Autor Sigg: Internet bringt Glaube und Alltag zusammen

 

Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am Sonntag, 2. Juni 

 

SALZBURG (eds-31.5.2019) / "Das Bild des Leibes und seiner Glieder erinnert uns daran, dass die Nutzung der sozialen Netzwerke eine Ergänzung zur leibhaftigen Begegnung ist, die sich durch den Körper, das Herz, die Augen, den Blick, und den Atem des anderen verwirklicht. Wenn das Netz zur Erweiterung oder in Erwartung einer solchen Begegnung genutzt wird, entspricht es seinem eigentlichen Wesen und bleibt eine Ressource für die Gemeinschaft", sagt Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Stephan Sigg, Theologe, Autor und Experte für die digitale Zukunft der Kirche weiß, wie man das Internet und all seine Vorteile geschickt für die Verkündigung der Botschaft Jesu aber auch für eine etwas andere Gebetspraxis nutzen kann. 

Chancen und Gefahren

Für Sigg sind die Chancen, die das Internet bietet weit mehr als die Gefahren. Das Internet ermöglicht es, dass aus digitalem ganz realer Kontakt werden kann aber nicht unbedingt muss, weil man Nähe auch im digitalen Raum leben kann. „Ich bin nicht allein, das ist die wesentliche Botschaft, wenn ich gemeinsam auf  Whatsapp bete oder bei einem Twitter-Gottesdienst teilnehme“, präzisiert der Theologe. Der Wert einer solchen digitalen Kommunikation bestehe schon an sich und hat nicht erst dann Gültigkeit, wenn es der realen Welt diene.

Mehr als eine Ergänzung der Wirklichkeit

So sieht Sigg auch die Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel zu kurz gegriffen: „Das Internet nur als ein Mittel zum Zweck, als ein Ergänzungsmedium, wie es Franziskus nennt, zu sehen, ist eine grobe Unterschätzung seines Wertes.“ Das Internet ist vielmehr eine eigene oder zweite Wirklichkeit geworden, in der man wisse müsse, wie man dort agiere und kommuniziere. Dabei spiele der Dialog eine entscheidende Rolle: „Im Internet muss man mehr auf Dialog als auf ein bloßes Senden von Botschaften setzen. Über Gläubige im Netz sollte man sagen: Die wollen den Austausch.“ Gleichzeitig sieht er ebenso wie Papst Franziskus die Christinnen und Christen in der Pflicht, einen bewussten Umgang mit dem Internet zu leben und zu fördern: „Wie Christsein online geht, dazu muss uns etwas einfallen.“ 

Aus der Papstbotschaft

Das Bild des Leibes und seiner Glieder erinnert uns daran, dass die Nutzung der sozialen Netzwerke eine Ergänzung zur leibhaftigen Begegnung ist, die sich durch den Körper, das Herz, die Augen, den Blick, und den Atem des anderen verwirklicht. Wenn das Netz zur Erweiterung oder in Erwartung einer solchen Begegnung genutzt wird, entspricht es seinem eigentlichen Wesen und bleibt eine Ressource für die Gemeinschaft. Wenn eine Familie das Internet nutzt, um besser verbunden zu sein, und sich dann an einen Tisch setzt und sich gegenseitig in die Augen schaut, dann ist es eine Ressource. Wenn eine kirchliche Gemeinschaft ihre Aktivitäten durch das Internet koordiniert und dann gemeinsam Eucharistie feiert, dann ist es eine Ressource. Wenn das Netz einem die schönen oder leidvollen Ereignisse und Erfahrungen anderer nahebringt, wenn es uns hilft gemeinsam zu beten und das Gute wiederzuentdecken in dem, was uns verbindet, dann ist es eine Ressource. (…) 

Die Kirche selbst ist ein von der eucharistischen Gemeinschaft geknüpftes Netz, wo die Einheit nicht auf „Likes“, sondern auf der Wahrheit, auf dem „ Amen “ beruht, mit dem jeder seine Zugehörigkeit zum Leib Christi zum Ausdruck bringt und die anderen annimmt.(...)

 

Foto: Stephan Sigg nach seinem Vortrag an der Universität Salzburg. 

Foto: RB/dape

 

 

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