen.
Christina Repolust,
Pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit
Kurze Sätze, klare Aussagen
Klare Formulierung des Vorhabens: am besten in eine Frage verpackt
Beschreibung des Vorhabens in wenigen Sätzen:
Das Vorhaben so konkret beschreiben, dass auch eine
außenstehende Person verstehen kann, worum es geht und
wie es umgesetzt werden soll. Das hilft auch Ihnen, um zu
klären, was dieses Vorhaben genau bedeutet.
Für wen ist das Vorhaben?
Nennen Sie eine spezifische Gruppe.
Wer soll sich davon angesprochen fühlen?
Alle oder die Frauen oder die Männer ist viel zu allgemein!
Das Vorhaben löst folgendes
Problem:
Kontakt, Dialog, Angebot mit einer
spezifischen Gruppe, die Sie bisher
nicht erreicht haben
Was sind die nächsten Schritte, die
getan werden müssen, um das
Vorhaben zu verwirklichen?
Konkreter Zeitplan und klare
Verantwortlichkeiten
Die oben beschriebene Gruppe mag
das Ergebnis des Vorhabens, weil:
Welche Verhaltensweise dieser
Gruppe weist darauf hin, dass ihnen
das Vorhaben gefallen wird?
UNSER ANGEBOT:
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Organisationsentwicklung und Gemeindeberatung in der
Erzdiözese Salzburg begleiten Sie gerne bei einer Klausur oder Sitzung Ihres Pfarrgemeinderates. In einer Vorbespre-
chung legen wir gemeinsam die Themen und die Dauer der Beratung fest. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Klaudia Achleitner, Referentin für
Organisationsentwicklung und
Gemeindeberatung
Michaela Hessenberger ist
Redakteurin bei den Salzburger
Nachrichten. Seit Oktober
schreibt sie in der Wiener
Redaktion für das Ressort
Chronik. Zuvor war sie in der
Lokalredaktion der SN.
kontakt 80 | Februar 201824
„Der Herr schenke uns
die Weisheit, das zu
suchen, was wirklich
zählt, und den Mut, nicht
mit Worten zu lieben,
sondern mit Taten!“
Papst Franziskus
Die richtige Antwort auf die Frage der vergangenen
Ausgabe lautet „Franz Xaver Gruber; Joseph Mohr“.
43 LeserInnen haben diese richtige Lösung gewusst
und eingeschickt, daraus haben wir folgende drei
Gewinnerinnen gezogen.
Gewonnen haben: Ruth Bindhammer, Söll;
Maria Lochner, Mühlbach am Hochkönig;
Karin Prassl, Wald im Pinzgau.
Wir gratulieren herzlich!
Buchtipp
ES WÄR SO LEICHT,
DIE SICHTWEISE ZU ÄNDERN
iki Glattauer versteht sein Handwerk, so-
wohl als Lehrer als auch als Autor. Er dreht
die Richtung der Flucht einfach um: Men-
schen fliehen aus Europa, setzen sich in
unsichere Boote, die sie übers Mittelmeer nach
Afrika bringen sollen. Diese Flucht ist der einzige
Weg, zu überleben! Der Fokus des Textes sowie
der ausdrucksstarken Illustrationen von Verena
Hochleiter richtet sich auf eine Familie, die alles,
was bisher ihr Leben ausmachte, zurücklassen
muss. Bange Fragen tauchen auf: Gibt es in der
neuen Heimat Schulen? Welche? Welche Sprache
sprechen die Menschen dort? Wird man sie erler-
nen? Hier zeigt kein pädagogischer Zeigefinger
auf das Sollen und Müssen und Wollen, hier er-
zählt ein Mensch mit viel Herz. „Die Menschen
werden euch verstehen, am Anfang mit dem Her-
zen“, so eine Trostzeile des Familienvaters auf
der Überfahrt.
Dass diese Geschichte aus der Perspektive der
Familienkatze E.T. erzählt wird, garantiert die
nötige Distanz und bringt zudem diffuse Ängste
der 4-köpfigen Familie zum Ausdruck: Ja, das Le-
ben einmal aus einer anderen Perspektive sehen,
das wär ein Anfang!
Wissen&Gewinnen
FRAGE: Für welche zwei Pfarren ist Dechant
Alois Dürlinger zuständig?
Einen Hinweis auf die richtige Antwort finden
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per Mail an christina.repolust@seelsorge.
kirchen.net oder an Christina Repolust,
Redaktion Kontakt, Gaisbergstraße 7,
5020 Salzburg.
Aus allen richtigen Einsendungen verlosen wir
DREI EXEMPLARE des nebenstehenden rezen-
sierten Bilderbuches für Kleine und Große.
Niki Glattauer (Text);
Verena Hochleitner
(Illustrationen):
FLUCHT.
Innsbruck: Tyrolia Verlag.
32 Seiten.
Für Kinder ab 4 Jahren.
Der nächste erscheint Anfang Mai 2018.
N
5020 Salzburg
Kapitelplatz 6
Telefon 0662 - 84 21 48
Fax -75
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