67. Internationale Pädagogische Werktagung eröffnet

 

Tagung beschäftigt sich mit Lebensräumen in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen und deren Bedeutung für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen

 

Sei die Welt nicht bereits ein globalisiertes Dorf geworden und der Plural „Lebensräume“ im Tagungstitel daher obsolet? Erzbischof Franz Lackner stellte seine Überlegungen zum diesjährigen Thema der Internationalen Pädagogischen Werktagung bei seinen Grußworten in den sprichwörtlichen Raum. Er kommt allerdings zu dem Schluss, dass sich bei näherer Betrachtung doch vielfältige Lebensräume ergeben: in der Natur, in der Kirche, in der Gesellschaft. „Raum verträgt Mannigfaltigkeit“, so der Erzbischof. Im Spannungsfeld zwischen Individuen und der Gesellschaft als Kollektiv gelte es allerdings wachsam zu sein, dass Lebensräume nicht zu „Ellbogenräumen“ verkommen und Menschlichkeit den Kürzeren ziehe: „Dieser Tendenz gilt es vehement zu wehren.“ Landeshauptmann Wilfried Haslauer erweiterte den Raumbegriff um digitale Räume, die unsere Gesellschaft fundamental verändern. Wissen sei mittlerweile demokratisch geworden und keine Einbahnstraße mehr in Form von Brockhaus-gefüllten Bücherregalen. Neben dem Potential, das den neuen technischen Möglichkeiten innewohnt, dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass Google, Facebook und Co. mehr und mehr Zeit gewidmet wird, die an anderer Stelle eingespart werden muss – etwa bei ehrenamtlichen Engagements, bei kreativen Tätigkeiten … Haslauer gibt zu denken: „Was heißt das für die eigenständige Kreativität, für das selbstständige Lernen?“ Die Bildungspolitik sei hier gefordert, mit der Herausforderung dieser kulturellen Veränderungen umzugehen. 

Die Politikwissenschafterin und Eröffnungsrednerin Kathrin Stainer-Hämmerle näherte sich dem Tagungsthema naturgemäß aus dem Blickwinkel der Politik, die sowohl den öffentlichen Raum als auch das persönliche Lebensumfeld gestaltet. Sie stellte Vergleiche mit der Welt des Sport an, wo es klare Regeln gäbe, eine definierte Spieldauer, klare Gewinner und Verlierer und trotzdem ein partnerschaftliches Shake-hands im Anschluss an das Spiel. Die Welt abseits des Fußballrasens sei allerdings gekennzeichnet durch sich stark verändernde Bedingungen, wenig Vorhersehbarkeit und komplexe Zusammenhänge, die unser Leben undurchschaubarer machen. Unsicherheit wiederum führe zu Vertrauensverlust in die Politik und fördere autokratische Tendenzen in einer Gesellschaft. Eine Politik, die Partizipation zulässt und mit den Bürger/innen kommuniziert, würde diesen Entwicklungen entgegenwirken. Es brauche im Zusammenleben gemeinsam gestaltete Räume, in denen sich Menschen begegnen, auf einen gemeinsamen Dialog einlassen, Argumente austauschen, andere Meinungen zulassen und gemeinsame Lösungen finden. „Diese Räume müssen wir von der Politik einfordern, aber selbst mit Leben und Demokratie füllen“, so Stainer-Hämmerle. Bürger/innen wird dabei Verantwortung, Vertrauen, Kooperation und die Bereitschaft zu teilen abverlangt. Demokratie gelte es in allen Gesellschaftsräumen zu leben – in der Schule, im Beruf, im persönlichen Gespräch – mit dem Bewusstsein: „Politik kann nicht abgeschafft werden, Demokratie aber sehr wohl“. 

Weitere Vorträge zum Thema "LEBENSRÄUME entdecken.gestalten.teilen" finden bis einschließlich Freitag, 13. Juli 2018 jeweils um 9.15 Uhr und 11.00 Uhr  in der Großen Universitätsaula (Max-Reinhardt-Platz, Salzburg) statt. Der  breit gefächerte Zugang reicht von psychologischen zu architektonischen, von spirituellen zu medizinischen Herangehensweisen. Details zum Programm und weitere Informationen erhalten Sie unter www.bildungskirche.at/Werktagung sowie unter Tel. +43 676 8746-7510. Einzelkarten für die Hauptvorträge sind an der Tageskasse erhältlich.

 

Foto 1 v.l.: Weihbischof Dr. Hansjörg Hofer, Msgr. DDr. Michael Landau (Präsident Caritas Österreich), Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf, Dr. Wilfried Haslauer, Prof. (FH) MMag. Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle, Univ.-Prof. Dr. Anton A. Bucher (Präsident Internationale Pädagogische Werktagung), Andreas Gutenthaler (Direktor Katholisches Bildungswerk Salzburg), Dr. Franz Lackner, Bürgermeister Dipl.-Ing. Harald Preuner

Foto 2: Kathrin Stainer-Hämmerle: Prof. (FH) MMag. Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle hielt den Eröffnungsvortrag „Teile und herrsche – Der politische Raum zwischen Konkurrenz und Kooperation“.

Foto 3: Junge Akrobatikkünstler/innen der Volksschule Anthering umrahmten die Eröffnung.

Werktagung: Die Hauptvorträge finden in der Großen Universitätsaula am Max-Reinhardt-Platz statt.

Fotos: Katholisches Bildungswerk Salzburg

 

 

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