Bischöfe fordern verstärkte Hilfe vor Ort

 

Österreichische Bischöfe unterstützen Vorschlag von Außenminister Kurz für humanitäre Korridore

 

WIEN (eds/kap - 20.6.2016) Verstärkte Hilfe für Menschen in Not haben die katholischen Bischöfe Österreichs zum Weltflüchtlingstag gefordert. "Es geht nicht primär darum, wie wir unser Problem mit den Flüchtlingen lösen, sondern wie wir dazu beitragen können, die Probleme der Flüchtlinge zu lösen", stellte Kardinal Christoph Schönborn bei der Sommervollversammlung der Bischöfe klar, die in der Vorwoche in Mariazell stattfand. Durch aktive Friedenspolitik, Wirtschaftshilfe und Entwicklungshilfe sollten die Bedingungen geschaffen werden, dass Menschen "erst gar nicht flüchten müssen". Wer nach Österreich komme und hier Asyl erhalte, brauche Hilfe bei der Integration.

Unterstützung signalisierten die Bischöfe für den Vorschlag von Außenminister Sebastian Kurz, humanitäre Korridore auf- und auszubauen. Es wäre ein "ganz großer Fortschritt", wenn künftig jährlich bis zu 15.000 schutzbedürftige Flüchtlinge direkt über humanitäre Korridore nach Österreich kommen könnten, sagte Schönborn. Österreich habe im Zuge der Hilfe für Flüchtlinge aus Syrien damit schon gute Erfahrungen gemacht, und es sei zudem ein geeigneter Weg, um das kriminelle Schlepperwesen zu bekämpfen. Das Mittelmeer dürfe zudem keine "Todeszone für Flüchtlinge" sein.

Nächstenliebe und Solidarität hätten eine persönliche und institutionelle Seite, führte Schönborn weiter aus. Jeder Einzelne sei dazu aufgerufen, mit Flüchtlingen zu reden, ihre Geschichten zu hören und zu helfen, andererseits sei eine große europäische politische Lösung notwendig, "wie wir für die gewaltigen Flüchtlingsströme, die noch viel größer werden können, zu einer halbwegs menschlichen geordneten Lösung kommen können." Das müsse Europa jedenfalls weit besser umsetzen als bisher, forderte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Für die Bewältigung der Flüchtlingssituation sei eine "solidarische Lösung in Europa" notwendig", so Schönborn. Den von Minister Kurz eingebrachten Vorschlag, Australien als Modell für den Umgang mit Flüchtlingen zu sehen, lehnte er hingegen ab.

Angaben des Kardinals zufolge wird derzeit jeder zweite Asylwerber in Österreich von der Kirche betreut - rund 9.500 in kirchlichen Quartieren, weitere 35.000 in mobiler Betreuung. Daneben gebe es zahlreiche pfarrliche Initiativen zur Integration von Flüchtlingen etwa in Form von Sprachkursen und Freizeitgestaltung, oder bei Behördengängen.

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