Abschied von Wilhelm Holzbauer

 

Salzburg nahm diesen Samstag mit einem Requiem in der Kollegienkirche Abschied von Wilhelm Holzbauer. Der international bedeutende Architekt ist am 15. Juni verstorben

 

SALZBURG (eds/Salzburg-29. 6. 2019) /„Bauen dient dem Menschen. Holzbauers Architektur hilft den Menschen zu erbauen. Nicht im Sinn einer Ideologie, die den 'neuen Menschen' erschaffen möchte und das doch nur auf Kosten des 'alten' tun kann. Nein, seine Kirchen wollen Gott nicht besitzen sondern den Menschen Heimat schenken, seine Fußgängerzonen und U-Bahnen ermöglichen Begegnung und führen Menschen zueinander, sein Landhaus in Bregenz und sein Bildungszentrum in Aigen sind Orte des Dialoges auf der Suche nach einer guten Zukunft, seine Universität in Freisaal sucht den Diskurs in der Offenheit des Denkens und seine Konzert- und Festspielhäuser schenken in ganz Europa die Möglichkeit dem Leben auch noch eine andere Dimension als das eigene Vermögen zuzutrauen. Holzbauer öffnet Räume, weil er selber es so liebte, weil er gerne gesellig war, um das Leben zu genießen in dem er es mit anderen teilte. Darin war sein Leben deutlich und vielleicht sprechen deshalb auch seine Werke gerne eine deutliche Sprache. Sie üben dabei nicht Macht aus, sondern öffnen Räume, die den Menschen wachsen lassen“, so Michael Max, Rektor des Bildungszentrums St. Virgil in seiner Predigt für Holzbauer.

Liebe ist bauen gegen die Vergänglichkeit 

„Und was bleibt? Was bleibt ist die Liebe, weil sie erst im Tod bleibt. So lange etwas nicht zu einem Abschluss kommt, kann niemand sagen, ob es bleibt oder nicht. Das Bleibende setzt ein Ende voraus. Die Liebe schenkt ihr Bleiben erst im Tod. Ich kann dagegen rebellieren, mich daran aufreiben, oder ich kann mich dem zaghaft nähern und vertrauend öffnen. Es ist und bleibt der Motor aller Kunst. Ein Ton erklingt nur weil er verklingt, ein Bild kennt keine zwei Augenblicke, die gleich sind, des Dichters Wort lebt erst, wenn es im Ohr vergeht und des Architekten Bau dient nur dort, wo er einem Vergänglichen dient: dem Menschen. Und doch ist in all dem Bleibendes. Denn es wird in unser Herz gesät, dorthin, wo die Liebe wohnt. Doch erst im Tod und im Abschied nehmen, im Loslassen wissen wir, was wirklich Liebe, was endgültig Leben ist!“, so Max weiter.

Bei der kirchlichen Verabschiedung in der Kollegienkirche musizierten Stiftmusik und Stiftschor St. Peter das Schattenbach-Requiem von Michael Haydn.  

Wilhelm Holzbauer wurde 1930 in Witzling geboren und besuchte die Gewerbeschule in Salzburg. Mehr als 500 Projekte, darunter die Amsterdamer Oper, das Festspielhaus in Baden-Baden und das Landhaus in Bregenz, zählen zu seinen Werken. Von Holzbauer, der zwischen 1987 und 1991 Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien war, stammen in Salzburg so bedeutende Gebäude wie das Haus für Mozart (2003 bis 2006), der „Jahrhundertbau“ der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Salzburg-Freisaal (1973 bis 1986), das Bildungshaus St. Virgil in Salzburg-Aigen (1976), das Pfarrzentrum Salzburg-St. Vitalis (1972), das Kolleg St. Josef (1961 bis 1964) sowie die Harscher Kirche (1953 bis 1956).

Foto 1: Der international bedeutende Architekt Wilhelm Holzbauer ist verstorben. 

Foto 1: privat

Foto 2: Ein Werk des Architekten Wilhelm Holzbauer ist beispielsweise das 1976 fertiggestellte Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg-Aigen.

Foto 2: St. Virgil

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