„Blick für Menschen am Rande“

 

Weihbischof Hansjörg Hofer feierte mit Bischof Ägidius Zsifkovics im Eisenstädter Martinsdom den burgenländischen Landespatron

 

 

 

SALZBURG / EISENSTADT (eds/kap-13.11.2017) / Anlässlich des Martinsfestes hat Weihbischof Hansjörg Hofer im Eisenstädter Martinsdom mit Bischof Ägidius Zsifkovics den Festgottesdienst gefeiert. In seiner Predigt hat Hofer das heutige „Gesicht“ des Bettlers am Stadtrand, mit dem Martin den Mantel teilte, beschrieben.

„Der Bettler am Stadtrand von Amiens begegnet uns heute mit ganz unterschiedlichen Gesichtern: als Menschen auf der Flucht; als Christen, die um ihres Glaubens willen Haus und Hof und ihre Heimat verlassen müssen; als alleinerziehende Mütter, als vernachlässigte Kinder, als Langzeitarbeitslose, als Sucht- und Drogenabhängige, als Notstandsempfänger, als Armutsgefährdete, als psychisch Leidende", so Hofer.

Martin sei „sicher ein Vollzeit-Christ“ gewesen, sagte Hofer unter Zitierung eines Wortes von Papst Franziskus: „Das Leben eines Teilzeit-Christen war Martin fremd.“ Dabei komme es auf eine tragfähige Gottesbeziehung an; sie sei auch „die eigentliche Kraft und Triebfeder für eine echte Reform in der Kirche“.

Weihbischof Hofer wörtlich: „Oft werde ich gefragt, wie es meiner Meinung nach mit unserer Kirche weitergeht. Da antworte ich immer voller Überzeugung: Es wird ganz sicher mit der Kirche gut weitergehen, aber es wird anders weitergehen. Wie allerdings dieses 'anders' ausschaut, lässt sich heute noch nicht klar definieren. Deswegen löst der Blick in die Zukunft bei manchen auch gewisse Ängste und Unsicherheiten aus.“

Dank äußerte Hofer für die Hilfe des Landes und der burgenländischen Kirche bei der Flüchtlingslogistik 1995. „Diese ganz konkrete, tatkräftige Liebe habt ihr im Burgenland und in der Diözese Eisenstadt am Höhepunkt der Fluchtbewegung sehr deutlich und glaubhaft unter Beweis gestellt zum Wohle so vieler Hilfesuchender und zur Ehre des heiligen Martin, eures mächtigen Landes- und Diözesanpatrons, der ein echter 'Mystiker der Tat' gewesen ist.“

Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics erwähnte in seinem Hirtenwort im Blick auf „100 Jahre Oktoberrevolution“ die „gottlosen politischen Systeme des 20. Jahrhunderts“, in denen sich die Gottvergessenheit gezeigt habe. Heute warne Papst Franziskus allerdings vor einer „kapitalistischen Welt, in der Gott zwar höflich, aber deshalb nicht weniger radikal verdunkelt und vergessen wird“. Es sei eine Welt, „in der Freundlichkeit an die Stelle von echter Caritas tritt, Zufriedenheit an die Stelle von Hoffnung, und Wissen an die Stelle von Glauben“, so Zsifkovics. Einen Gegenpol dazu bildet laut Zsifkovics der heilige Martin. Das Teilen seines Mantels durch den frühchristlichen Heiligen sei bis heute ein symbolischer Akt der Nächstenliebe und Vorbild für die Kirche.

Im Anschluss an das Pontifikalamt wurde das Martinskipfer geteilt und zu einer Agape geladen. 

Der Festtag des Diözesan- und Landespatrons, der im 4. Jahrhundert lebte und aus der römischen Provinz Pannonien stammte, ist eines der Highlights im Kirchenjahr des Burgenlandes. Das Pontifikalamt im Eisenstädter Martinsdom mit Bischof Ägidius Zsifkovics und dem Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer als Festprediger war dann der Höhepunkt.

Auch für Salzburg hat der römische Heilige eine besondere Bedeutung: Martin von Tours ist einer der Stadtpatrone Salzburgs.

Aufgrund seiner Vita ist der heilige Martin außerdem Schutzheiliger der Reisenden, der Armen, Gefangenen und Bettler, im weiteren Sinne auch der Flüchtlinge, sowie der Reiter, und der Soldaten, der Huf- und Waffenschmiede, der Weber, der Gerber, der Schneider und anderer Berufe die mit Leder und Tuchen arbeiten, der Gastwirte, der Kaufleute, der Binder und Winzer.

Foto: Weihbischof Hansjörg Hofer teilt das Martinskipferl mit Bischof Ägidius Zsifkovics und dem evangelischen Superintendenten Manfred Koch

Foto: Diözese Eisenstadt / Gossmann

 

 

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