Begabungen einbringen

 

Besinnen. In Zeiten des personellen Umbruchs hängt es auch von uns ab, dass christlicher Glaube in unserer Pfarrgemeinde gelebt werden kann. „Wir müssen weg von einer Versorgerkirche hin zu einer Beteiligungsgemeinde und uns besinnen, was uns wichtig ist“, sagt Gerhard Schaidreiter, seit September Leiter des neuen Referats Personalentwicklung Ehrenamt im Seelsorgeamt der Erzdiözese.

 

Gerhard Schaidreiter

SALZBURG (eds/Wadl/RB - 4. 2. 2015) „Den Priestermangel könnte man als Chance sehen und als Anstoß nehmen, Pfarrgemeinde neu zu verstehen“, meint Schaidreiter. „Menschen bringen ihre unterschiedlichen Begabungen ein und im Miteinander entsteht Gemeinde. Es hängt von uns selber ab, dass Gemeinde gelebt wird.“ Der Pastoralrat beschloss 2013, für Pfarrgemeinden, die priesterlich unterversorgt sind, ein Modell zu entwickeln. Bisher stieß Schaidreiter in den Salzburger Pfarren aber eher auf Widerstand, wenn er das Linzer Modell, das in 50 Gemeinden gelebt wird, dem Pfarrgemeinderat vorstellte. Dabei sucht der PGR Ehrenamtliche, die Zuständigkeiten übernehmen könnten, wenn die Gemeinde ihren Priester oder Hauptamtlichen vor Ort verliert. 
Was bedeutet christliches Leben für uns?


„Es ist kein Notmodell, die Ehrenamtlichen sollen nicht als Systemerhalter dienen, sondern eine Form gefunden werden, Christsein in der Pfarrgemeinde leben zu können“, erklärt Schaidreiter. „Wenn ein Modell, das viele hundert Jahre funktioniert hat, nicht mehr passt, ist es nicht einfach. Ärger und Trauer über den Verlust von Vertrautem brauchen Platz, aber ich will Gemeinden ermutigen, angesichts des Umbruchs nicht zu erstarren, sondern ihn zum Anlass zu nehmen, hinzusehen, was wesentlich ist.“ 


Bevor ein Modell mit konkreten Aufgaben für den Einzelnen entwickelt wird, müssen wir uns besinnen auf unsere Vision von christlicher Gemeinde, deren Rahmen die vier Grundaufgaben Diakonie, Liturgie, Verkündigung und Gemeinschaft sind. „Wir dürfen nicht vergessen, dass uns der liebende Gott trägt. Mit dieser Grundlage kann man gar nicht anders, als sozial engagiert zu sein, den Glauben weiterzusagen oder Formen zu finden, wie der Glaube zum Ausdruck gebracht werden kann.“ Gemeinde ist mehr als die Sonntagsmesse, man ist nicht in allem von einem Pfarrer vor Ort abhängig – „eine Gemeinde braucht aber sehr wohl spirituelle Nahrung. Sie ist nur gesund, wenn sie in Christus verwurzelt ist“. Ein Priester muss die Seelsorge leiten. Eine christliche Gemeinde, die aus dem Engagement der Mitglieder lebt, gibt den Menschen ungemein viel. „Ich bin überzeugt, dass es jeden Einsatz wert ist und es viele Menschen gibt, denen die Erfahrung auch kostbar ist und die sie nicht verloren gehen lassen wollen.“ 
Gemeinden werden in ihrer Weiterentwicklung von der Erzdiözese begleitet, „die Expertise ist da“, so Schaidreiter. Zudem wird gerade ein Lehrgang für Ehrenamtliche entwickelt, den Interessierte ab Herbst besuchen können.

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