"Bitte gewährt jenen, denen die Flucht gelungen ist, Schutz"

 

Empfang der Religionen im Zeichen der Jesiden

 

SALZBURG (eds/aai – 14.11.2016) Der sechste ‚Empfang der Religionen‘ an der Universität Salzburg richtete den Blick auf eine kleine, bis vor kurzem nahezu völlig unbekannte Religionsgemeinschaft. Die Jesiden, die eine alte und bemerkenswerte Überlieferung vorweisen, wurden in den kriegerischen Auseinandersetzungen im Gebiet des sogenannten ‚Islamischen Staates‘ zu Opfern von Gewalt und Vertreibung. Die Veranstaltung bot die seltene Gelegenheit, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften kennenzulernen und das friedliche Zusammenleben in den Vordergrund zu stellen.

Gemeinsam mit VertreterInnen des Buddhismus, Christentums, Islams, Baha’i, Hinduismus und des Jesidentums wurde der Empfang mit einem Religionsverbindenden Gebet in der Kollegienkirche eröffnet. Das Gebet wird vom ‚Arbeitskreis Interreligiöser Dialog‘, der am Afro-Asiatischen Institut angesiedelt ist, vorbereitet.

Beim anschließenden Empfang in der theologischen Fakultät gab die Vertreterin der Jesiden, Frau Solamen Sandos, gemeinsam mit ihrem Sohn Dimuzi Einblicke in die aktuelle Situation der Jesiden weltweit und in Österreich. Seit Sommer 2014 werden AnhängerInnen der religiösen Minderheit im Nordirak und Syrien von der Terrororganisation ‚Islamischer Staat (IS)‘ aus ihren Dörfern vertrieben, getötet oder entführt. Die Frauen werden vergewaltigt, zwangsverheiratet, zwangskonvertiert oder als Sklavinnen weiterverkauft.

„Es hat lange Zeit gedauert bis die Medien und die internationale Gemeinschaft auf den von den IS Milizen verübten Völkermord an den Jesiden aufmerksam wurden“, sagte Solamen Sandos. Am Ende ihrer Ausführungen richtete die Vertreterin der Jesiden  noch eine persönliche Bitte an die Republik Österreich: „Bitte gewährt jenen, denen die Flucht gelungen ist, den derzeit so dringend benötigten Schutz“.

Im Rahmen des jährlichen Festvortrags befasste sich Frau Dr. Khanna Omarkhali von der Universität Göttingen mit der Entwicklung der jesidischen Religion und den gegenwärtigen Umbrüchen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Iranistik gab einen Überblick über die Geschichte und Inhalte der Jesiden-Religion, „die sich gerade in einem Umbruch befindet“, wie sie sagte.

Die jesidische ist eine der ältesten monotheistischen Religionen und weist weltweit ca. 700 000 Mitglieder auf. In Österreich leben derzeit ca. 700 Jesidinnen und Jesiden. Der Großteil der AnhängerInnen des Jesidentums sind Kurden. Sie glauben an Seelenwanderung und verehren ihren Gott mit seinen sieben Engeln. Das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden ist der Nordirak mit dem religiösen Zentrum Lalisch (ca. 50 km von Mossul entfernt). „Veranstaltungen wie diese befördern den interreligiösen Dialog und sind gerade in Zeiten wie diesen von besonderer Bedeutung“, betonte Frau Dr. Khanna Omarkhali am Ende ihres Vortrags.

In ihren Grußworten zur Eröffnung des Empfangs in der theologischen Fakultät forderten Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) und Integrationslandesrätin Martina Berthold (Grüne) mehr Solidarität mit den Jesidinnen und Jesiden und allen verfolgten Gläubigen weltweit.

Der Empfang der Religionen ist eine Kooperation der Universität Salzburg mit der Erzdiözese Salzburg, dem Afro-Asiatischen Institut Salzburg, der Diözesankommission für den interreligiösen und interkulturellen Dialog (DKID), dem Katholischen AkademikerInnenverband (KAV) und dem Institut für Religionspädagogische Bildung Salzburg der Privaten Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein.


Bild: Die Vertreterin der jesidischen Religionsgemeinde Frau Solamen Sandos beim Religionsverbindenden Gebet in der Kollegienkirche
Foto: AAI Salzburg

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