Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie

 

Dreiwöchige Synode im Vatikan gestartet: Beratungen über Ökologie und Kirchenreformen

 

VATIKAN (eds/kap-8.10.2019) / Die Amazonien-Synode ist am Sonntag im Vatikan mit einem Festgottesdienst eröffnet worden. Papst Franziskus rief die Bischöfe dabei zum Beschreiten neuer Wege auf. Wenn alles so bleibe wie bisher, werde die Berufung der Kirche „unter der Asche der Ängste und der Sorge erstickt, den Status quo zu verteidigen“. Drei Wochen lang wollen Bischöfe gemeinsam mit Ordensleuten, Vertretern von Indigenen und Experten über Reformen des kirchlichen Lebens, aber auch über ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region beraten. Das Treffen steht unter dem Motto „Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“.

Die Kirche dürfe sich nicht auf die Erhaltung des Bestehenden beschränken, zitierte der Papst seinen Vorgänger Benedikt XVI. Wörtlich sagte Franziskus bei der Messfeier: „Jesus ist nicht gekommen, die Abendbrise, sondern das Feuer auf die Erde zu bringen.“ Viele Menschen im Amazonasgebiet trügen schweres Leid und hofften auf den „befreienden Trost des Evangeliums“, so der Papst. „Für sie, die jetzt ihr Leben opfern, für jene, die ihr Leben hingegeben haben, mit ihnen gehen wir gemeinsam“.

Zugleich bekannte Franziskus Verfehlungen bei der Missionierung Südamerikas. Oft sei „die Gabe Gottes nicht angeboten, sondern aufgezwängt worden“. Vielfach habe es „Kolonisierung statt Evangelisierung gegeben“. Mit Blick auf die Gegenwart wandte sich Franziskus gegen die "Gier neuer Kolonialismen". Das von „zerstörerischen Interessen gelegte Feuer" im Amazonasgebiet sei „nicht das aus dem Evangelium“.

Innerkirchlich wird es bei der Synode auch um eine Öffnung gegenüber indigenen Traditionen und um neue Formen der Gemeindeleitung in den schwer zugänglichen Gebieten gehen. Dabei steht auch eine Übertragung priesterlicher Aufgaben an Familienväter und neue Ämter für Frauen zur Debatte. Konservative Katholiken befürchten davon eine Preisgabe zentraler Glaubensinhalte.

Franziskus appellierte in seiner Predigt an die Bischöfe, sich „in Feinfühligkeit für die Neuheit des Geistes zu entscheiden“. Es gehe um „das Gegenteil davon, die Dinge laufen zu lassen“.

Die inhaltlichen Beratungen beginnen Montag. Unter den mehr als 280 Teilnehmern sind auch Vertreter internationaler Organisationen und Experten, darunter mehr als 40 Frauen, Klimaforscher sowie der frühere UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Ebenso werden etwa 20 Indigene bei der Synode ihre Interessen darlegen. Aus Österreich nehmen Kardinal Christoph Schönborn und der emeritierte Amazonas-Bischof Erwin Kräutler an den Beratungen teil. Das Stimmrecht für das Schlussdokument liegt allerdings nur bei den 185 sogenannten Synodenvätern, überwiegend Bischöfe.

Vatikan will CO2-Emissionen von Amazonien-Synode kompensieren

Ein Zeichen für Umweltschutz will der Vatikan bei seinem derzeitigen Bischofstreffen setzen. Kardinal Lorenzo Baldisseri warb am Montag für eine Kompensation der rund 573 Tonnen Kohlendioxid, die im Zusammenhang mit der Amazonien-Synode laut vatikanischen Berechnungen anfallen; gut 438 Tonnen gehen demnach auf das Konto der Flugreisen. Um dies auszugleichen, sollten für 10.000 Euro rund 50 Hektar des Amazonasbeckens begrünt werden, schlug der Synoden-Generalsekretär Baldisseri zu Beginn der Beratungen vor.

Es handle sich um eine „symbolische Geste“, betonte der Kardinal. Er verwies zugleich darauf, dass bei der Synode keine Materialien aus Einwegplastik zum Einsatz kämen. Vom Vatikan gestellte Tagungsmaterialien wie Papier, Stifte und Taschen seien besonders umweltverträglich gewählt worden.

Bischof Kräutler in Kommunikationsausschuss der Amazonien-Synode gewählt

Der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler ist in die Informationskommission der bis 27. Oktober in Rom tagenden Amazonien-Synode gewählt worden. Das hat der Vatikan nach dem ersten Sitzungstag der Synode am späten Montagabend mitgeteilt. Das insgesamt zehnköpfige Gremium spielt eine wesentliche Rolle bei der medialen und öffentlichen Vermittlung jener Themen, die von den in der vatikanischen Synodenaula versammelten Bischöfen, Ordensleuten, Vertretern von Indigenen und Experten in den kommenden drei Wochen gemeinsam mit dem Papst beraten werden. Geleitet wird es von Paolo Ruffini, dem Präfekten des vatikanischen Kommunikations-Dikasteriums.

Bischof Kräutler – der 80-jährige gebürtige Vorarlberger war von 1981 bis 2015 Bischof der Amazonas-Prälatur Xingu – wurde von den Synodenmitgliedern zusammen mit dem Papstvertrauten und Leiter der Jesuiten-Zeitschrift Civiltà Cattolica, Antonio Spadaro, sowie Bischof Rafael Cob Garcia aus Puyo in Ecuador und dem emeritierten venezolanischen Bischof Jose Angel Divasson Cilveti in den Kommunikationsausschuss gewählt. Die weiteren sechs Komissionsmitglieder waren vorab ernannt worden. Unter ihnen sind neben Ruffini und Vatikansprecher Matteo Bruni auch die Ordensfrau Sr. Maria Irene Lopes Dos Santos von der Amazonien-Kommission der Brasilianischen Bischofskonferenz und der Generalsekretär des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks Repam, Mauricio Lopez Oropeza.

Redaktion für Schlussdokument

Die Synodalen wählten am ersten Sitzungstag zudem vier Mitglieder des Redaktionsausschusses für das Schlussdokument der Synode. Diese sind Bischof Mario Antonio Da Silva aus Brasilien, der Vorsitzende der Peruanischen Bischofskonferenz Hector Miguel Cabrejos Vidarte, der kolumbianische Bischof Nelson Jair Cardona Ramirez und Erzbischof Sergio Alfredo Gualberti Calandrina aus Bolivien. Drei weitere Mitglieder werden von Papst Franziskus direkt ernannt. Ihre Namen sind noch nicht bekannt.

Die sieben Synodalen bilden zusammen mit dem Synoden-Generalrelator Kardinal Claudio Hummes, dem Synoden-Generalsekretär Lorenzo Baldisseri, Pro-Generalsekretär Bischof Mario Grech und den beiden Sondersekretären Kardinal Michael Czerny und Bischof David Martinez de Aguirre Guinea das zwölfköpfige Team, das einen Entwurf des Schlussdokuments erarbeitet und nach Änderungsanträgen redigiert.

So läuft die Synode ab

Bis Mittwoch tagt die Synode nun zunächst als Vollversammlung in der vatikanischen Synodenaula. Mit Blick auf die 258 Teilnehmer mit Rederecht darf ein Beitrag im Plenum vier Minuten nicht überschreiten. Papst Franziskus bat sich zudem aus, dass nach jeweils vier Wortmeldungen vier Minuten Schweigen eingehalten werden. Danach werden die Arbeiten bis Freitag in kleineren Gruppen, den sogenannten „circoli minori“, fortgesetzt. Plenarrunden finden dann erneut vom 12. bis 15. Oktober statt, bevor am 16. und 17. Oktober wieder Kleingruppenberatungen folgen.

Noch am 17. Oktober sollen die Erträge aus den Arbeitskreisen vorgetragen werden, bevor ein Ausschuss mit zehn Mitgliedern einen Entwurf für das Schlussdokument erarbeitet. Dieser wird den Synodalen am 21. Oktober vorgestellt und anschließend in den Arbeitskreisen diskutiert. Die Schlussfassung soll am 25. Oktober in der Aula präsentiert und am 26. Oktober in der letzten Generalversammlung abgestimmt werden. Ob der Text veröffentlicht wird, liegt in der Entscheidung des Papstes. Die Synode endet am 27. Oktober.

 

Fotos: Eindrücke von der Eröffnung der Amazonien-Synode.

Fotos: Vatican News/Referat Weltkirche/Kopp/Misereor

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