Chance auf ein „anderes“ Leben

 

Der indischösterreichische Verein COPE eröffnet im südindischen Suraalipatty ein „Arivaham“, ein Haus der Lernens.

 

Salzburg/Manapparai, 9.4.2015 (eds/Rupertusblatt)  „In die Häuser des Lernens kommen die Kinder nach der Schule. Es sind immer einige Lehrer da, die sie unterstützen und ihnen bei Fragen zur Seite stehen. Die Eltern können ihnen bei den Haus-übungen ja nicht helfen“, erklärt Günther Jäger. Gemeinsam mit Karin Weissensteiner erlebte er die Eröffnung des „Arivaham“ in Suraalipatty. In diesem Dorf leben rund 250 Familien. Der Tag der Eröffnungsfeier zog beinahe 1.000 Menschen an. „Es war ein großes Ereignis für die ganze Region“, so Jäger, der erzählt, dass es schon Anfragen gibt, weitere Häuser des Lernens zu errichten. „Aber wir gehen nicht einfach wohin und machen das. Da muss zuerst die ganze Dorfgemeinschaft dahinter stehen. COPE bezahlt die Lehrer. Aufs Haus schauen, das müssen die Leute dann schon selber. Es soll schließlich ein echtes Bildungszentrum sein und ein Ort, den sie für Feste, Hochzeiten und Versammlungen aller Art nützen können.“ 

Dass das Konzept der „Arivaham“ aufgeht, zeigen die Erfahrungen im ersten Haus des Lernens in Mathur. „Neben den Kindern treffen sich hier Frauengruppen. Religion oder Kastenzugehörigkeit spielen keine Rolle. Die Frauen ,müssen‘ miteinander auskommen und das funktioniert in der Praxis. Sie stehen zusammen und arbeiten gemeinsam an einem guten Leben.“ 

Lern-Orte für die Ärmsten
COPE ist in einem Landstrich Indiens aktiv, wo der Kampf ums Überleben den Alltag prägt. Die meisten Menschen der südindischen Region Manapparai sind besitzlos. Sie bringen sich (noch) als Tagelöhner durch. Doch ihr Beschäftigungsfeld ist durch die Trockenheit bedroht. Die Folgen sind fatal. Den Kleinstbauern verdorrt die Ernte, für die Tagelöhner gibt es langfristig keine Arbeit mehr. Der kostbare Viehbestand geht ein und die Nahrungsmittel werden knapp. „Die Leute essen dreimal am Tag Reis oder nur ,Pfefferwasser‘. Sie sind auf die Reisrationen der Regierung angewiesen. Genau diese Menschen profitieren von den Aktivitäten von COPE“, beschreibt Karin Weissensteiner das einzige Kriterium, das der Verein als „Auswahlkriterium“ ansetzt: Armut. Egal ob in den Häusern des Lernens, im Sozialzentrum, bei den Patenschaften oder der Schule, die der Verein betreibt, immer sind es die Bedürftigsten, auf denen der Fokus liegt. 
Die indischen Projektleiter schauen sich die Situation vor Ort an. Sie kennen die Gründe, weshalb Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Sie können sich das Schulgeld und die Unterrichtsmaterialien nicht leisten. Oft stehen die Mütter alleine da. Die Männer haben aufgrund der wirtschaftlichen Auswegslosigkeit kapituliert und flüchten sich in den Alkohol. 

Günther Jäger und Karin Weissensteiner sind überzeugt: „Mit Bildung ist für die Kinder eine bessere Zukunft möglich. Bildung ist die Chance auf ein anderes Leben.“ Um diesen hohen Wert wissen auch die Erwachsenen, die von COPE „mitbetreut“ werden. Sonntags sind sie im Sozialzentrum „Nesa Karangal“ (helfende Freundeshände) und tauschen sich zu Familienthemen aus.

Mit Bildung zur Goldmedaille
Das englische Wort COPE heißt übersetzt „eine schwierige Situation meistern“. Seit dem Start im Jahr 2001 gab es für den Verein so manche Hürde zu nehmen. Doch das Fundament ist stark: die Freundschaft zwischen den Verantwortlichen auf beiden Kontinenten. Die indischen COPE-Gesichter sind der Priester Jesu Sathianathen und Arockia Rani. Auf der anderen Seite sind es Ehrenamtliche wie Günther Jäger, die sich engagieren und bei Besuchen vor Ort erleben wie ihr Einsatz Früchte trägt.

Mercy posiert mit ihrer Goldmedaille fürs Erinnerungsfoto. Ihr Lächeln fällt etwas schüchtern aus, dabei kann sie stolz auf sich sein.  „First rank and gold medal“ – mit Auszeichnung hat sie ihr Studium in Tamil Literatur abgeschlossen. Jesu und Rani freuen sich sehr über den Erfolg „ihres“ Mädchens. „COPE hat Mercy seit dem Tod ihres Vaters 2004 unterstützt. Jetzt hat sie diesen sehr guten Universitätsabschluss.“ Nach einer weiteren Ausbildung in Erziehungswissenschaften wird sie als Lehrerin arbeiten und so ihren Lebensunterhalt für sich und den für ihre Familie verdienen können. 

„Es ist schön, solche Entwicklungen mitzubekommen“, betont Jäger, der noch von einer anderen Erfolgsgeschichte berichtet. Einer der COPE-Schützlinge hat Mathematik studiert und unterrichtet bereits. Seine Herkunft hat er nicht vergessen. Er kümmert sich um seine Eltern und die sind sehr glücklich, dass ihr Sohn den Weg aus der Armut geschafft hat.

COPE ist ein ausschließlich ehrenamtlich getragenes Freundschaftsprojekt von Menschen aus Österreich, Spanien, und Indien. Es leitet eine Schule, ein Sozialzentrum, betreibt mehrere  „Arivahams“, das sind Häuser des Lernens und finanziert mit Patenschaften Kindern und Jugendlichen eine Schul- und Berufsausbildung. 
Wer COPE unterstützen möchte, kann das mit einer Spende (IBAN: AT02 3500 0000 9301 4546 BIC: RVSAAT2S) tun, der Übernahme einer Kinderpatenschaft oder der Organisation einer Benefizaktion – hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 
Kontakt: info@cope.in oder 0676/7363528

Fotos: Karin Weissensteiner, Cope


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