Bischof Kräutler fordert Solidarität mit Flüchtlingen

 

"Grenzschutzanlagen und Kontrollen am Brenner werden sie nicht aufhalten"

 

MÜNCHEN (kap/kna 17.2.2016) /Der emeritierte brasilianische Bischof Erwin Kräutler hat die Europäer zur Solidarität mit den Flüchtlingen aufgefordert. Bei diesem Thema "geht es nur ums Leben, manchmal ums nackte Überleben - da können wir die Augen nicht verschließen und sagen: Das geht mich nichts an", sagte der gebürtige Vorarlberger am Mittwoch im Radio des Bayerischen Rundfunks (BR). Er persönlich frage sich: "Wenn das mein Bruder wäre, wenn das meine Schwester wäre, eine verwandte Person von mir - wie würde ich mich dazu stellen? Aber es sind für uns oft anonyme Gestalten, die ich nicht kenne und die ich einfach von der Grenze fernhalten will."

Die von Österreich angekündigten Grenzschutzanlagen und Kontrollen am Brenner werden die Flüchtlinge nach Ansicht des Bischofs nicht aufhalten. "Die Flüchtlinge, die rüber wollen, die werden die grüne Grenzen benutzen." Zugleich geht Kräutler davon aus, dass die Flüchtlinge nach dem Ende des Krieges in ihre Heimat zurückkehren. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle einfach dableiben wollen, sie haben ihre Wurzeln. Das muss eine vorübergehende Entscheidung sein."

Kräutler war bis zu seiner altersbedingten Emeritierung im vergangenen Jahr Bischof von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens am Amazonas. International wurde er durch seinen Einsatz für die indigenen Völker und gegen ein industrielles Staudammprojekt in diesem Gebiet bekannt. 2010 erhielt er den Alternativen Nobelpreis. Derzeit hält sich der Kirchenmann in Deutschland auf. Zu Wochenbeginn war er bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe im württembergischen Schöntal zu Gast. Am Sonntag wird er in Nürnberg mit dem Bayerischen Naturschutzpreis ausgezeichnet.

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