Auf sparsamem Fuß die Welt entdecken

 

Wie kommt man ohne Flugzeug nach Amerika? Die Wienerin Barbara Graf hat es vorgemacht und ist mit Fahrrad und Segelboot einmal um die Welt gereist.

 

SALZBURG (eds/rb-wadl - 10.03.2016) / Im Oktober 2011 machte sich die damals 24-Jährige mit dem Rad auf den Weg Richtung Spanien und war schlussendlich drei Jahre und acht  Monate lang 22.000 Kilometer mit dem Rad und 19.000 Kilometer mit dem Segelboot unterwegs. „Das Ziel war mir nicht wichtig. Mir kam es darauf an, wie ich unterwegs bin“, sagt Graf bei ihrem Vortrag in der Robert-Jungk-Bibliothek. Mit dem Rad, statt Flugzeug und Auto – um fossile Treibstoffe zu vermeiden. Sie lebte von „Kostbarkeiten wie Beeren, die ich am Wegesrand fand und aus den Mülltonnen der Konsumgesellschaft“ und schlief unter freiem Himmel oder bei Menschen, die sie beherbergten.

Zufälle brachten sie immer weiter auf ihrem Weg, bis sie einmal um die Erde gereist war. „Ich kam zur relativ richtigen Segelzeit in Gibraltar an.“ Sie fragte sich durch, bis sie wirklich jemand auf seinem Segelboot mitnahm. So überquerte sie in 1,5 Monaten den Atlantik, kam in der Karibik – auf Martinique – an und segelte weiter nach Kuba. „Ein Brite hat mich nach Florida mitsegeln lassen. Der Unterschied war enorm: Auf Kuba wird jedes kleinste Teil wieder verwendet, 20 Jahre alte Autoreifen werden händisch genäht, Essen wird nicht weggeworfen. Das war ein starker Kontrast zu Florida“, berichtet sie.

Umkehren oder weiter nach Australien?

In den USA besuchte sie eine Freundin – drei Monate brauchte sie radelnd von Florida nach Los Angeles. Die Freundin plante gerade, nach Australien zu segeln und brauchte eine Crew: Barbara Graf heuerte an. Da die Abfahrt noch zwei Monate dauerte, radelte sie nach Kanada und zurück. „Der Atlantik ist eine Überfahrt, aber der Pazifik ist eine Reise. Die Fahrt dauerte fünf Monate, da ist es schwer, dass dich jemand Fremdes mitnimmt“, war sie über die Chance froh. Mit dem nächsten Segelschiff kam sie nach Indonesien und per Fähre nach Singapur, durch Malaysia, Thailand, China, Usbekistan und Turkmenistan. „Eine Freundin hat mir vom Pamir-Gebirge vorgeschwärmt, deshalb habe ich einen Abstecher hin gemacht“, erzählt sie. Die mittlere Höhe des Pamirs liegt bei 3.600 bis 4.400 Meter. Sie radelte im Schnee und traf bestens ausgerüstete Radler mit Wasserfilter und warmem Schlafsack. „Das hatte ich alles nicht. Ich habe schon geschaut, wo das Wasser, das ich trank, herkam. Ich trank aus Flüssen, aber in der ganzen Zeit wurde ich nie krank.“

Gastfreundliche Menschen

Weiter ging es in den Iran, an die Kultur angepasst mit Schleier am Rad. „Der Iran ist gerade auch von der Gastfreundschaft her ein besonderes Land“, schwärmt sie. „Wo immer ich hinkam, auf der gesamten Reise, sind mir neugierige und nette Menschen begegnet.“ Als Frau alleine unterwegs – gefürchtet hat sie sich nicht, so Graf. „Man muss auf der Hut sein, aber auch Vertrauen zu gastfreundlichen Menschen haben“, meint sie. Mehr als Sightseeing habe sie interessiert, wie die Menschen in den verschiedenen Ländern leben. „Das Rad war dafür sehr gut geeignet. Es ist so langsam, dass man bei jedem ,Hallo‘ stehen bleiben kann.“ Beim Radeln über den Balkan war dann schon ein Gefühl des Ankommens spürbar. Die Reise hat einiges verändert: „Es relativiert sich vieles. Ich hatte vergessen, wie viel Zeug ich im Zimmer bei meinen Eltern hatte, mit wie viel wir uns belasten. Die Reise zeigte mir, wie man im Lebensstil runterschrauben kann und mit Einfachem glücklich wird.“ Bei vielem konnte sie sich selber helfen, sie lernte aber auch, Hilfe anderer anzunehmen. „Man bekommt auch einen Bezug zur Natur und kann sich darauf einlassen. Raus aus der Stadt ist man in einem anderen Modus, aber es kann schnell zurückgehen und man beachtet den schönen Baum in der Stadt gar nicht mehr.“

Öfter auf das Auto verzichten

Zurück von der Reise ist das Fahrrad noch immer ihr Fortbewegungsmittel. „Das Rad ist Lebensqualität. Man braucht das Auto, aber nicht immer – es gibt auch Lastenräder“, lacht sie. Nun will sie sesshaft werden und ist Teil eines Hofkollektivs. Gemeinsam wollen sie solidarische Landwirtschaft – markt-unabhängig erhalten zahlende Mitglieder die Ernte – betreiben. „Das Auto ist für viele noch so selbstverständlich“, sagt der Umweltreferent der Erzdiözese, Johann Neumayer. „Das wollen wir mit der Aktion Autofasten aufbrechen und Anreize wie mit diesem Vortrag geben, um das Auto öfter einmal stehen zu lassen.“ 

TIPP: Anregungen und Gewinnspiel für Autofaster unter www.autofasten.at


Foto: eds

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