65. Internationale Pädagogische Werktagung zum Thema „Zeit“ eröffnet

 

Es gibt für alles eine bestimmte Zeit, so ist es bereits im Buch Kohelet zu lesen. Zeit gibt unserem Leben Struktur, sie treibt uns zuweilen vor sich her und will manchmal einfach nicht vergehen.

 

SALZBURG (eds/kbw - 12.7.2016) /Das Thema, dem sich die  65. Internationale Pädagogische Werktagung Salzburg in diesem Jahr widmet, ist komplex. In bewährt interdisziplinärer Herangehensweise nähern sich die ReferentInnen dem Geheimnis der Zeit auf philosophische, physikalische, psychologische, pädagogische und spirituelle Art und Weise. Eine Woche lang werden neue Forschungsergebnisse diskutiert und in Arbeitskreisen vertieft.

In seinen Grußworten hielt Erzbischof Franz Lackner dazu an, dem Thema Zeit mit Reflexion, aber auch mit Proflexion zu begegnen: „Durch Reflexion geschieht Erinnerung, das bedeutet Bewusstwerdung einer Vorgeschichte. Die Proflexion lässt in uns Zukunft bewusst werden, die Vergangenheit werden wird.“ Er bedauert das zunehmende Abhandenkommen von Muße und dem Nachsinnen von Selbstverständlichem, das in unserer von ökonomischen Interessen gesteuerten Kultur zu kurz komme.

Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer betrachtet kritisch, wie unsere Zeit eine immer schnelllebigere wird – nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeiten und intensiven Nutzung der neuen Medien. Als Stichwort nannte er den Begriff „POPC“, der in der Zeitforschung das Phänomen des ständigen Vernetzt-Seins beschreibt: „permanently online, permanently connected“. 

Clemens Hellsberg, langjähriger Vorstand der Wiener Philharmoniker und Eröffnungsredner der diesjährigen Werktagung, nähert sich dem Thema Zeit naturgemäß mit einem Blick auf die Kunst. Mithilfe ausgewählter Stücke verdeutlichte er, dass Zeit in der Musik sich keineswegs auf Fragen des Tempos und Rhythmus beschränkt, sondern in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Komponente darstellt. Der Gedanke der Dreidimensionalität der Zeit (Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft) beschäftigt die Kunst seit jeher. Hellsberg stellte die Frage in den Raum, ob große Meister durch ihre Werke nicht für einen Moment wieder zum Leben erweckt und so zu unseren Zeitgenossen gemacht würden. „In der Kunst lässt sich immer wieder Neues entdecken. Sie lässt uns dadurch eine Ahnung von Unendlichkeit erleben“, argumentiert er. Das scheinbare Paradoxon, dass kurze Augenblicke in der Musik zu Sternstunden werden können, lässt die Überzeitlichkeit von Musik deutlich werden. Wie einst Augustinus ist auch Clemens Hellsberg überzeugt: „Zeit wohnt in der Seele“.

Weitere Vorträge zum Thema Zeit finden bis einschließlich Freitag jeweils um 9.15 Uhr und 11.00 Uhr in der Großen Universitätsaula am Max-Reinhardt-Platz statt. Details zum Programm und weitere Informationen erhalten Sie auf www.bildungskirche.at/Werktagung sowie unter Tel. 0676 8746-7510. Einzel- sowie Vormittagskarten sind an der Tageskasse erhältlich.

Fotos: Clemens Hellsberg: Der langjährige Vorstand der Wiener Philharmoniker Prof. Dr. Clemens Hellsberg referierte zum Thema „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Gedanken zur Bedeutung der Zeit in der Musik“

Wilfried Haslauer: Gemeinsam mit Erzbischof Dr. Franz Lackner und Landesrätin Mag. Martina Berthold, MBA eröffnete Dr. Wilfried Haslauer die 65. Internationale Pädagogische Werktagung

Eröffnung: v.l.: Dr. Wilfried Haslauer, Mag. Martina Berthold, MBA, Prof. Dr. Clemens Hellsberg, Erzbischof Dr. Franz Lackner, Univ.-Prof. Dr. Anton A. Bucher (Präsident der Int. Päd. Werktagung Salzburg)

KBW Direktor Andreas Gutenthaler 

Erzbischof Franz Lackner und Clemens Hellsberg

Bilder: eds, eds/Katholisches Bildungswerk Salzburg

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