Bücher, Zahlen und Leselust

 

"Bibliotheken sind Räume, wo sich Menschen begegnen", betont Christina Repolust bei der Fachtagung für BibliothekarInnen am 25.Juni in Salzburg.

 

SALZBURG (eds/Repolust - 27.6.2016) /Die über 70 Öffentlichen Büchereien in der Erzdiözese Salzburg haben eines gemeinsam: Sie wollen ihre LeserInnen mehr als zufrieden stellen, sie wollen sie begeistern, mit neuen Medienangeboten und Veranstaltungen. Eigentlich, so denken sie manchmal, sind wir eine Bibliothek für alle: für die Krabbelkinder und deren Eltern, für die Jugendlichen und deren Interessen, für Erwachsene und für und für auch noch … Dr. Christine Haiden, Chefredakteurin von Welt der Frau sowie Herausgeberin zahlreicher Bildbände, war Hauptreferentin der II. Tandem-Tagung des Referats für Bibliotheken und Leseförderung „Eine für alle? Oder doch nicht?“ Sie stellte genau dieses Selbstbild in Frage: „Es ist weder für eine Zeitschrift wie Welt der Frau noch für eine Bücherei möglich, eine Einrichtung für alle zu sein. Überlegen Sie, wer zu Ihnen kommt und wer nicht. Warum kommen Jugendliche nicht oder nur selten? Warum stehen Frauen und Kinder an den ersten Stellen der NutzerInnen, warum kommen so wenig Männer?“  

Öffentliche Büchereien haben dank ihrer Büchereikennzahlen einen exakten Überblick darüber, wer kommt, wer wie häufig und wer nie kommt. Es geht nicht mehr darum, möglichst viele Medien in den Regalen stehen zu haben, sondern diese möglichst oft zu entlehnen. Zu verborgen, den Menschen, für die man sie gekauft hat, mitzugeben. Da gibt es den neuen Roman von Anna Mitgutsch, eine Familiengeschichte, die jene Leserin mitnimmt, die gern österreichische Gegenwartsliteratur liest. Und für die Leserin, die sich bei ihrer Lektüre gern unterhält, die meint, dass sie genug Probleme im Alltag hat, die freut sich über den neuesten Regionalkrimi eines Salzburger Autors. Ja, da wird ordentlich gemordet, aber das sind nicht die Probleme, die sie meint. Und dann kommt die kleine Anna, die sich über das Pappbilderbuch „Sommer“ von Rotraut Susanne Perner so freut, dass sie es weitere drei Wochen entlehnen will. Da kommt dann die Fachkraft in der Bibliothekarin zum Vorschein: „Lassen Sie ihr doch das Buch! Kinder wollen das Buch begreifen, sie tauchen in die Zeichnungen ein, die schauen so genau, dass drei Wochen einfach zu kurz dafür sind.“ Fachkompetenz, Empathie und der Mut, über den eigenen Tellerrand zu schauen sind Qualitäten, die BibliothekarInnen ganz selbstverständlich zwischen die Regale, hin zu den Menschen bringen.

Annemarie Dihlmann, Leiterin der Öffentlichen Bibliothek Kössen, erinnert sich an das schwere Hochwasser im Ort: „Eigentlich wollten wir gar nicht aufsperren, wir hatten ja Schlamm und Wasser in der Bücherei. Doch als wir die Türen öffneten, kamen viele Leute: Sie wollten uns einerseits helfen und andererseits miteinander reden. Die Gasthäuser waren ja alle zu, da traf sich Kössen bei uns in der Bücherei. Trotz der Zerstörung war das schön, wir teilten unser Schicksal und tranken gemeinsam Kaffee. Ja, das ist ein Treffpunkt.“ Manfred Aigner, Leiterin der ÖB St. Michael, arbeitet mit seinem Team intensiv mit der Volksschule zusammen: „Wenn Träger Pfarre und Träger Gemeinde das finanzielle Fundament legen, lässt es sich gut in Kooperationen arbeiten.“

Bild: Alexandra Schinnerl, Bücherei Kramsach

Foto: eds/Repolust

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