20 Jahre kids-line: Gewalt in der Familie ist Top-Thema

 

Die kids-line, der „junge Zweig der Telefonseelsorge“, feiert ihren 20. Geburtstag

 

SALZBURG (eds-17. 10. 2019) / Wenn Margrit Fingerlos vor dem Bildschirm sitzt, betreut sie manchmal fünf Kinder und Jugendliche gleichzeitig. Sie ist ehrenamtliche Chat-Beraterin bei der kids-line, dem „jungen Zweig der Telefonseelsorge“, wie es Leiter Gerhard Darmann beschreibt. Fingerlos kennt die Sorgen und Nöte der jungen Salzburgerinnen und Salzburger. „Ihre furchtbare Einsamkeit, die Verwahrlosung durch ihre Eltern und die Angst berühren mich am meisten“, sagt sie.

Seit genau 20 Jahren ist die kids-line mit Rat für junge Leute da. Koordinatorin Katja Schweitzer: „Wir wissen, dass rund ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen psychische Störungen aufweisen. Das spüren wir am Telefon und vor allem in den Chats.“

Warum die Telefonanrufe weniger und die schriftlichen Kontakte rasant mehr werden? „Weil das Schreiben am Smartphone einfach das Medium der Jungen ist. Und weil viele nicht ungestört telefonieren können, während sich zu Hause Gewalt abspielt“, erklärt Schweitzer.

3000 ehrenamtliche Stunden für die Sorgen junger Menschen


Der Impuls für die kids-line kam vor mehr als zwei Jahrzehnten vom Land Salzburg. Den Namen kids-line haben Schülerinnen und Schüler in einer Umfrage ausgewählt. Die Erzdiözese Salzburg stellt Räume und Infrastruktur zur Verfügung. Vor rund zwei Jahren ist auch die Stadt Salzburg als Unterstützerin eingestiegen. Seither ist die Chat-Beratung möglich. 3000 ehrenamtliche Stunden haben die Beraterinnen und Berater allein zwischen Jänner und September 2019 geleistet – in 1500 Telefon- und 8000 Chat-Kontakten.
Telefonseelsorge-Chef Gerhard Darmann erzählt, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 200 Frauen und Männer im Dienst der kids-line gestanden sind. „Wir sind zum etablierten Praktikumsplatz im psychosozialen Netz Salzburgs geworden“, sagt er. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge werden auch als kids-line-Berater geschult.


kids-line wirbt mit emotionalen Filmen in Kinos


Liebe und Sexualität, Angst, Stress, Wut und Einsamkeit – das sind die Themen, mit denen junge Leute zur kids-line kommen. „Das absolute Top-Thema im Chat sind Gewalterfahrungen innerhalb der Familie“, sagt kids-line-Koordinatorin Katja Schweitzer.
Aus diesen fünf großen Themen hat der Salzburger Filmemacher und Regisseur Daniel H. Ronacher fünf Kurzfilme mit je einer Minute Länge gemacht. Sie werden ab 22. November in 880 Schaltungen in den beiden Salzburger Cineplexx-Kinos zu sehen sein. „Die emotional aufreibenden Geschichten, die wir erzählen, kommen direkt aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen“, sagt Ronacher. Sein Team und er haben sich für die Produktion zwei Monate in das Leben in den Schulen eingefühlt, „damit nicht alte Werber etwas für Junge machen, sondern damit die Zielgruppe eine echte Verbindung spürt“. Die Kurzfilme werden auch in sozialen Netzwerken verbreitet.

 

Foto: Regisseur Daniel H. Ronacher, Julia Brunhuber (solidshot) und das Team der kids-line mit Chat-Beraterin Margrit Fingerlos, Telefonseelsorge-Leiter Gerhard Darmann und kids-line-Koordinatorin Katja Schweitzer (von links)

Foto: Andreas Kolarik

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