Baumeisterinnen eines guten Lebens

 

Familienfasttag: Die Katholische Frauenbewegung unterstützt mit ihrer Partnerorganisation WODSTA Frauen in Tansania 

 

SALZBURG (eds-14.03.2019) / Die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung (kfb) Österreich ist seit mehr als 60 Jahren nicht mehr aus der Fastenzeit wegzudenken. Offizieller Familienfasttag ist heuer der 15. März. Rund um diesen Termin finden österreichweit in den Pfarren Sammlungen und Benefiz-Suppenessen statt. Die Fastensuppenessen sind inzwischen zu einem Markenzeichen geworden, zu denen jedes Jahr führende Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft kommen. Insgesamt bringt die kfb in Österreich mit der Aktion jährlich rund 2,4 Millionen Euro auf und unterstützt so mehr als 100 Frauenprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Schwerpunktland ist heuer Tansania. Zu den Förderern der Aktion Familienfasttag gehört auch Erzbischof Franz Lackner. Er schreibt in seinem Hirtenwort: „Ich danke der Katholischen Frauenbewegung, dass sie mit ihrem Engagement das Recht dieser tansanischen Frauen auf ein Leben in Würde unterstützt. Unser Fasten, unser Verzicht wandelt nicht nur uns, sondern auch das Leben vieler Menschen zum Guten.“ Den gesamten Hirtenbrief finden Sie hier.

Frauen in Tansania nehmen den Wandel in ihre Hände

Unter dem Motto „Wandel wagen! Gemeinsam für eine Zukunft aus eigener Kraft" sammelt die kfbö in diesem Jahr auch für Frauen wie Chiku Mohamed. Eigentlich nennen sie alle Mama Chiku. Nicht nur ihre fünf Kinder und zehn Enkelkinder, auch die jüngeren Frauen im Dorf. Die 64-Jährige ist ihr Vorbild. Chiku Mohammed lebt in Olkokola in der Region Arusha im Nordosten Tansanias. Sie war eines der ersten Mitglieder der lokalen  „Energiespargruppe“. Die von ihr gebauten Zementöfen sind ihr ganzer Stolz. Das Know-how dafür kam von WODSTA, einer Organisation, die Entwicklung, Forschung und Technologien fördert. Die Schlüsselrolle dabei spielen Frauen. Sie lernen Energiesparöfen herzustellen, mit denen sie nicht nur die Umwelt schützen, sondern sich Einkommen und Unabhängigkeit erarbeiten. Mit der Aktion Familienfasttag unterstützt die Katholische Frauenbewegung die „tansanischen Baumeisterinnen“ bei ihrem Einsatz für ein besseres Leben und nachhaltigen Wandel. 

Auf dem Energiesparofen von Mama Chiku kochen wie fast jeden Tag Bohnen vor sich hin. Neben Reis und Bohnen bringt sie für die fünf Enkel, die bei ihr im Haus wohnen, vor allem Ugali, einen Getreidebrei aus Maismehl, auf den  Tisch. Mit dem Zementofen gehe es beinahe wie von Zauberhand. „Er heizt schneller und regelmäßiger. Früher verbrannte das Essen oft.“ Es entwickle sich zudem weniger Rauch und sie brauche so gut wie kein Holz mehr. Chiku Mohammed berichtet, dass sie auf Briketts umgestiegen sei, die sie aus Altpapier ebenfalls selbst herstelle. Mit ihrer neu gewonnenen Fertigkeit des Ofenbaus möchte die Großmutter ein kleines Geschäft aufziehen. Fünf Öfen zu je 15.000 Tansania-Schilling, das sind gut sechs Euro, habe sie bereits verkauft. Nach Abzug der Ausgaben für den Zement ist der Gewinn noch überschaubar. Doch für Mama Chiku, die jeden Schilling umdrehen muss, ist es trotzdem eine willkommene Aufbesserung ihres Haushaltsbudgets.

Simple, aber effektive Lösung

In Tansania, einem Land, das gut elf Mal so groß wie Österreich ist, leben 57 Millionen Menschen, 80 Prozent davon am Land. Nur ein Bruchteil hat fließendes Wasser und elektrischen Strom, deshalb wird meist auf offenem Feuer mit Holz, Kerosin oder Holzkohle gekocht. Die Frauen atmen ständig Rauch ein. Chronische Bronchitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Folgen. Die traditionellen Drei-Steine-Kochstellen schaden zudem der Umwelt, weil das Feuer mit Kohlendioxid und Ruß zwei starke Klimatreiber in die Luft trägt. Ein weiteres Problem ist die Abholzung der Wälder.      

Die von WODSTA ins Spiel gebrachte Lösung ist simpel: Energiesparöfen, die kaum mehr qualmen, damit weniger Schadstoffe freisetzen und den Feuerholzverbrauch drastisch senken. Die „Women Development for Science and Technology Association“, kurz WODSTA, verbreitet ihre Mission von erneuerbaren Energien und energiesparenden Technologien in den Dörfern rund um Arusha. Dabei legt sie den Wandel in die Hände der Frauen. Generalsekretärin Lyne Ukio: „In unseren Workshops geht es um Entwicklung, Umweltschutz und neue Technologien. Die Frauen lernen, Zementöfen zu bauen.“ Teil der Schulungen sei es zudem, mit den Frauengruppen Setzlingsbeete anzulegen. Ukio wird nicht müde, in diesem Zusammenhang folgendes Motto zu wiederholen: „Bevor du einen Baum fällst, pflanze einen neuen.“ Zum Konzept von WODSTA gehört es auch, dass die Frauen ihre Erfahrungen als Trainerinnen an Nachbarinnen oder Verwandte weitergeben. Für Lyne Ukio ist dieses Verbreiten von Wissen an der Basis das Entscheidende, um eine nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.

Frauen geben ihr Wissen weiter

Eine, die heute um ihre Fähigkeiten und Stärken weiß, ist Gladness Elibariki. „Seit den Trainings mit WODSTA traue ich mir mehr zu.“ Die 43-Jährige ist sogar zur Erfinderin geworden. Sie hat eine „Light-Ofen-Variante“ entwickelt. „Zement ist teuer. Ich verwende Lehm, der kostet nichts.“ Die Frauen aus der Nachbarschaft seien sehr interessiert. „Ich bin dankbar für das, was ich bisher erreicht habe und möchte mein Wissen nicht für mich behalten, sondern weitergeben.“ Ihren Kindern sage sie immer wieder, wie wichtig die Schule sei. „Sie sollen lernen, dann können sie ihre Träume verwirklichen.“ Das Nesthäkchen der Familie, die siebenjährige Nema, hört aufmerksam zu, als ihre Mutter erzählt. In etwas größerer Entfernung stehen einige Männer aus dem Dorf. Auf die Frage, wie sie mit dem neuen Selbstbewusstsein ihrer Frauen umgehen, kommt keine direkte Antwort. Ihre Meinung zu den Energiesparöfen fällt pragmatisch aus: „Damit geht das Kochen schneller und die Frauen haben mehr Zeit für andere Arbeiten.“

WODSTA verändert Leben

Die kfb unterstützt WODSTA seit sieben Jahren. Seither wurden Frauen aus sechs Dörfern ausgebildet, die nun selbst Energiesparöfen produzieren und gewinnbringend verkaufen. Zudem baut WODSTA mit ihren Mitgliedern Öfen, Solaranlagen und Biogasanlagen für Schulen und Gesundheitszentren.

Seit der Gründung in den 90er-Jahren hat die Organisation schon Zigtausend Frauen erreicht. „Mit unseren Programmen wollen wir die Situation von Frauen und Mädchen in Tansania verbessern. Wir möchten sie stolz sehen. Sie sollen selbstbewusst auf ihren eigenen Beinen stehen, Grund und Boden besitzen dürfen und Geld verdienen. Sie sollen ,Anführerinnen‘ sein und keine Angst haben, ihren Standpunkt zu vertreten“, betont Lyne Ukio.

Mama Chiku und Gladness Elibariki sind zwei Frauen, die heute ihre eigenen Entscheidungen treffen und die sagen: „WODSTA hat mein Leben verändert.“

Zukunft aus eigener Kraft

„Es ist beeindruckend, wie sich die Frauen auf die Workshops einlassen und wie sich das auf ihr Selbstwertgefühl auswirkt. Sie nutzen die Möglichkeit der Teilhabe und bauen an einer besseren Zukunft für ihre Kinder mit“, freut sich Petra Unterberger. Die Tirolerin ist stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich (kfbö) und überzeugte sich vor Ort, wie die Aktion Familienfasttag dank WODSTA Frauenleben in Tansania verändert. Sie habe auch erlebt, wie der Klimawandel den Alltag der Menschen beeinflusse. „Wir brauchen einen Wandel, hin zu mehr Achtsamkeit der Natur – und zwar global.“ Die kfbö fördert seit mehr als 60 Jahren aus Spenden an die Aktion Familienfasttag Partnerinnen in Asien, Lateinamerika und Afrika. Heuer lautet das Jahresthema: „Wandel wagen! Gemeinsam für eine Zukunft aus eigener Kraft“. Das Erfolgsrezept der Partnerorganisation WODSTA in Tansania: Frauen zu Energie-Expertinnen ausbilden und mit wenigen Mitteln große Veränderungen in Gang bringen. Weitere Infos unter www.teilen.at

Benefiz-Suppenessen in Salzburg und Tirol

In zahlreichen Pfarren der Erzdiözese finden Fastensuppenessen statt. Die Termine zu den Suppenessen in den Pfarrgemeinden gibt es hier.

  • Das Benefiz-Suppenessen in der Stadt Salzburg findet am Freitag, dem 22. März, um 12 Uhr in der Residenz zu Salzburg statt. Haubenköchin Johanna Maier wird wieder eine schmackhafte Fastensuppe kredenzen.
  • Am Freitag, 29. März, um 19 Uhr, lädt die Katholische Frauenbewegung gemeinsam mit den Familien Hauser zum Suppenessen beim prominenten Stanglwirt in Going am Wilden Kaiser ein

 

Foto1: Verstehen sich: Maasai-Frau und WODSTA-Mitglied Jasinta Loi und Petra Unterberger, stellvertretende Vorsitzende der kfb Österreich.

weitere Fotos: Frauen in Tansania, die dank der Energiesparöfen heute ein besseres Leben führen.

Fotos: RB/ibu

 

 

 

Zurück