Christus ist Auferstanden

 

„Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier, denn er ist auferstanden!“

 

SALZBURG (eds - 17.4.2017) Liebe Brüder und Schwestern, das ist die Welt umwälzende Botschaft, „Er ist nicht hier, Er ist auferstanden.“ Diese Kunde haben einmal frühmorgens an einem Grab, in dem man den gekreuzigten Jesus von Nazareth in Eile bestattet hatte, Frauen wahrgenommen. An dieses Ereignis haben sich Christgläubige Menschen immer wieder erinnert, wenn sie an den offenen Gräber ihrer Lieben gestanden sind.

Das ist die zentrale Botschaft unseres Glaubens, Kern und Fundament. Wenn man diesen glaubend ertastet, dann hat man alles; wer darauf steht, mag vielen Bedrängnissen ausgesetzt sein, dennoch kann er mit dem Psalmisten beten: „wenn ich auch gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil.“ (Ps. 23,4) Fehlt dieses Fundament, dann sind wir Christgläubige „erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“. So spricht es der Apostel Paulus und er führt es kompromisslos weiter aus: „Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.“  Aber dieser wenngleich nur gedachten Möglichkeit setzt er die unumstößliche Behauptung entgegen: „Nun ist aber Christus von den Toten auferstanden.“ (Vgl. 1 Kor. 15, 14-120)

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir in dieser Heiligen Nacht unser Taufbekenntnis erneuern, sollten wir dies nicht unbedacht tun, sondern vor Gott und vor einander Rechenschaft geben über die Hoffnung, die uns erfüllt. (vgl. 1 Petr. 3,15) Worin besteht diese Hoffnung? Wozu will uns der Osterglaube anspornen?

Die beiden Frauen, Maria aus Magdala und die andere Maria, seien uns Wegweiser darin. Nachdem sie frühmorgens zum Grab ihres geliebten Herrn kamen, empfängt sie der Engel mit den Worte: „Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.“ Suchen scheint der entscheidende Hinweis zu sein. Sind wir Christen unserer Zeit Suchende oder nicht doch vielmehr Wissende? Kürzlich wurde eine Untersuchung über die religiöse Situation in Salzburg durchgeführt. Das Ergebnis ist vielsprechend. Fast 40% der jungen Leute meinen zu wissen, Christ sein zu können, ohne an Gott zu glauben. Dagegen steht die eindringliche Aussage Jesu:  „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh. 14,1) Christsein kann es ohne Gottesglaube nicht geben. 25 %, das ist ein Viertel aller Christen in Salzburg glaubt an Reinkarnation, also an die Wiedergeburt. Dagegen steht die christliche Sicht, dass das Leben einmalig, eine einzigartige Gabe Gottes ist; wie der Psalmist sagt: „Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast… Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen. … In deinem Buch war schon alles verzeichnet, meine Tage waren schon gebildet.“ (Ps. 139, 14-16) Durch das Erlösungswerk ist uns Christen ein Ziel geschenkt und auch erwirkt. Erst recht weiß diese Studie über das Schicksal der Kirche zu berichten: 93% sehen Religion als Privatsache an, demnach sind auch 87 % überzeugt, der Kirchenbesuch am Sonntag wird noch mehr abnehmen und die Kirchenaustritte zunehmen. Aufmerken lässt mich nicht diese Einschätzung der Glaubenssituation, sondern dass vom eigentlichen Zentrum christlichen Glaubens, vom Geheimnis, das wir in dieser Heiligen Nacht feiern überhaupt nicht mehr die Rede ist: von der Auferstehung. Ohne Auferstehung, wie vorhin erwähnt, gibt es auch kein Christsein mehr. In diesem Fall sind wir schlechter daran als alle anderen Menschen. Aber: „Nun ist Christus von den Toten auferstanden.“ - Wie der Apostel  sagt und die Kirche durch alle Zeiten hindurch immer verkündet hat, bis auf diese heutige Feier.

Darum sind wir heute aufgefordert, unser Taufversprechen ernst zu nehmen. Wir sollen uns innerlich aufmachen, dorthin, wo nicht das grelle Scheinwerferlicht des Wissens herrscht, sondern die Sehnsucht wohnt. Die beiden Frauen waren in der Morgendämmerung unterwegs. Sie gingen, um nach dem Grab zu schauen und da überrascht sie der Engel mit der Zusage, dass er weiß, was sie suchen. Dabei sagt der Bericht das gar nicht. Sie wollten nach dem Grab schauen und wurden in diesem Tun als Christussuchende entdeckt. Hier scheint mir der Schlüssel zum Auferstehungsglauben zu liegen. In der Taufe wurde und wird in uns diese Sehnsucht unaufdringlich grundgelegt, eine Sehnsucht, die auf den Weg ist, mehr unbewusst als bewusst unterwegs auf Gottsuche. Auferstehung ist das unwiderrufliche Versprechen Gottes, dass er sich finden lässt. Wie es im Lied der Lydia so schön heißt:

„Ich habe gesucht und Du, oh Gott, hast mich gefunden!“

Osterpredigt von Erzbischof Franz Lackner

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